Sinneswandel bei documenta-Chefin: Laser darf nun doch strahlen

Ausnahme: Im Juni 2007 wurde die documenta-Lounge im Schlosshotel mit einer Lasershow von Horst H. Baumann eröffnet. Normalerweise strahlt der Laser dezenter. Archivfoto:  Socher

Kassel. Am ersten documenta-Samstag war sie an, an den beiden darauf folgenden Wochenenden blieb sie auf Wunsch der künstlerischen Leiterin der d 13 aus, am kommenden Samstag soll sie nun doch wieder strahlen: Die Laser-Installation.

Die Laser-Installation des Künstlers Horst Baumann im Zwehrenturm mit Strahlen zum Herkules und zur Orangerie hat für mächtig Wirbel gesorgt. Verantwortlich für das Hickhack um die Laserstrahlen war eine Bitte von Carolyn Christov-Bakargiev an das documenta-Forum, die Strahlen während der d 13 nicht einzuschalten.

Rettung durch Forum

Das documenta-Forum hat die Laser-Skulptur mithilfe einer Bürgeraktion (Mein LaserMeter) in den Jahren 2006/2007 gerettet und bestimmt nun, wann die Skulptur ein- und ausgeschaltet wird. Damals wurden zahlreiche Sponsoren für die 200 000 Euro mobilisiert, um Baumanns „Laserscape” aus der d 6 neu zu installieren. Eigentlich strahlt der Laser samstags ab Einbruch der Dämmerung bis nachts um 2 Uhr im Sommer (bis 1 Uhr im Winter).

Dirk Schwarze

Dirk Schwarze, Vorsitzender des documenta-Forums, sagt, dass er bereits im Vorfeld mit dieser Bitte der künstlerischen Leiterin gerechnet habe. Auch bei der d 11 vor zehn Jahren sei man dem Wunsch des künstlerischen Leiters, Okwui Enwezor, nachgekommen und habe den Laser nicht eingeschaltet. Bei der d 12 habe der Laserstrahl, eine „typische Installation der 70er-Jahre“ keine Rolle gespielt, weil er noch nicht neu installiert war, sagt Schwarze. „Wir fanden es naheliegend, diesem Wunsch zu entsprechen.“ Schließlich sei der Förderverein nicht nur für die Laser-Skulptur verantwortlich, sondern für die gesamte documenta, auch immer für die aktuelle Ausstellung. Und da müsse man jeweils im Einzelfall abwägen, welche Interessen wichtiger seien.

Schwarze argumentiert, dass der Orangerie-Laser, von dem drei Strahlen in die Karlsaue gehen, zentrale Werke der d 13 dominieren würde. Deshalb habe man im Vorstand darüber gesprochen, ihn abzustellen. Allerdings habe es auch Stimmen gegeben, die gegen das Abschalten gewesen seien.

Diese Meinung scheint sich gestern auch bei der documenta-Leitung durchgesetzt zu haben. Nachdem die HNA bei der Pressestelle nachgefragt hatte, warum der Laser, der doch erst nach Ende der täglichen Öffnungszeiten angestellt wird, die Ausstellung störe, gab es am Nachmittag die Antwort, dass über das Thema noch einmal gesprochen werde.

Kurze Zeit später berichtete documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld, dass er mit der künstlerischen Leiterin, die sich derzeit im Ausland aufhält, kommuniziert habe. „Carolyn hat kein Problem damit, dass der Laser anbleibt“, sagte Leifeld. Nachdem Dirk Schwarze von diesem Sinneswandel erfahren hatte, sagte er, dass die Installation am kommenden Samstag wieder strahlen wird.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Quelle: mydocumenta

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