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Seryun Yang arbeitet bei der documenta als Aufsicht

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Von: Amir Selim

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Viel Platz zum Verstauen: Seryun Yang arbeitet als Aufsicht bei der documenta fifteen. Ab und zu wird sie bei der Garderobe eingesetzt. Dann gilt es, von Rucksäcken bis zu Koffern alles Mögliche aufzunehmen.
Viel Platz zum Verstauen: Seryun Yang arbeitet als Aufsicht bei der documenta fifteen. Ab und zu wird sie bei der Garderobe eingesetzt. Dann gilt es, von Rucksäcken bis zu Koffern alles Mögliche aufzunehmen. © Amir Selim

Einen Blick hinter den Kulissen bei der documenta bekommt Seryun Yang. Die Kunststudentin aus Südkorea arbeitet als Aufsicht bei der Ausstellung.

Kassel – Werke werden mitgenommen oder Sachen werden beschädigt – das passiert auch auf der documenta. Deshalb müssen die Aufsichten der Kunstausstellung besonders wachsam sein. Eine Aufgabe, die Seryun Yang im Fridericianum ausführt. Außerdem arbeitet sie neben dem Museum an der Garderobe. „Dort arbeite ich lieber. Da unterhält man sich mit den Leuten und kann sehen, was auf dem Friedrichsplatz so passiert“, sagt die Studentin der Kasseler Kunsthochschule. Sie studiert Bildende Kunst mit dem Schwerpunkt Installation und Skulptur.

Hauptsächlich gilt es, Rucksäcke und Koffer zu verstauen. Damit solle verhindert werden, dass Gäste in den Ausstellungsräumen Gegenstände stehlen. Zu Beginn sei das vermehrt der Fall gewesen. Deshalb sei man bei Taschen mittlerweile strenger.

Doch manchmal kommen Besucher mit unüblichen Gegenständen zur Garderobe: „Einmal wurde ein sehr großes, langes Holzstück abgegeben. Das habe ich dann zusammen mit meiner Kollegin aufgenommen“, sagt Yang mit einem Lachen.

Hautnah an den Künstlern der documenta dran

Als Aufseherin erlebe sie die documenta sehr nah. „Man hat die Chance, Künstlerinnen und Künstler kennenzulernen“, erklärt Yang. Der Blick hinter die Kulissen der Kunstausstellung und das Knüpfen von Kontakten sei einer der Gründe gewesen, weshalb sie sich beworben hätte. Zudem sei die documenta bei zeitgenössischer Kunst führend in der Welt. „Man bekommt einen Einblick, wie eine so große Kunstausstellung organisiert wird“, sagt Yang. Die Kontakte zu den Künstlern helfen dann womöglich auch nach dem Studium.

Oft werde sie von Besuchern zu den Werken befragt. „Die meisten Fragen bekommt man zum Zähler auf dem Fridericianum“, sagt Yang. Dieser soll die Schulden des australischen Staates bei indigenen Völkern anzeigen.

Beheimatet auf der südkoreanischen Insel Jeju-do

Yang kam 2019 aus Südkorea nach Deutschland. Zuhause ist sie auf der Insel Jeju-do, die sich südlich vom südkoreanischen Festland befindet. Diese ist bekannt für die sogenannten Meerfrauen (Haenyeo), die auf traditionelle Art und Weise nach Meeresfrüchten tauchen, berichtet Yang. In ihrer Heimat habe sie als Kunstlehrerin und Illustratorin gearbeitet und an Ausstellungen teilgenommen. Sie war dort auf traditionelle Malerei spezialisiert.

In Deutschland landete sie zunächst in Berlin. Es habe sie eine Menge Mut gekostet, mit wenigen Sprachkenntnissen und ohne festen Studienplatz nach Deutschland zu kommen. Vor Ort habe sie dann ihre Sprachkenntnisse verbessern können.

Anschließend ging es nach Kassel an die Kunsthochschule, zu Beginn der Corona-Pandemie: „Das Studium habe ich nur von Zuhause gemacht“, sagt sie. Das jetzige Semester sei deshalb das erste richtige. Umso schöner fand sie es, durch die Arbeit auf der documenta so viele Menschen kennenzulernen. Ihre Lieblingskunst auf der documenta ist die der Rojava-Film-Kommune im Fridericianum. Diese zeigen Filme zu Krieg und Kolonialismus aus der Region Rojava im Norden Syriens. Inhalte, die Yang nahegingen, da sie auch in Südkorea im Fokus sind.

Die zeitgenössische Kunst in Deutschland gefällt ihr am besten

Auch nach ihrem Studium will Yang in Deutschland bleiben: „Ich finde, die zeitgenössische Kunst ist in Deutschland am besten.“ Davor soll es im Auslandssemester nach London gehen, wo eine Freundin Yangs studiert.

Die documenta sucht noch Aufsichtspersonal. Alle Infos dazu: zu.hna.de/d15stellen (Amir Selim)

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