Schwäne überall: Zur documenta IX gab es Kunst an der Hand und im Glas

Freunde mit besonderer Beziehung zur documenta IX: Der Weinhändler Carlo Jennewein (links) mit dem Sekt und der Juwelier Olaf Gerlach mit der Uhr zu der Kunstausstellung 1992. Foto: Koch

Vor 60 Jahren fand die erste documenta in Kassel statt. In einer Serie stellen wir Menschen vor, die Geschichten zu der größten Ausstellung zeitgenössischer Kunst beisteuern.

Kassel. An die beiden Schwäne im Schriftzug der documenta IX werden sich die meisten Kasseler noch erinnern. Einige Menschen tragen sie bis heute am Handgelenk. Denn die Uhrenfirma Movado brachte 1992 eine limitierte Auflage (50 Stück) einer documenta-Uhr mit dem weißen und schwarzen Schwan auf den Markt.

Die Idee dafür hatte der Kasseler Juwelier Olaf Gerlach, der den Deutschland-Chef von Movado, Werner Czaban, gut kannte. Da das Unternehmen bereits früher sogenannte Kunst-Uhren im Angebot hatte, habe Czaban sich auf den Vorschlag eingelassen. Für 888 D-Mark (454 Euro) seien die documenta-Movado-Uhren im klassischen Bauhaus-Stil der 20er-Jahre verkauft worden. Zudem wurden in dem Juweliergeschäft verschiedene Kunst-Uhren, die zum Beispiel von den amerikanischen Künstlern Andy Warhol oder James Rosenquist kreiert worden waren, ausgestellt.

Verkaufsstart der Schwanen-Uhr im Jahr 1992: (von links) Werner Czaban, damaliger Deutschland-Chef von Movado, Ausstellungsleiter Jan Hoet und Juwelier Olaf Gerlach. Czaban starb 1994 bei einem Autounfall, Hoet starb 2014 im Alter von 77 Jahren. Repro: Koch

Zur Ausstellungseröffnung, die ebenfalls Verkaufsstart für die Uhren war, kam damals auch Jan Hoet, der künstlerische Leiter der documenta IX. Den hatte Gerlach bei der Feier anlässlich der Eröffnung der documenta am Fridericianum kennengelernt. „Das war eine feuchtfröhliche Angelegenheit“, erinnert sich der 66-jährige Gerlach. Jan Hoet sei ein „sympathischer, lockerer Zeitgenosse“ gewesen. Vielleicht habe er mit dem Belgier Hoet auch ein Glas Genever getrunken, sagt Gerlach augenzwinkernd. Jedenfalls habe Hoet prompt zugesagt, ins Juweliergeschäft am Königsplatz zur Präsentation der Uhren zu kommen. Hoet habe ihm und dem Gastronomen Klaus Richter (Club 21), der damals für das documenta-Catering verantwortlich gewesen sei, noch am Eröffnungsabend das „Du“ angeboten.

Klaus Richter war einer der Käufer der Schwanen-Uhren, die laut Gerlach innerhalb von zwei bis drei Wochen ausverkauft waren. „Klaus Richter hat die Nummer 21 gekauft und ich die Nummer 22, eine Schnapszahl“, erzählt der Kasseler Weinhändler Karl-Heinz „Carlo“ Jennewein, der seine Schwanen-Uhr bis heute behalten hat.

Jennewein hat auch eine besondere Beziehung zur documenta IX. Er bot damals den passenden Sekt zur Kunstausstellung an. „Von einem Weingut in Würzburg, in sehr guter Qualität“, sagt Jennewein. Der Sekt mit dem Schwanen-Etikett habe sich 1992 bestens verkauft.

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