Vorbote der documenta 14

Kunst-Rauch überm Zwehrenturm: Bis zu 79 Anrufe pro Tag bei der Feuerwehr

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Der Qualm sorgt für viele Notrufe bei der Feuerwehr: Bislang haben 573 Menschen die 112 gewählt, weil sie dachten, dass es brennt. Dabei handelt es sich nur um ein Kunstwerk von Daniel Knorr, der den Zwehrenturm rauchen lässt.

Kassel. Ob nun die Treppe auf dem Königsplatz, die Christo-Wurst oder der Erdkilometer im Friedrichsplatz: Es gab in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Kunstwerke, die für Irritationen in der Bevölkerung gesorgt haben. Und nun das.

Aktualisiert am 9. Mai 2017 um 12.23 Uhr - Ein Kunstwerk, das als Vorbote der documenta 14 in Kassel zu sehen ist, sorgt derzeit für viele irritierte Bürger und eine mitunter genervte Feuerwehr. Der Künstler Daniel Knorr lässt seit der Eröffnung der d 14 in Athen Rauch aus dem Zwehrenturm am Friedrichsplatz steigen.

Allerdings wissen nicht alle Menschen, die den Qualm in der Innenstadt sehen, um die Kunst, die dahintersteckt. Sie wittern vielmehr Gefahr und alarmieren die Feuerwehr.

„Es ist auch durchaus nachzuvollziehen, wenn Menschen, die mit der Arbeit von Daniel Knorr bisher nicht vertraut sind oder die von außerhalb nach Kassel kommen, durch den Rauch eine mögliche Brandgefahr vermuten“, sagt Petra Bohnenkamp, Sprecherin der Stadt. 

Bei der Berufsfeuerwehr der Stadt habe das zu einer erhöhten Zahl der Notrufe geführt. Konkret bedeute das: An den 18 Tagen, an dem der Turm bislang geraucht hat, sind bei der Feuerwehr seinetwegen 573 Notrufe eingegangen. Das sind im Schnitt 32 pro Tag – mit einer Varianz von fünf am Tag bis 79 in der Spitze, so Bohnenkamp. Ein Löschzug der Feuerwehr habe bislang nur in einem Fall zu Beginn des Projektes ausrücken müssen.

Regelungen für Notrufe bei der Feuerwehr

Auch wenn es sich bislang immer um Fehlalarme gehandelt habe, nehme die Feuerwehr jeden Notruf ernst. Daher seien bestimmte Regelungen einzuhalten. Bohnenkampf erklärt die Vorgehensweise:

• Die Notrufe zum Rauch-Kunstwerk können in der Anrufphase in der Leitstelle nicht von anderen Notrufen unterschieden werden. Sie müssen daher wie jedes andere Hilfeersuchen angenommen werden.

• Nachdem er den Anruf angenommen hat, fragt der Disponent den Anrufer nach Art und Umfang des Schadens und der Örtlichkeit des Unfalls, Brandes oder medizinischen Notfalls. Weitere Fragen runden das Meldebild ab.

• Im Fall Fridericianum werden bei einer Meldung sehr genau die Rauchentwicklung, der Standort des Anrufers und der Bezug zum Turm abgefragt. Handelt es sich bei dem vermeintlichen Brand um den Turm, werden die Anrufer über das Kunstwerk informiert und beruhigt.

• Danach erfolgt zur Absicherung eine telefonische Alarmierung des Sicherheitsdienstes im Turm. Dieser hat die Aufgabe, vom Turm aus die Nachbarschaft zu erkunden, um mögliche reale Brandstellen in der Nachbarschaft auszuschließen.

• Die Leitstelle dokumentiert den Notruf zum Fridericianum und erfasst die Auslösung der telefonischen Alarmierung.

documenta-Kunstwerk „Expiration Movement“

Der 1968 in Bukarest geborene Künstler Daniel Knorr, inszeniert zur documenta 14 ein Rauch-Kunstwerk auf dem Zwehrenturm des Fridericeanums. Zum Start der Ausstellung in Athen soll der Rauch auch in Kassel verkünden, dass es endlich losgeht. Täglich werden auf dem Turm fünf Rauchmaschinen eingesetzt, die sonst die Feuerwehr für Übungszwecke verwendet. 

Knorrs Beitrag zur documenta 14 mit dem Titel „Expiration Movement“ erinnert an Papstwahlen, bei denen zum Ende des Enklaves Rauch aufsteigt. Rauch dient als Kommunikationsmittel. Er sieht das Fridericianum – in dem er selbst schon 2008 ausgestellt hat – auch als Kunstfabrik, Ort einer Kunstindustrie. Auch an die Bücherverbrennung während der NS-Zeit und die Krematorien der Vernichtungs- und Konzentrationslager könne man denken, so Knorr.

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