1. Startseite
  2. Kultur
  3. documenta

Regen als Chance: Schafft es die „Citizenship“ doch noch rechtzeitig nach Kassel?

Erstellt:

Von: Katja Rudolph

Kommentare

Die Citizenship liegt seit 13. Juni im Hafen des Doktorsees bei Rinteln.
Durch die Dürre ausgebremst: Die Citizenship liegt seit 13. Juni am Doktorsee. Das aktuelle Bild schickte uns Hafenmeister Willi Baumgardt vom 1. MC Wolfsburg. © Willi Baumgardt

Mit den anhaltenden Regenfällen, die vorhergesagt sind, steigen die Flusspegel. Das erhöht die Chance für das documenta-Boot „Citizenship“, seine Fahrt nach Kassel fortzusetzen. 

Kassel – Seit nunmehr zwei Monaten liegt die „Citizenship“ auf dem Doktorsee bei Rinteln gewissermaßen auf dem Trockenen. Das documenta-Boot, das Anfang Juni in Berlin gestartet war, konnte wegen niedriger Pegelstände seinen Weg nach Kassel nicht fortsetzen. Weil das zu einer Art Floß umgebaute Dach zuvor auf eine Kiesbank in der Weser gelaufen war, hatte das Wasser- und Schifffahrtsamt die Citizenship auf den See geschleppt.

Die anhaltende Trockenheit bremste die Weiterfahrt seither aus. Ursprünglich war die Ankunft in der documenta-Stadt für 22. Juli geplant. Nun spülen die für die kommenden Tage vorhergesagten weiteren Regenfälle noch mal Hoffnung an: „Wir verfolgen täglich den Wasserstand“, sagt Matthias Einhoff vom Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U), das hinter dem Projekt steckt. Ganz aufgegeben habe man das Ziel, bis nach Kassel zu fahren, nie.

Klar ist allerdings: Aus eigener Kraft wird es die Citizenship nicht mehr rechtzeitig schaffen. Zehn Tage sind es noch bis zum documenta-Finale am 25. September. Und erst in einigen Tagen könnten die Wasserstände womöglich eine Weiterfahrt erlauben. Das Boot, das sich vor allem mit Solarenergie sowie einer von Fahrrädern angekurbelten Schiffsschraube fortbewegt, ist aber mit lediglich ein bis zwei km/h unterwegs. 150 Kilometer Wasserweg stromaufwärts sind da nicht mehr machbar. „Nur wenn jemand uns in Schlepptau nehmen und nach Hann. Münden ziehen würde, wäre das noch möglich“, sagt Matthias Einhoff. Dafür bräuchte es ein leistungsstarkes Boot mit mindestens 80 PS. „Die Fulda hoch nach Kassel schaffen wir dann selber.“

Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) steht für diesen Job allerdings nicht bereit. „Es gehört nicht zu den Aufgaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, außerhalb von Notsituationen Schlepphilfe zu leisten“, sagt Lisa Straßberger vom WSA Weser auf HNA-Anfrage. „Diese Aufgabe obliegt privatwirtschaftlichen Unternehmen, nicht aber der Verwaltung.“ Die Betreiber könnten aber eine Schleppfirma engagieren. „Dafür müssen sowohl Schlepper als auch die Citizenship die Voraussetzungen erfüllen.“ Welche dies sind, sagte das WSA auf Nachfrage nicht, verwies aber darauf, dass sie der documenta bekannt seien.

Nötig wäre eine Schleppgenehmigung, weiß Matthias Einhoff vom ZK/U. Für die wiederum wäre unter anderem ein statisches Gutachten erforderlich. Dafür fehlten jedoch Zeit und Geld.

Hinzu kommt, dass der Wasserstand bei Rinteln mit aktuell 95 Zentimetern zwar eine Weiterfahrt bald erlauben könnte. Allerdings müsste die Citizenship auf dem Weg nach Kassel noch mehrere Untiefen passieren, unter anderem bei Hameln sowie in Bad Karlshafen, wo der Wasserstand aktuell 62 Zentimeter beträgt.

Auch wenn eine Ankunft zur documenta nicht mehr klappen sollte, zieht das Berliner Künstlerkollektiv eine positive Bilanz. „Wir können uns auch mit der Idee anfreunden, dass das Scheitern Teil der Botschaft ist“, sagt Matthias Einhoff. Die Abenteuer der Citizenship zeigten schicksalhaft die aktuelle Klimasituation. So sei das Projekt, bei dem es auch um nachhaltige Mobiltität ging, letztlich durch die Dürre aufgehalten worden.

Einen Abschluss in Kassel soll es aber in jedem Fall geben. Für Samstag, 24. September, sinf von 17 bis 21 Uhr Wegbegleiter und Freunde der Citizenship an das Hirsohima-Ufer eingeladen. Dort soll mit Musik und „Seemannsgarn“ die Reise nochmal gewürdigt werden. (Katja Rudolph)

Auch interessant

Kommentare