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So kleiden sich die Besucher der documenta in Kassel

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Von: Anna Lischper

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documenta-Gäste: Ulrike und Christof haben sich für sommerlich-leichte Kleidung entschieden. Im Hintergrund ist das Ruru-Haus zu sehen.
documenta-Gäste: Ulrike und Christof haben sich für sommerlich-leichte Kleidung entschieden. Im Hintergrund ist das Ruru-Haus zu sehen. © Anna Lischper

Gelbe Blusen, gelbe Shorts, gelbe Taschen – die sonnigste aller Farben ist sehr präsent auf der documenta fifteen. Wir haben uns umgeschaut, wie sich die Welt für Kassel kleidet.

Debby Senn ist gerade aus Basel in Kassel angekommen, um drei Tage lang die documenta zu erkunden. Im Gepäck hat die Illustratorin Kleidung, in der sie sich wohlfühlt. Sie blickt auf ihre weite Hose in Zebra-Optik herunter. „Die hat mir meine Cousine aus Thailand geschenkt, sie mag lieber Leo und fand, ich bin das Zebra.“ Senn mag Accessoires „mit Augenzwinkern“. So wie ihre Ohrringe, die kleine Plastiktüten mit Goldfischen sind, wie frisch aus der Zoohandlung. „Ich habe sie von einer Schmuckdesignerin aus Bangkok, die viel mit Tieren und Esswaren arbeitet“, sagt die 26-Jährige, die grundsätzlich gern Muster und Glitzer mag.

documenta-Gast: Debby Senn mag witzige Details.
documenta-Gast: Debby Senn mag witzige Details. © Anna Lischper

Kim Hoornaert zeigt viel Haut. Farbe hat die Belgierin nur an den Füßen. „Die fancy Sandalen setzen den Farbtupfer“, sagt sie und merkt an, dass die Kombi aus Badeanzug und Shorts vor allem praktisch ist. „Wir wohnen auf dem Campingplatz und wussten, dass der an einem Fluss liegt. Und ich habe mich auf hohe Temperaturen eingestellt.“ Sie habe sich angezogen fühlen wollen, ohne schwitzen zu müssen. „Ich will nicht selbst aussehen, wie Kunst und auch kein Andy.Warhol-Shirt anziehen.“ Deshalb ihre Wahl: „Two days, two hot outfits“.

Kim Hoornaert verzichtet auf zu viel Stoff.
Kim Hoornaert verzichtet auf zu viel Stoff. © Lischper, Anna

Ein Stückchen Kunst, das haben Hoornaert und ihre Gruppe trotzdem dabei: Ihre Jutebeutel, „in die alles hineinpasst, was man so braucht“, weisen auf Künstler und deren Ausstellungen hin. „Wir bringen unsere Kunst mit nach Kassel.“

Henry Fangmann und seine Tochter Laura machen in Kassel Zwischenstopp auf der Reise von Cuxhaven zum Bodensee. Das kurzärmelige Hemd und die passende Mütze im Hawaiistil machen Urlaubsstimmung und passen zu den Temperaturen. „Wir sind beide kunstaffin, aber haben uns jetzt nicht extra schickgemacht“, sagt der 72-Jährige, der schon einige documentas gesehen hat.

documenta-Gäste: Maria Brinkmann (von links), Bilma von der Münnik und Adrienne Smits passen mit ihren gelben Akzenten perfekt zu den Hinweisschildern, Debby Senn mag witzige Details und Ulrike und Christof haben sich für sommerlich-leichte Kleidung entschieden.
documenta-Gäste: Maria Brinkmann (von links), Bilma von der Münnik und Adrienne Smits passen mit ihren gelben Akzenten perfekt zu den Hinweisschildern. © Anna Lischper

„Es muss einfach sein, zum Wetter passen, aber keine kurzen Hosen, denn das geht in dem Alter nicht mehr“, sagt Maria Brinkmann (80). Zusammen mit Bilma von der Münnik (76) und Adrienne Smits (81) sind sie mit ihren Männern aus den Niederlanden zu Besuch und tragen Kleidung in verschiedenen Gelbtönen. „Die roten Schuhe habe ich im Auto gelassen, weil dazu nur der BH gepasst hätte“, scherzt Brinkmann und zieht ihr Shirt zur Seite.

Partner-Look: Die Schwestern Antje Geißler und Heike Brümmer mögen es luftig.
Partner-Look: Die Schwestern Antje Geißler und Heike Brümmer mögen es luftig. © Lischper, Anna

„Wir sind an einem Kunstort, da kann man locker-lässig daher kommen“, sagt Antje Geißler (54) aus Schwerin. Wie ihre Schwester Heike Brümmer (58) aus Wolfenbüttel ist sie in weißer Leinenhose unterwegs. Abgesprochen? „Ich hatte ihr erzählt, ich ziehe meine neue Leinenhosen an.“ – „Und da habe ich auch meine aus dem Stapel gezogen“, sagt Brümmer.

