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documenta in Kassel: Hohe Preise für Speisen - Rabatte für die Kasseler

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Von: Claudia Feser

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Jonathan Bley (links) und Marc Köhler zeigen die Rabattkarte für Kasseler am Hallenbad Ost.
Jonathan Bley will mit einer Rabattkarte für Kasseler für mehr Stammkunden am Hallenbad Ost sorgen. Mit im Bild Architekt Marc Köhler, Cousin von Bley. © Dieter Schachtschneider

Auf der Streetfood Meile der documenta am Friedrichsplatz gibt es Speisen und Getränke in Bio-Qualität von regionalen Anbietern. Allerdings sind manche Besucher von den Preisen irritiert. 

Kassel - Fürs Geschäft sind Franz Hummel die regnerischen Tage lieber: „Wenn es regnet, wollen die Leute eher was Heißes“, sagt er. Mit seinem Foodtruck bietet der Koch aber Heißes wie Eintöpfe und Kichererbsencurry auf dem Streetfood-Markt der documenta in Kassel am Friedrichsplatz an.

Dafür muss er, wie alle Standbetreiber auf dem Streetfood-Markt, 15.000 Euro Standgebühr zahlen. Das macht sich an den Preisen bemerkbar. Ein Flammkuchen für 9,50 Euro, eine Pizza Margherita für 8,50 Euro, eine Butterwaffel mit Kirschen und Sahne für 6,50, ein Pancake für 5 Euro – da schlendern manche Besucher weiter.

Speisen auf der documenta in Kassel - Spagat bei der Preisgestaltung

Thomas Stöhr kennt den Spagat der Preisgestaltung. Er organisiert die Teilnahme des Kasseler Bio-Caterers Biond auf der documenta – zuweilen steht der Event-Koch selbst hinter der Theke. Der Grund: Personalmangel. Deshalb hat Biond nur einen statt der geplanten drei Foodtrucks im documenta-Einsatz. Mit der Preisgestaltung sei das so eine Sache: „Man muss sich mit den Preisen anpassen: Man sollte die Schmerzgrenze nicht überschreiten, aber es soll auch was übrig bleiben.“

Was sagen die Kunden zu den Preisen für Essen und Getränke? Yuval Ketner aus Israel bestellt am Stand von Biond Pasta und sagt: „Es ist ein Festival, und da zahlt man immer extra. Es ist eben kein Supermarkt.“ Mit seiner Frau Nirit ist er zum zweiten Mal bei der documenta, sie sind auf dem Rückweg von einem Familientreffen in Norwegen. In ihrer Heimat, im Kibbuz Samar nahe Eilat im Süden Israels, sind sie Dattelbauern. „Wir lieben Natur und Kunst“, sagt Nirit Ketner.

Yuval (links) und Nirit Ketner essen am Streetfood-Markt am Friedrichsplatz in Kassel.
Yuval (links) und Nirit Ketner sind Dattelbauern in Israel. Sie machten am Streetfood-Markt am Friedrichsplatz Pause. © Claudia Feser

Internationale Gäste gibt es auch reichlich am „Food-Court“ am Hallenbad Ost. Den hat Eventmanager Jonathan Bley organisiert. Warum dort eine Bratwurst fünf Euro kostet? „Nicht weil documenta-Besucher ein zahlungskräftiges Publikum sind, sondern weil es nicht anders geht.“ Von dem Geld sind fixe Kosten wie Wurst, Brötchen, Kohle, Grill und natürlich die Löhne zu zahlen. Das Personal werde übrigens übertariflich entlohnt.

documenta in Kassel: Für Kasseler gibt es teilweise Rabatte bei den Speisen

Bley sagt: „Wir hatten uns mehr erhofft und mehr versprochen.“ Für Tagesticket-Besucher sei das Hallenbad Ost möglicherweise „zu weit weg vom Schuss“. Deshalb möchte der Eventmanager speziell den Besuchern aus Kassel einen Anreiz bieten: die Dauerschwimmer-Karte, in Anlehnung an das zum Veranstaltungsort umgebaute Hallenbad Ost. Mit dieser Karte können Besucher Rabatte bekommen: ein Euro pro Speise, 50 Cent pro Getränk.

Die Karte gibt’s am Flammkuchen-Stand im Container; Rabatte können an allen Ständen eingelöst werden. Damit möchte Bley ein Stammpublikum fürs Hallenbad Ost aufbauen. Registrierte Eigentümer sollen künftig mit dieser Dauerschwimmer-Karte Zugang zu „kleinen, feinen Events“ wie Whiskey-Verkostung und After-Work-Feier bekommen.

Für die gebürtige Kasselanerin Kathrine Neubauer aus Frankfurt ist es die erste große Premiere: Sie hat sich mit Stefan Schellhase und einem Foodtruck für amerikanische Pfannkuchen selbstständig gemacht. Nun stehen die beiden auf der Fressmeile am Friedrichsplatz. Die 38-Jährige ist von der Stimmung begeistert, auch unter den Standbetreibern. Alle helfen sich gegenseitig. Sie stand gestern im Herbsthäuschen-Stand und half dem Kollegen im Verkauf. Personalmangel war der Grund.

Auch Franz Hummel vom Eintopf-Stand sucht Personal. In den letzten Wochen haben Familie und Freunde mitgeholfen. Nun hat er Minijobber gefunden. (Claudia Feser)

documenta 2022 in Kassel: Termine, Tickets, Dauer - Alle Infos zur Weltkunstausstellung.

Streetfood-Markt: Friedrichsplatz, täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet.

Food-Court: Hallenbad Ost, Montag bis Freitag, 10 bis 22 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 23 Uhr.

Die Gastronomie-Angebote zur documenta im Überblick

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