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Rücktritt der documenta-Generaldirektorin Schormann: Sie bekam Krise nicht in den Griff

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Von: Florian Hagemann

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Während der Eröffnungspressekonferenz der documenta im Juni 2022 präsentierte sich Sabine Schormann gut gelaunt im Auestadion in Kassel.
Da strahlte sie: Während der Eröffnungspressekonferenz im Juni präsentierte sich Sabine Schormann gut gelaunt im Auestadion. © Andreas Fischer

Als Sabine Schormann 2018 als neue Generaldirektorin der documenta vorgestellt wurde, galt sie als Hoffnungsträgerin. Im Porträt stellen wir sie vor.

Kassel – Der Finanzskandal lag gerade hinter der Weltkunstausstellung, mit Wolfgang Orthmayr hatte die documenta lediglich einen Interimschef. Schormann – damals noch als Direktorin der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und einer weiteren Stiftung tätig – sollte für das heitere Morgen stehen und nicht für das düstere Gestern.

In der Tat verbreitete sie eine gewisse Aufbruchstimmung, war sofort in die Berufung der Findungskommission eingebunden, die den Künstlerischen Leiter sucht, ließ keinen Zweifel daran, dass die documenta fifteen tatsächlich im Sommer 2022 stattfinden würde und brachte Ideen für das Fridericianum als Anziehungspunkt auch fernab einer documenta mit. Schormann wurde schnell ein Fixpunkt der Stadtgesellschaft – eine, die stets betonte, wie wohl sie sich in Kassel fühlt.

Sie verkaufte in der Folge die Idee mit dem Künstlerkollektiv Ruangrupa und dessen Konzept von Lumbung gut nach außen, sie behielt auch in der Coronakrise die Ruhe und legte die Basis dafür, dass die Ausstellung 2022 trotz der Widrigkeiten, die eine Pandemie mit sich bringt, über die Bühne gehen kann.

Während der Eröffnungspressekonferenz der documenta fifteen am 15. Juni im Auestadion verkörperte Schormann schließlich das Fröhliche und Bunte, das im eigens angefertigten Mantel zum Ausdruck kam. Auf ihm waren die Farben des documenta-Logos zu sehen. Sie stellte damit auch die Verbundenheit mit Ruangrupa her und all den Künstlerkollektiven, die der Idee der Kuratoren folgten. Schormann ließ sich damit auch vor den – zufällig oder nicht zufällig aufgestellten – Hürden im Auestadion fotografieren. Im Nachhinein sollten die dort entstandenen Bilder noch einen Symbolcharakter bekommen.

Sie hat bis zum Start der Weltkunstausstellung durchaus viele Hürden übersprungen, eine aber wurde immer größer und unüberwindbarer. Schon im Vorfeld hatte es Antisemitismusvorwürfe gegen die documenta fifteen gegeben, eine geplante Gesprächsreihe zur Aufarbeitung scheiterte. Das war Schormanns erste Niederlage – und ihr Anfang vom Ende als documenta-Generaldirektorin. Als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auch sie während der Eröffnung am 18. Juni rügte, stand Schormann schon nicht im allerhellsten Licht da. Die Bilder mit ihr und dem Staatsoberhaupt zeigen zwei, die eher gedrungen schauen. Dabei sollte es für Schormann noch heftiger kommen.

Bei der Vorstellung als neue documenta-Generaldirektorin im April 2018: Sabine Schormann.
Bei der Vorstellung als neue documenta-Generaldirektorin im April 2018: Sabine Schormann kam als Hoffnungsträgerin. © Andreas Fischer/nh

Am dritten Ausstellungstag – einen Tag nach ihrem 60. Geburtstag – geriet das Banner „People’s Justice“ vom indonesischen Künstlerkollektiv Taring Padi in den Fokus der Öffentlichkeit, nachdem ein dort enthaltenes Motiv mit antisemitischer Bildsprache in den sozialen Netzwerken die Runde machte. Somit gab es das, was auch Schormann immer ausgeschlossen hatte: Antisemitismus auf der documenta.

Schormann ließ das Banner zwar zunächst am selben Tag noch verhüllen und am Tag darauf ganz abbauen. Die Diskussion und die Aufarbeitung in der Folge bekam sie aber nicht in den Griff. Die Kritik an ihr nahm mit jedem Tag zu – Rücktrittsforderungen inklusive.

Im Kulturausschuss des Bundestages fehlte sie noch krankheitsbedingt, aber auch nach den Rückzügen des Beraters Meron Mendel und der Starkünstlerin Hito Steyerl und der von beiden damit verbundenen Kritik an Schormann dauerte es lange, bis sie sich äußerte. Ihre Erklärung sollte so etwas sein wie ein Befreiungsschlag, doch am Ende konnte sie die Wende für sich damit nicht mehr einleiten. Im Gegenteil: Der Konflikt mit Mendel verschärfte sich noch. Nun kam das Aus für Schormann.

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