Rolf Ketan durfte nicht vor dem Fridericianum auftreten

Streit mit documenta-Leitung: Steine in den Weg gelegt

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Fast am Ziel: Auf seinem Granitblock stehend wollte der Künstler Rolf Tepel Ketan vor dem Fridericianum eine Darbietung präsentieren. Doch laut documenta fehlte die Genehmigung.

Kassel. Es hätte sein großer Tag sein können. Stattdessen saß er trotzig auf seinem Granitblock. Künstler Rolf Tepel Ketan lässt sich eigentlich keine Steine in den Weg legen. Doch heute stoppte die documenta-Leitung seine geplante Darbietung vor dem Fridericianum.

Der Kölner wollte einen mehr als zwei Tonnen schweren Stein für einen Tag zwischen zwei Beuys-Eichen vor dem Fridericianum setzen. Im Anschluss sollte dort seine Performance zu sehen sein: Künstler Ketan auf dem Granitblock. Hoch oben. Sein Plan wäre fast aufgegangen, wäre der Sicherheitsdienst der documenta nicht gewesen. Kurz vor den Eichen wurde er angehalten.

„Für eine künstlerische Darbietung vor dem Fridericianum lag keine Genehmigung vor“, erklärte documenta-Pressesprecherin Henriette Gallus auf HNA-Anfrage. Deswegen habe der Sicherheitsdienst den Künstler aufgefordert, den Friedrichsplatz mit dem Granitblock wieder zu verlassen.

Die Managerin des Künstlers Daniela Knecht sah das anders: „Wir hatten telefonisch vom Kuratorischen Assistenten der documenta, Jasper Kettner, eine Genehmigung erhalten“, sagte sie. Aufgrund der spontanen Idee sei ein Schriftverkehr jedoch nicht mehr möglich gewesen. Einen Kontakt mit Jasper bestätigte auch die documenta. „Per Mail bekam Herr Ketan die Erlaubnis, am Hauptbahnhof auf dem Gelände des Critical Art Ensemble den Stein aufzustellen, jedoch nicht auf dem Friedrichsplatz“, sagte Henriette Gallus.

Das Critical Art Ensemble, (CAE), ein Kollektiv von Medienpraktikern, ermöglicht es jeden Tag einem Künstler, im Rahmen des Projektes Winning Hearts and Minds eine Performance darzubieten. Rolf Tepel Ketan hatte sich als erster für den Mittwoch beworben. Diese Darbietung fand auch statt. Nur die zweite Aktion vor dem Fridericianum scheiterte. Für Aufsehen sorgte er dennoch.

„Die documenta ist Betrug an der Kunst“, erklärte er auf dem Granitblock stehend. Er machte seinem Ärger über das Auftrittsverbot Luft. So gerne hätte er zwischen den Eichen von Joseph und Wenzel Beuys gestanden. Stattdessen musste der Wagen mit dem Granitblock mitten auf dem Friedrichsplatz stehen bleiben.

„Joseph Beuys verdanke ich die Begriffswerkzeuge für meine Kunst.“ Seine Managerin bezeichnete ihn sogar als Schüler Beuys. Doch persönlich hat er ihn nie kennengelernt. Aber er sei inspiriert worden.

Seinen schweren Granitblock zog Ketan nach dem Platzverweis mit Helfern auf die andere Straßenseite vor das Gemeindehaus der Sankt Elisabeth-Gemeinde. Genau die Gemeinde, die mit der Balkenhol-Ausstellung schon einmal Ärger mit der documenta-Leitung hatte. Dort war Platz.

Von Florian Quanz

Quelle: mydocumenta

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