Unter zahlreichen Kopfbedeckungen sind sehr viele Hüte. Anette Gebauer hat ihren Gartenhut aus Strohimitat dabei. „Rote Haare, empfindliche Haut, da brauche ich Sonnenschutz“, sagt die Sängerin aus Detmold. Mit ihrem Mann hat sie sich farblich abgestimmt. Beide tragen Schwarz, „weil es schlank macht und einfach ist“, sagt die 52-Jährige. In die Oper würde sie jetzt nicht mit Turnschuhen gehen, ins Museum aber schon.

Besucherin Ulrike aus Marburg hat sich gegen das schwarze und für ein buntes Kleid in Knallfarben entschieden und passt damit perfekt zu ihrem Berliner Begleiter Christof. „Die documenta ist in diesem Jahr bunter, es ist ein heißer Sommertag, da fiel die Wahl leicht.“ Und auch Renata Seidel trägt zur documenta ihr rotes Gute-Laune-Tuch auf dem Kopf. Ihre Tasche harmoniert mit der Bluse ihrer südhessischen Kunstfreundin Renate Ries. „Bei mir müssen die Farben passen, das spielt bei mir täglich eine Rolle, aber das hier war Zufall“, sagt Ries.

Locker-lässig mit Farbakzenten: Dirk Cisslak und Annett Hardegen setzen Akzente.
Locker-lässig mit Farbakzenten: Dirk Cisslak und Annett Hardegen setzen Akzente. © Lischper, Anna

„Unsere grau-beige Gesellschaft braucht Farbe“, meint Dirk Cisslak aus Berlin, der neongelbe Shorts und knallrote Socken trägt. Während er und seine Begleiterin Annett Hardegen mit Akzenten strahlen, sticht eine Person auf dem Friedrichsplatz hervor: Karin Verch, 53, aus Arnsberg. Vorher keine Gedanken über das Outfit gemacht, stellte sie vor Ort fest, dass ihr leuchtend buntes Sommerkleid doch ganz gut zur documenta-Kunst passt.

Luftig-leicht: Karin Verch kommt ganz in bunt.
Luftig-leicht: Karin Verch kommt ganz in bunt. © Lischper, Anna

Interview mit Modebloggerin Kim Ahrens zu den Trends der documenta-Besucher

Mode und Trends sind das Tagesgeschäft der Kasseler Modebloggerin Kim Ahrens. Wir sprachen mit ihr über die Outfits der documenta-Besucher.

Kim Ahrens im Biergarten Broot Ahoi in Kassel.
Kim Ahrens im Biergarten Broot Ahoi. © Privat

Was haben Sie bei Ihrem Besuch der documenta fifteen getragen?

Ich habe ich mich für eines meiner aktuellen Lieblingsoutfits entschieden und war – entgegen des Farbtrends – eher neutral unterwegs.

Wir haben beobachtet, dass ziemlich viele Leute Gelb tragen. Ist das einer dieser Farbtrends, die Sie meinen?

Definitiv. Farbe ist generell in diesem Jahr nicht wegzudenken. Gelb, Orange, Pink – Hauptsache raus aus dem tristen Grau, raus nach draußen. Das spiegelt sich auch in der Lust an starken Farben in der Mode wieder.

Wie blicken Sie als Fashion-Expertin auf die Kleidung der Besucher?

Mir ist aufgefallen, dass die Mode, die auf der documenta zu sehen ist, sehr den Zeitgeist der Kunst zeigt. Alles kann, nichts muss. Man kleidet sich aber eher lässig. Besser die Sandalen, als die Heels. Lieber die Jogginghose, als den Anzug. Betont lässig, weniger chic. Ein wenig Berlin in Kassel.

Ist anlassbezogenes Ankleiden auf einer Weltkunstausstellung Thema?

Man merkt schon, dass die documenta eine Weltkunstausstellung ist. Anzug und adrettes Kleid würden hier wie Fremdkörper wirken. Es sei denn, sie werden als bewusstes Statement eingesetzt und nicht im Rahmen einer Ausstellungseröffnung getragen. Vielleicht ist aber das bewusste Downstyling auch ein „schick machen“ für den Anlass. Eine gewisse modische Konformität ist ja in der Kunstwelt auch vorhanden. Nur eben aktuell ohne glitzernde Ohrringe, geschniegelte Schuhe und Krawatte, dafür dann aber mit Sneakers, Tennissocken und Hawaiihemd.

Zur Person

Kim Ahrens (30) stammt aus Baunatal. Nach dem Abitur am Lichtenberg-Gymnasium studierte sie in Kassel Kunstwissenschaften und Germanistik. Seit 2013 betreibt sie den Modeblog kiamisu.de. Aktuell lebt sie auf der griechischen Insel Zakynthos. Für die documenta reiste sie eine Woche in die Heimat. „Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen“, sagt sie.

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