Mitunter fragen sie sich, ob sie in einer Performance gelandet sind

Räuber oder Künstler? Die Herausforderungen der Polizisten der documenta-Wache

+
Auf Streife im Parthenon der Bücher: (von links) Polizeioberkommissar Alexander Sondergeld und Polizeianwärter Torben Wolf gehören zur documenta-Wache.

Kassel. Zwei Asiatinnen parken ihr Auto auf dem Behindertenparkplatz und ziehen sich Masken über den Kopf. Planen sie eine Straftat oder sind sie Teil einer Kunstperformance?

Diese Szene spielte sich am Sonntag neben der documenta-Wache auf dem Friedrichsplatz ab.

Raub oder Kunst? Diese Frage ging Polizeioberkommissar Lars Viereck kurz durch den Kopf, bevor er die beiden maskierten Frauen ansprach. Es habe einige Zeit benötigt, bis er ihnen habe klar machen können, dass ihr Wagen nicht auf dem Behindertenparkplatz stehen bleiben könne, sagt Viereck. Die Frauen hätten ihm dann mitgeteilt, dass sie sich die Masken nur übergezogen hätten, weil sie sich damit vor dem Parthenon fotografieren lassen wollten.

Mit der Frage, ob eine Performance offiziell zur documenta gehört oder nicht, müsse man sich immer wieder beschäftigen, sagt Viereck, der Dienstgruppenleiter in der documenta-Wache ist. Da die beiden pensionierten Polizeibeamten Karl-Heinz Wolf und Ralf Rauwolf aber Sicherheitsbeauftragte der documenta sind, habe man einen kurzen Draht. „Da bekommt man immer schnell die Kuh vom Eis“, sagt Viereck. 

Die gute Zusammenarbeit zwischen documenta-Security, dem Ordnungsamt der Stadt und der Polizei und die starke Präsenz aller Sicherheitskräfte führten dazu, dass derzeit wenig Kriminalität in der Stadt stattfinde. „Wir hatten bislang auch nur ganz wenige Fälle von Taschendiebstählen“, sagt Viereck.

Er beantwortet die Fragen von vielen Kunst-Touristen: Polizeioberkommissar Lars Viereck ist einer der Dienstgruppenleiter in der documenta-Wache.

Die Polizeibeamten helfen vor allen Dingen den Kunst-Touristen. Wo kann man Eintrittskarten kaufen? Wo ist denn hier die documenta? Das sind Fragen, die den Beamten täglich gestellt werden.

Viereck räumt ein, dass er und seine Kollegen sich mitunter schon wundern, wenn ein Besucher direkt neben dem Parthenon steht und fragt, wo die Kunstausstellung denn nun stattfindet. Allerdings seien solche Fragen wohl auch der Tatsache geschuldet, dass die documenta eher den Fokus auf Schönheit und Kunst als auf praktische Dinge gerichtet habe. Zumindest am Anfang der Ausstellung sei es versäumt worden, ordentliche Pläne zu verteilen und die verschiedenen Orte auch gut auszuschildern.

Die Wetterlage mache manchmal zu schaffen. „Wir hatten schon erhebliche Hitze mit über 30 Grad. Dann ist richtig harte Arbeit, hier Streife zu laufen“, sagt Viereck. Für die Gastronomie und die documenta 14 sei das natürlich schön.

Und seit dem G20-Gipfel in Hamburg würden die Polizisten auf dem Friedrichsplatz auch verstärkt von den Menschen auf die Krawalle angesprochen, so der Polizeioberkommissar. „Hamburg hat die Leute wachgerüttelt, was die Polizei alles so tun muss. Sie sind jetzt viel verständnisvoller.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.