Schläge für Künstlerin: Auf Streife mit der documenta-Wache

Mit dem Segway auf Streife: Rico Hergesell (links) und Mario Mönnich sind die beiden Dienstgruppenleiter in der documenta-Wache auf dem Friedrichsplatz. Foto:  Pflüger-Scherb

Kassel. Es passierte vergangenen Sonntag, am zweiten Tag der documenta 13. Eine iranische Künstlerin wurde in der Kasseler Jugendherberge von einer anderen Frau geschlagen. Ein Fall für die Beamten der documenta-Wache.

Die Täterin sei ursprünglich ein Fan der Künstlerin gewesen, das Ausstellungsobjekt bei der Kasseler Kunstschau habe ihr aber offenbar nicht zugesagt. So kam es zu dem Angriff. Die Polizisten nahmen die Anzeige der Künstlerin auf. Alles sei wesentlich „theatralischer“ gewesen als im Polizeialltag, sagen die Polizeioberkommissare Mario Mönnich und Rico Hergesell.

Die beiden Beamten, die normalerweise im Revier Mitte arbeiten, sind Dienstgruppenleiter in der Wache auf dem Friedrichsplatz. Einer von beiden hat jeweils mit acht Kollegen aus Kasseler Revieren in dem Container Dienst. Es gibt zwei Schichten. Die Wache hat während der documenta täglich von 9 bis 20.30 Uhr geöffnet. Unter anderem fahren sie auch mit Segways Streife.

documenta (13): Mehr Bilder aus der Karlsaue

Schlägereien zwischen Künstlern und enttäuschten Anhängern sind aber bislang die Ausnahme geblieben. Mönnich, Hergesell und ihre Kollegen sind eher als Freunde und Helfer gefragt. Täglich gibt es zahlreiche Anfragen von Touristen. Wo gibt es documenta-Karten, wo ist die nächste Toilette?, lauten die häufigsten Fragen. „Das ist Service für den Bürger“, sagt Mönnich. Ein japanisches Pärchen habe um Hilfe gebeten, weil es mit dem Fahrradverleihsystem Konrad nicht zurechtkam. Die Polizisten stellten fest, dass das Terminal defekt war und schickten die Japaner zur nächsten Ausleihstation.

Entspannte Besucher

Drei documenta-Besucher hätten bislang einen Diebstahl angezeigt. Eine Amerikanerin zeigte den Verlust ihrer teuren Handtasche an, einer Australierin und einem Japaner seien ihre Mobiltelefone abhanden gekommen. Trotz dieser Verluste seien die Anzeigenerstatter sehr entspannt gewesen. Mönnich und Hergesell schätzen die Umgangsformen der documenta-Besucher. „Die meisten sind völlig entspannt. Da hat man es mit sehr netten und freundlichen Menschen zu tun“, sagt Mönnich. „Im alltäglichen Dienst müssen wir oft härter durchgreifen.“

Gut ausgegangen sei auch die Suche nach einem elfjährigen Mädchen aus den USA, das seine Eltern verloren hatte. Innerhalb von einer Viertelstunde hatten die Beamten das Kind in der Innenstadt wiedergefunden.

Von der documenta-Kunst haben sich die Dienstgruppenleiter noch nicht viel ansehen können. Außer den Objekten in der Aue, die sie bei ihrer Streife sehen. Hergesell räumt ein, dass er nicht mit allen Werken etwas anfangen kann. „Das liegt vielleicht an meinem Kunstverständnis.“ Ein Kunstwerk hat es ihm aber angetan: Der Geist in der Aue. „Das ist etwas Greifbares.“

documenta-Wache, Friedrichsplatz, hinter Café Alex, täglich von 9 bis 20.30 Uhr, Tel. 05 61/701 62 995

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Quelle: mydocumenta

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.