documenta-Leiter im Redaktionsgespräch

Szymczyk: "Bald kommen erste Künstler nach Kassel"

Kassel. Adam Szymczyk, der künstlerische Leiter der documenta 14, will auch Kasseler Akteure in die Vorbereitungen und in die Ausstellung einbinden.

Es ist eine dicht getaktete, volle Woche für Adam Szymczyk in Kassel. Nach seiner Laudatio bei der Arnold-Bode-Preisverleihung ist der künstlerische Leiter der documenta 14 in Kassel geblieben. Zeit und Energie für die Wohnungssuche hatte er noch nicht, aber es ist ihm wichtig, die Stadt besser kennenzulernen, brisante Themen und Debatten in der Stadt mitzubekommen. Am Donnerstagnachmittag besuchte Szymczyk die HNA-Redaktion.

Es gehe ihm immer um Kunst, die sich mit dem Ort ihrer Entstehung und ihrer Präsentation auseinandersetze, erläuterte Szymczyk. Kunst, die die historischen, politischen, ästhetischen, städtebaulichen Bedingungen ihrer Produktion reflektiert. Szymczyk ist auf der Suche nach möglichen Schauplätzen für 2017 – Orte, die sich nicht auf der „inneren Landkarte“ Kassels wiederfinden müssen, die frühere documenta-Besucher im Kopf haben, wenn sie nur alle fünf Jahre anreisen: „Wir hoffen, Orte zu finden, von denen wir jetzt noch nicht einmal träumen können.“ „Wir werden ziemlich bald die ersten Künstler nach Kassel einladen“, ergänzte Szymczyk.

Zuletzt aktualisiert um 17.50 Uhr

Die Entscheidung, seine documenta – gleichberechtigt, aber nicht gleich gewichtig – auf Athen auszuweiten, verteidigte Szymczyk. Er hält die „doppelte Perspektive“ und den wechselseitigen Austausch für zentral für die documenta 14. Es geht ihm darum, die documenta aus ihrer Heimat Kassel (wo Termin und 100-Tage-Zeitraum unangetastet bleiben) mit auf eine lohnende Reise zu nehmen und dabei jeweils lokale Akteure in einer „Schritt-für-Schritt-Kooperation“ einzubinden. Insofern sei der Arbeitstitel der documenta im Jahr 2017, „Von Athen lernen“, zu ergänzen durch „Von Kassel lernen“. Angesprochen werden auch solche Institutionen und Initiativen, die sonst im Schatten der übermächtigen documenta stehen: „Wir brauchen dabei Ihre Hilfe“, sagte er – an die Redaktion wie an die Kasseler gewandt.

Auf die Frage, warum nicht etwa Lagos oder Jakarta statt Athen infrage kämen, beschrieb Szymczyk die griechische Hauptstadt als Ort reicher, von Deutschen bewunderter, teils auch geprägter Geschichte, der gleichzeitig etwas über die mögliche Zukunft Europas aussagen könne. „Jakarta kenne ich nicht, da kann ich in zwei Jahren nichts lernen.“

Athen ist also nicht nur Schauplatz heutiger Probleme: „Der Süden ist ein Einfallstor der Migration, der Norden ist eine Festung.“ Der 43-Jährige versteht den Begriff „Süden“ auch umfassender im Sinne von gegenseitigen Vorurteilen, Stereotypen und Projektionen. Dort Hitze und Verrücktheit, im Norden Organisation und Effizienz.

documenta-Leiter Szymczyk zu Besuch bei der HNA

Szymczyk kündigte an, die documenta werde das in Athen erscheinende, nichtkommerzielle Kunstmagazin „South As A State Of Mind“ (Der Süden als Geisteszustand) gewissermaßen übernehmen. Bis 2017 sollen fünf Ausgaben erscheinen, die erste Ende 2015. Zeitschriften-Gründerin Marina Fokidis gehört dem Athener documenta-Team an.

Zuletzt allerdings war Szymczyk als Mitglied einer Jury in Kiew. Jeder Künstler dort sei vom Krieg im eigenen Land beeinflusst, „und ich habe niemanden getroffen, der nicht Teil einer generellen Idee von Europa sein will, statt wieder einem Imperium anzugehören.“ Wie dieses Europa aussehen soll, da könnte vielleicht 2017 die Kunst Antworten geben.

Das Redaktionsgespräch zum Nachlesen finden Sie in auch auf Kassel-Live. (vbs/rpp/jbg)

Quelle: mydocumenta

Rubriklistenbild: © HNA/Fischer

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