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Sobat mit Stil: Seray Dalmis führte prominente Besucher über die documenta in Kassel

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Von: Anna Lischper

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Seray Dalmis steht vor dem Fridericianum in Kassel und hält ein Schild hoch
Begleitete als Sobat Besucher über die documenta: Seray Dalmis zehrt von den Erfahrungen, die ihr der Job gebracht hat und sagt: „Das war mein bislang bester Sommer“. © privat

Seray Dalmis ist – rein äußerlich betrachtet – nicht die typische Kunstvermittlerin. Statt gedeckter Kleidung trug sie bei ihren Besucherführungen auf der documenta auffällige Outfits.

Kassel – Tüllrock, knallbunter Lidschatten, Leopardenmuster und Glitzertop – die Studentin der Visuellen Kommunikation liebt Mode und die Welt. Sie ist selbst viel unterwegs in Museen, Theatern und an anderen Kulturorten in der ganzen Welt – eine gute Vorbereitung für die Arbeit als Sobat.

Während der documenta gehörte sie zum kleinen Kreis ausgewählter Sobat-Sobat, die auch VIP-Gäste über die Ausstellung führten: sieben Tage die Woche mit teils drei Führungen am Tag. Hundert Tage lang habe sie ihre ganze Energie in die Führungen gesteckt. „Du musst aufmerksam sein und präsent“, sagt die 27-Jährige. „Vermittlung ist nicht Inhalte referieren, sondern es leben.“ Weil das alles auch anstrengend war, habe sie nach der documenta erst einmal eine Woche im Bett gelegen.

Heute trägt sie fast täglich ihren documenta-Jutebeutel bei sich. „Es war eine superschöne Zeit mit tollen Erfahrungen. Mit diesem Beutel kann die Zeit noch etwas weiterleben.“ Auch, wenn sie auf die großen Promis vergeblich gewartet hat. Weil ihre documenta-Zeit mit einem Bänderriss startete, verpasste sie etwa die Band Die Ärzte. Gäste wie TV-Koch Ali Güngörmüs, Musikerin Alice Merton, Schriftsteller Wladimir Kaminer und BAP gingen an ihr vorbei.

In erster Linie stürzte sich Dalmis zusammen mit Vorstandschefs großer Unternehmen in die Lumbung-Welt. Eine der schönsten Begegnungen hatte sie mit Angelika Nollert, der Direktorin der Neuen Sammlung der Pinakothek der Moderne. „Ich hatte sehr viel Respekt vor der Führung“, sagt Dalmis. Nollert sei mit ihrer Familie gekommen und habe ihr am Ende ihre Karte gegeben mit den Worten „Wenn du mal in München bist, meld dich, dann gibts eine Privatführung“ – für Seray Dalmis eine Glücksbegegnung.

Doch es war auch eine Gruppe, zu der eine Dame gehörte, die bislang selbst jede documenta gesehen hatte, die Dalmis bereicherte. „Sobat sein war ein Job, aber mir persönlich hat er sehr viel gebracht.“ Die Lebendigkeit der Stadt, der Teamgedanke, der Ansatz, dass Kunst und Kultur Menschen verbinden – all das sei mit dem Ende der documenta aus dem Stadtbild verschwunden.

Richtig traurig war sie, als sie zum ersten Mal die wieder geweißten Säulen des Fridericianums gesehen hat. „Das war hart für mich. Ich hatte die Säulen eben immer mit der documenta verknüpft.“ Über die Situation, als sie und andere Sobat-Sobat dessen Künstler Dan Perjovschi bei den Previewdays wegen seiner Kleidung zunächst für den Hausmeister gehalten hatten, müsse sie immer noch lachen. Das Ruruhaus immerhin habe seine Farbe behalten. „Das wertet die farblose Stadt so schön auf.“

Es würde nicht zu der umtriebigen jungen Frau passen, wenn sie nach der documenta nicht gleich neue Pläne geschmiedet hätte. „Ich war zum ersten Mal auf der Venedig-Biennale. Die war viel spektakulärer als die documenta, leichter zugänglich, sehr installativ und bunt.“ Im polnischen Länderpavillion seien ihr die Stoffbahnen von Malgorzata Mirga-Tas wiederbegegnet. „Ich wusste ja, dass in Kassel nur ein Auszug zu sehen war. Aber das noch mal zu sehen, war besonders.“

Zuletzt hat sie Yayoi Kusama’s Infinity Mirror Rooms im Tate Modern besucht. „Ich wäre dafür auch nach Tokyo geflogen, aber das war ein bisschen teuer.“ Ansonsten geht sie weiterhin zweimal die Woche ins Theater, teilt auf Instagram ihre Erfahrungen mit Kunst und Kultur, macht Socialmedia für eine Berliner Agentur und studiert – und an der Kunstuni befasst sie sich auch auf wissenschaftlichem Weg mit Themen, die die documenta hinterlassen hat: etwa mit der Antisemtismus-Debatte. „Meine documenta-Euphorie lasse ich mir davon aber nicht zerstören.“ (Anna Lischper)

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