Im Fundbüro wurden bislang 500 Gegenstände abgegeben

Fundbüro der documenta: Hier lagert, was von den Besuchern bleibt

Liebstes Verluststück: Fast 400 Regenschirme wurden bereits im Fundbüro der documenta am Friedrichsplatz abgegeben. Das bedeutet viel Arbeit für Timo Schulze und sein Team. Fotos: Ludwig

Kassel. Die Besucher der documenta verlassen Kassel mit vielen Eindrücken im Gepäck. Viele lassen aber auch etwas da. Das landet dann bei Timo Schulze, der sich um das Fundbüro der Weltkunstschau kümmert. Dort wurden nach der Hälfte der Ausstellungszeit etwa 500 Gegenstände abgegeben.

Davon fast 400 Regenschirme. Aber auch persönliche Habseligkeiten sind schon im Container am Friedrichsplatz gelandet. Wegen der documenta hat auch das Fundbüro der Stadt derzeit viel zu tun.

Bei der Arbeit im Fundbüro liegen Freude und Enttäuschung dicht beieinander. Glücklich gemacht hat Schulze zuletzt einen Architekten aus Hamburg. Dieser hatte ein hochwertiges Schreibgeräteset bei seinem Kunstausflug in Kassel verloren, das am Friedrichsplatz abgegeben wurde. Weil der Name des Eigentümers eingraviert war, konnte sich Schulze auf Google-Recherche machen und wurde fündig. „Der Mann hatte es zum 65. Geburtstag geschenkt bekommen und hat sich riesig über den Fund gefreut“, erzählt Schulze.

Im Container werden alle Fundsachen archiviert. Es gibt mehrere Körbe, die mit dem jeweiligen Fundtag beschriftet sind. Jedes Teil wird in einem Ordner katalogisiert. Besonders viel Arbeit machen die unzähligen Regenschirme, die in der Regel nicht abgeholt würden. „Wir müssen sie alle immer erst trocknen, bevor wir sie wegräumen können.“

Öffnungszeiten: Mo. bis So., 10 bis 20.15 Uhr.

Neben Regenschirmen werden besonders häufig Handys, Digitalkameras, Portemonnaies, Pullover, Jacken und tragbare Musikplayer abgegeben. Immer wieder gern verloren werden auch Schals. „Jetzt rief ein Mann aus Amsterdam an, der seinen braunen Schal seit seinem documenta-Besuch vermisst. Er sagte, er würde ihn sogar aus Kassel abholen. Er scheint einen großen Wert für den Mann zu haben.“ Leider konnte Schulze ihm keinen braunen Schal anbieten.

Dafür konnte er die Tränen eines Mädchens trocknen, das seinen iPod auf dem Ausstellungsgelände liegen gelassen hatte. „Die war glücklich, als sie das Ding wieder in ihren Händen hielt.“

Bevor Fundsachen ausgehändigt würden, müsse zunächst nachgewiesen werden, dass einem dieser Gegenstand gehört, sagt Schulze. Dazu ließen sich die Mitarbeiter das gesuchte Stück detailliert beschreiben. „Dann muss er zum Beispiel sagen, in meinem gesuchten Rucksack liegen Gummibärchen und Kondome.“

Wenn Bargeld oder Ausweispapiere auftauchen, werden diese direkt der Polizei übergeben. Diese kümmert sich dann um die Ermittlung des Eigentümers.

Werden Fundstücke nach einer Woche nicht im d 13-Container abgeholt, bringt Schulze sie zum Fundbüro der Stadt, wo sie ein halbes Jahr lang aufbewahrt werden.

Von Bastian Ludwig

Hintergrund: Wer sucht Weihnachtsmann?

In seinen sechs Jahren beim Kasseler Fundbüro, wo auch die nicht abgeholten documenta-Fundstücke gelagert werden, hat Roenie Probst schon manche Kuriosität entgegengenommen: „Einmal hat uns jemand ein herrenloses Schaf vorbeigebracht.“ Aber auch Gebisse, Rollstühle, Hörgeräte und Beinprothesen warteten im Fundbüro-Lager schon auf ihre Besitzer. „Da frage ich mich manchmal, wie man so etwas Wichtiges verlieren kann.“

Fotos: Kuriose Stücke aus dem Fundbüro der Stadt

Kuriose Stücke aus dem Fundbüro der Stadt Kassel

Wer ein wenig in den Regalen des Fundbüros stöbert, kommt ins Staunen, was alles auf Kassels Straßen, Parkbänken und in Straßenbahnen liegen gelassen wird: Schlittschuhe, Motorradhelme und Kuscheltiere gehören noch zu den erwartbaren Dingen. Interessant wird es bei Instrumenten, Videosammlungen, Schaufensterpuppen, Brot- und Kaffeemaschinen. Mittendrin sitzt eine Weihnachtsmannfigur, gleich neben einer Großpackung Windeln. Einige Gegenstände türmen sich geradezu: Ein riesiger Schrank mit Handys, ein Brett mit über 100 Schlüsselbünden und kistenweise Brillen und Modeschmuck. Rund 100 Federmäppchen sind auf einem Meter Höhe gestapelt. (bal)

Quelle: mydocumenta

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