Verkostung von Bier-Experte Jörg Kathe

Malzkörper mit Honignote: So schmeckt das documenta-Bier Sufferhead

Wie schmeckt das Bier?: Im Craftbierstore verabredeten sich Kunde Lukas Dahlhaus und Inhaber Jörg Kathe, Bier-Experte und diplomierter Bier-Sommelier (von links), zum Test. 2 Fotos: Schachtschneider

Kassel. Auf großen Werbeplakaten in der Stadt sind sie zu sehen: die mattschwarzen Bierflaschen, die mit Wassertropfen besprenkelt Erfrischung suggerieren. „Sufferhead – original Stout“ lautet die Aufschrift in Weiß und der rote Zusatz: „Kassel Edition“.

Ganz schlicht. Die ebenfalls angegebenen Daten 10.06. bis 17.09.2017 lassen erahnen, dass es sich um ein 100-tägiges d 14-Projekt handelt. Es ist zudem eine Premiere: Zum ersten Mal wurde ein exklusives documenta-Bier kreiert.

„Klänge sind Emeka Ogbohs vorrangiges Ausdrucksmittel“, schreibt Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung im documenta-Daybook über den documenta-Künstler aus Nigeria. Dieses Mal widmet sich der 1977 geborene Ogboh auch dem Bierbrauen und -vermarkten. „Es wird gut gekauft“, sagt Jörg Kathe (44) über das in Zusammenarbeit mit der lokalen Biermanufaktur Craftbee eigens bei Hütt in Baunatal gebraute Bier. Kathe führt mit seiner Frau Caroline Den Houting „Kassels ersten Craftbierstore“. Unter den über 150 verschiedenen Bieren von Pale Ale bis zum Trappistenbier führen sie auch das Stout-Bier „Sufferhead“. Es ist außerdem im documenta-Shop und in Supermärkten erhältlich.

Plakatwerbung: So präsentiert sich Sufferhead Original Stout Bier der documenta 14 im Stadtbild. Archivfoto: nh

Wir wollten wissen: Schmeckt das Bier, das man für den stolzen Preis von acht Euro pro 0,33-Liter-Flasche erwerben kann, überhaupt? „Der Preis ist in der Tat relativ sportlich“, räumt Jörg Kathe ein: „Aber es ist ja auch ein Kunstprojekt.“ Und letztlich hat er ein Bier im Sortiment, welches das Sufferhead preislich sogar noch toppt: das im Whisky-Fass gelagerte schottische Ola Dubh für 10,90 Euro.

Emeka Ogboh

Und um es vorwegzunehmen: „Ja, das Sufferhead schmeckt.“ Kathe versteht was von Bier. Er hat seine Profession, die des diplomierten Bier-Sommeliers, in München und Salzburg erlernt. Nachdem er das Sufferhead vorsichtig eingeschenkt hat, schwenkt er die dunkelbraune Flüssigkeit im Glas, beachtet die ölige Konsistenz, den „feinporigen, cremefarbenen“ Schaum. Dann schnuppert er – das sei beim Beurteilen von Bier ebenso wichtig wie beim Wein – und führt das Glas zum Mund. Ein starker Malzkörper mache das Bier in vielerlei Hinsicht aus. Hier träten die dem Kaffee ähnlichen Röstaromen hervor. Als Zusatz schmecke man den Honig heraus sowie eine leichte Chili-Note. „Afrikanern ist deutsches Essen oft nicht scharf genug“, hatte Ogboh im Vorfeld erklärt und seine Liebe zur Chilischote offenbart. „Ich hatte mehr vom Chili erwartet“, sagt Kathe. Im Ausklang sei das Sufferhead leicht bitter mit einer frischen Zitrusnote.

Stout, so erklärt Kathe, sei ein britisches Arbeiterbier aus dem 18. Jahrhundert, erkennbar an seiner dunklen Farbe, die vom hohen Malzanteil komme. Mit über 7,8 Prozent Alkohol ist das Sufferhead nicht ohne. 50 000 Flaschen werden insgesamt von der Hütt-Brauerei abgefüllt.

Plakatwerbung: So präsentiert sich Sufferhead Original Stout Bier der documenta 14 im Stadtbild. Archivfoto: nh

„Das Sufferhead ist ein recht gelungenes Bier“, lautet Kathes Fazit. Auch Lukas Dahlhaus schmeckt’s. Bei ihm wie bei vielen anderen Kunden komme es gut an – nicht nur aufgrund seiner stylishen Flasche, sagt Kathe: „Für mich zählt der Inhalt, aber die Leute gucken schon aufs Etikett.“ Er blickt auf sein Verkaufsregal, in dem sich in regenbogenbunten Farben eine originelle Craftbeer-Flasche an die andere reiht.

Bierkathe, Westendstraße 10, Kassel, Öffnungszeiten Mo 15 - 19 Uhr, Di - Fr 10 - 19 Uhr, Sa 10 - 14 Uhr. Jeden Donnerstag 17 - 21 Uhr Feierabendbier mit der Möglichkeit der Verkostung. Infos: www.bierkathe.de Am Donnerstag, 4. August, ist Emeka Ogboh ab 20 Uhr zum musikalischen Künstlergespräch mit Bier in der Tofufabrik zu Gast. Eintritt 6 Euro.

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