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Sa Sa Art Projects aus Kambodscha zeigt junge südostasiatische Kunst bei Hübner

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Von: Bettina Fraschke

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Projektion auf Taschentücher: Videoarbeit von Ngoc Nau aus Vietnam.
Projektion auf Taschentücher: Videoarbeit von Ngoc Nau aus Vietnam. © Schachtschneider, Dieter

Kambodscha hat sich aufgerappelt. Nach dem Terrorregime der Roten Khmer (1975-1979) mit bis zu zwei Millionen Toten bei rund 17 Millionen Einwohnern und dem schwierigen Neustart entwickelt sich das südostasiatische Land nun langsam aus großer Armut heraus. Wie ein zartes Pflänzchen gedeiht eine Kunst- und Festivalszene vor allem in der Hauptstadt Phnom Penh.

Dafür steht seit 2010 auch das Künstlerkollektiv Stiev Selapak. Auf der documenta fifteen ist es mit seinen Sa Sa Art Projects eingeladen und bestückt zwei Räume im Hübner-Areal. Neben anderen raumgreifenden Installationen in der Nachbarschaft geht es hier zurückhaltend und poetisch zu. Collagen, Fotos, Acrylbilder, Filme. Die Arbeiten lohnen einen genaueren Blick.

Junge Künstler aus Myanmar, Thailand und Kambodscha suchen die Identität der von Kolonialismus und Krieg gebeutelten Region, die sich jetzt teils autokratischen Regimes und der Hegemonialmacht China ausgesetzt sieht.

Traditioneller Tanz begegnet Umweltrisiken in
Traditioneller Tanz begegnet Umweltrisiken in © und Video: In Khvay Samnangs Arbeit „Popil“ stellen zwei Tänzerinnen Kambodscha

Khvay Samnang stellt künstlerisch Videos und Fotos dagegen. Performer mit geflochtenen Drachenköpfen umtanzen sich, traditionelle Handhaltung – grazile Körpersprache. Miteinander, gegeneinander, Abstoßung, Anziehung: Es sind Kambodscha und China, erklärt der Künstler, gefilmt hat er am Mekong, der Lebensader für 60 Millionen Menschen, deren Wasserkraft Nahrung für Chinas Energiehunger wird. Staudammprojekte zerstören die natürlichen Lebenskreisläufe, die Energie fließt im doppelten Sinne weg.

Aung Kos kleinformatige Acrylmalereien zeigen auf ebenso zarte wie kraftvolle Weise Impressionen des Protests gegen das Militär in Myanmar: „Diary“. Auch Sutthirat Supaparinya aus Thailand blickt auf Protestierende. In einem Doku-Video in Schwarz-weiß werden mit eingeblendeten Geokoordinaten Szenen aus Demonstrationen gezeigt und lokal präzise verortet: Wir sind hier.

Verbindung: Gefangene und Popkultur, Leang Seckon.
Verbindung: Gefangene und Popkultur, Leang Seckon. © Schachtschneider, Dieter

Leang Seckon näht Collagen aus Magazinbildchen, Stoff und Fotos. Popkultur und die gloriose Historie des kambodschanischen Königreiches Angkor im Spätmittelalter kommen per Nähfaden zusammen mit bedrückenden Fotos von Inhaftierten im Pol-Pot-Foltergefängnis SS-21. Wer sind wir zwischen Glitzerbild und traumatischer Vergangenheit?

Auch Ngoc Nau aus Vietnam sucht nach ihren Spuren in einer eindrucksvollen Installation, bei der ein Video auf aneinandergenähte Taschentücher projiziert wird. Durch die Einarbeitung von Spiegeln entstehen nicht nur Lichtreflexe an der Wand, es ergibt sich auch ein unterschiedliches Seh-Erlebnis, je nachdem, auf welcher Seite die Betrachter stehen.

Hausaltäre: Spiegel in Schreinform von Vuth Lyno aus Phnom Penh.
Hausaltäre: Spiegel in Schreinform von Vuth Lyno aus Phnom Penh. © Schachtschneider, Dieter

Ähnliches gilt für die Arbeiten von Vuth Lyno aus Phnom Penh, der eine Reihe kleiner Spiegel aufgehängt hat. Die Betrachter blicken sich selbst an. Die Spiegel haben die Form von Schreinen, in denen in südostasiatischen Haushalten die Geister der Ahnen leben, denen auch täglich Gaben bereitgestellt werden. Wo erkenne ich mich wieder? Plus: Die Spiegel sind Made in China, ergänzt Khvay Samnang, der Kurator. Noch eine Bedeutungsebene.

Plus: Filme im Sandershaus

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