Pressestimmen zur d 13: „So schön war Kassel noch nie“

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Gewaltiges Medieninteresse: Journalisten umringen während des Gauck-Besuchs Massimo Bartolinis Welle an der Orangerie.

Auch am Wochenende gab es noch mal große Besprechungen der documenta. Eine Auswahl. „Man muss bei dieser documenta zwei Dinge trennen“, bilanziert Niklas Maak (FAZ): „Die Ansichten ihrer Leiterin und die Qualität der gezeigten Werke“.

Viele Künstler definierten das Verhältnis von Ästhetik und Politik ganz anders als ihre Gastgeberin, der Maak übertriebene, „irrlichternde Animismusthesen“ vorwirft. Carolyn Christov-Bakargiev verstehe Kunst als Akt einer Heilung. Folglich sieht er teils „Betroffenheitskitsch“ mit der einschläfernden Wirkung von Ayurveda-Behandlungen in Wellnesscentern. Trotzdem lohne sich der Besuch. Sehenswert seien die vielen kleinen Holzpavillons in der Aue, „in denen sich die Bandbreite aktueller künstlerischer Weltsichten und Obsessionen entfaltet“. (Zum FAZ-Artikel)

Überraschend, inspirierend, alles andere als perfekt - so habe die opulente d13 Begeisterung ausgelöst, beobachtet die Hannoversche Allgemeine. Zu sehen sei Kunst, die stärker als vom Ego der Künstler von echter Neugier und Sorge um die Welt angetrieben werde.

Wenngleich nicht mit spektakulären, signalhaften Werken, sei die d 13 doch, was eine documenta immer war, fasst Thomas Wagner (Die Welt) seine Eindrücke zusammen: „Beschreibung und Diagnose ihrer Zeit.“ Er spricht von der d 13 als einer documenta „für die Piratengeneration, weil sie den Konflikt zwischen Körper- und Medienwelt erkennbar macht, der heutzutage nahezu alle Lebensbereiche prägt“. Die Rückkehr ins Verkörperbare, Erfahrbare statt flüchtiger virtueller Wahrnehmung präge die d 13: „Auch wenn dieses Konzept, das keines sein soll, nicht immer aufgeht, ja oft genug daran scheitert, dass Künstler wichtige Themen zwar ansprechen, aber keine überzeugende künstlerische Formen finden.“

Dass die 13. documenta dezidiert für eine andere Welt kämpft, dass sie ein klares Feindbild hat - enthemmte Wirtschaft und Finanzmärkte - notiert das „Handelsblatt“. Auch wenn sich Christov-Bakargiev in ihrer kuratorischen Gesamtleistung „verzettelt“, manches uninspiriert und ruppig präsentiert sei, lautet das Fazit: „Die documenta 13 ist unbedingt eine Reise wert.“

Der „Standard“ aus Salzburg schießt sich auf Christov-Bakargiev und ihr verworrenes „Blabla“ ein. Sie habe Kunst „zur Bebilderung ihres kuratorischen Weltbildes zweckentfremdet“, so der Vorwurf. Kuratoren sähen es nach dem Motto „kompliziert kann ich selber denken“ nicht mehr als Aufgabe, Kunst zum breitenwirksamen Verstehen zu verhelfen. Sondern: „Das Publikum soll schauen, wo es bleibt.“

Genau gegenteilig urteilt die „tageszeitung“: „Das Beste, was man über ihre documenta sagen kann, ist, dass sie diese Missverständnisse nicht ausgeräumt und in ein leicht konsumierbares Konzept gegossen hat“, heißt es über „CCBs“ Interview-Äußerungen. „Die Schau bildet das wilde Denken ihrer Urheberin gleichsam ab.“ Die Kompetenz der d 13 sei die „ökologische Frage“: „Deswegen wird sie im Gedächtnis bleiben.“

Begeistert ist Anja Lösel auf stern.de  Sie findet die d 13 sehr eigenwillig, politisch, aufregend und unterhaltsam. CCBs „Denkanstöße funktionieren“. Und im Hugenottenhaus hätten schwarze Musiker zur Eröffnung so herzzerreißend gegroovt und gejazzt, „dass man am liebsten auch eingezogen wäre, um mitsingen und mitleben zu können. So schön war Kassel noch nie.“

Die „Badische Zeitung“ staunt: „Die documenta distanziert sich vehement von der Eventkultur.“ Die zynischen Beliebigkeiten des Kunstbetriebs gehörten nicht in diesen Kasseler Sommer. Als eine Art Wahrzeichen der d 13 dient der „BZ“ das utopische Bild des friedfertigen Penone-Baums. „Der Herkules steht für Unterwerfung, für die Tat in Form von Gewalt. Penones Baum für Besinnung, Abrüstung und Paradigmenwechsel.“ (vbs)

Quelle: mydocumenta

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