Nachfolge von Annette Kulenkampff

Nach d14-Skandal: Sabine Schormann wird neue documenta-Geschäftsführerin

+
Oberbürgermeister Christian Geselle (Mitte) gibt bei der Pressekonferenz mit Reinhard Heubner, dem ehemaligen Chefredakteur des Kasseler Sonntagsblatts, (links) die Nachfolge von Annette Kuhlenkampff bekannt: Sabine Schormann (rechts) wird neue documenta-Geschäftsführerin.

Kassel. Aus 54 Kandidaten wurde eine neue documenta-Generaldirektorin ausgewählt, das hat Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle bei einer Pressekonferenz im Fridericianum bekannt gegeben. 

Aktualisiert um 12.10 Uhr - Mit der Kulturmanagerin habe man eine kompetente Persönlichkeit gefunden, sagte Geselle und stellte Dr. Sabine Schormann aus Hannover als neue Geschäftsführerin vor.

Der nächste Schritt sei es nun, einen hochkarätigen künstlerischen Leiter zu finden, sagte Schormann während der Pressekonferenz. Sie rechne damit, dass das zeitnah klappen werde.

Am Eröffnungstermin der documenta 15 werde festgehalten, sagte Geselle: Am 18. Juni 2022 soll die nächste Weltkunstausstellung starten.

Nachfolgerin von Annette Kulenkampff

Die neue Personalie bei der documenta sickerte schon am Mittwochmorgen durch. Die „Hannoversche Allgemeine“ (HAZ) vermeldete, dass Sabine Schormann, die Direktorin der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und Geschäftsführerin der VGH-Stiftung, den Posten übernehmen und somit die Nachfolge von Annette Kulenkampff antreten wird. 

Sabine Schormann

Bisher war Wolfgang Orthmayr interimsweise documenta-Geschäftsführer. Die Zeitung berief sich auf Kulturkreise in der niedersächsischen Landeshauptstadt. 

Schormann gilt als Kennerin der Kunstszene. Die studierte Germanistin, die 1962 in Bad Homburg geboren wurde, war für mehrere Ausstellungen im Themenpark der Expo verantwortlich. Zudem arbeitete sie für das Frankfurter Goethe-Museum und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, wo sie den Tag des offenen Denkmals zur bundesweiten Institution machte. 

Das Medieninteresse ist groß: Bei einer PK wird die neue documenta-Geschäftsführerin vorgestellt.

Geschäftsführer erst seit 1989

Der erste hauptamtliche Geschäftsführer der documenta wurde 1989 Alexander Farenholtz, heute Geschäftsführer der Kulturstiftung des Bundes. Er bekleidete die Funktion von 1989 bis 1993. 1994 wurde der Kulturmanager Roman Soukup zum Geschäftsführer berufen. Er wurde allerdings 1995 wieder fristlos entlassen. Nachfolger wurde der Regisseur und Kulturmanager Bernd Leifeld, der von 1996 bis 2014 Geschäftsführer war. Leifeld arbeitete mit den künstlerischen Leitern Catherine David (dX), Okwui Enwezor (D11), Roger M. Buergel (d12) und Carolyn Christov-Bakargiev (d13) zusammen. Seine Nachfolgerin wurde Annette Kulenkampff.

Wer nun was zu sagen hat

Die Geschäfte der gemeinnützigen documenta-GmbH lenken derzeit Interims-Geschäftsführer Wolfgang Orthmayr in Absprache mit der künftigen Generaldirektorin Dr. Sabine Schormann, die ihr Amt im Herbst 2018 antreten wird.

Die wesentlichen Entscheidungen in personeller und struktureller Hinsicht liegen indes beim Aufsichtsrat. Dessen Vorsitzender ist Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), sein Stellvertreter Hessens Kulturminister Boris Rhein (CDU). Sie repräsentieren die Gesellschafter, die Stadt Kassel und das Land Hessen. Auch die Kulturstiftung des Bundes ist mit zwei Sitzen im documenta-Aufsichtsrat vertreten. Für Unruhe sorgte eine Nachricht, die Christian Geselle gestern bestätigte: Die beiden Vorstände der Bundeskulturstiftung, Hortensia Völckers und Alexander Farenholtz, haben brieflich ihren Rückzug aus dem Aufsichtsrat angekündigt, was Spekulationen über Verwerfungen in dem Gremium befeuerte. Besonders überrascht der Rückzug von Hortensia Völckers, die dem Leitungsteam der documenta X angehörte. Farenholtz war 1989 bis ’93 documenta-Geschäftsführer. Beide seien aber so lange Mitglieder des Aufsichtsrats, bis die Bundeskulturstiftung zwei neue Vertreter benannt habe, sagt Geselle.

Weitere Mitglieder des zwölfköpfigen Aufsichtsrats sind die Kasseler Stadtverordneten Dr. Rabani Alekuzei (SPD), Marcus Leitschuh (CDU), Gernot Rönz (Grüne), Ex-Stadtverordneter Axel Selbert (Die Linke), die Kasseler Landtagsabgeordnete Karin Müller (Grüne), der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, und der hessische Finanzstaatssekretär Dr. Martin J. Worm.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.