24-Millionen-Euro-Projekt

Streit um Neubau des documenta-Instituts in Kassel entbrannt

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Das Uni-Gelände am Holländischen Platz: Der Parkplatz an der Holländischen Straße/Henschelstraße – zu sehen in der unteren Bildmitte – wird als Standort für den Bau des documenta-Instituts favorisiert. Die Bäume sollen dafür weichen.

Kassel. Über das neue documenta-Institut sollen die Stadtverordneten am 8. Mai beschließen. Das Vorhaben findet allgemeine Zustimmung. Kritik übt die CDU nun aber am Verfahren, sie beklagt mangelnde Beteiligung und wünscht sich einen anderen Standort. 

Alle wollen das documenta-Institut in Kassel. Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) sieht den Neubau „in greifbare Nähe gerückt“ und die Finanzierung der rund 24 Millionen Euro Baukosten als gesichert an. Und doch ist vor der Entscheidung in der Stadtverordnetenversammlung am 8. Mai ein Streit entbrannt. Die CDU sieht sich vor vollendete Tatsachen gestellt – sowohl hinsichtlich des Konzepts als auch zur Standortfrage.

Dabei herrschte kürzlich im Finanzausschuss noch Einvernehmlichkeit. Einstimmig – mit Stimmen der CDU – hat der Ausschuss empfohlen, den Neubau auf den Weg zu bringen und die dafür benötigte Fläche im Eigentum der Stadt zur Verfügung zu stellen.

Repräsentativer Statthalter

Für den Institutsbau wird der Parkplatz vor der Universität am Holländischen Platz (Henschelstraße) favorisiert. Das Gebäude solle als „repräsentativer Statthalter für die Weltkunstausstellung in Kassel“ stehen und vor der documenta 15 (2022) fertig sein. Uni sowie documenta und Museum Fridericianum gGmbH sollen die Räume mieten.

Für den Neubau will der Bund zwölf Millionen Euro zuschießen, das Land Hessen stellt sechs Millionen ab 2018 in Aussicht. Zwei Millionen sollen von Dritten eingeworben werden. Bleiben rund vier Millionen, die von der Stadt Kassel zu tragen sind.

17 Standorte in Kassel sind untersucht worden. Der Parkplatz am Holländischen Platz (Henschelstraße) habe die größten Vorteile – vor allem durch seine Nähe zur Uni und die optimale Verkehrsanbindung. 70 Parkplätze müssten entfallen. Die Bäume auf der Fläche seien nicht wertvoll – abgesehen von einigen Beuys-Bäumen.

Die Ausstellung werde immer internationaler. Daher sei ein „dauerhafter Anker“ der documenta in Kassel wichtig, betonte OB Hilgen im Ausschuss. Die CDU unterstütze die Idee, sagte Fraktionsvorsitzender Dr. Michael von Rüden. Probleme habe man noch mit der Standortfrage.

Nicht beteiligt worden

Vor der Kulturausschuss-Sitzung am Dienstag beklagen nun aber die Christdemokraten, dass am 8. Mai bereits Ort, Kosten und Konzept beschlossen werden sollen. An Standortfindung und Konzeptentwicklung seien Kulturpolitiker, Fraktionen und Interessierte nicht beteiligt worden, kritisiert Marcus Leitschuh, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Der CDU sei eine Anlaufstelle für Besucher mit Präsentation des Archivs und der Institution documenta wichtig. Daher wäre ein Standort mit documenta-Bezügen, etwa am Friedrichsplatz, wünschenswert gewesen.

Die Chance einer breit aufgestellten Konzeptentwicklung sei verschenkt worden, bedauert Leitschuh. Änderungen seien quasi nicht mehr möglich. Offenbar solle das Projekt noch in Hilgens Amtszeit unter Dach und Fach sein, mutmaßt Fraktionschef von Rüden. „Hier wird Zeitdruck vorgegeben, alle weiteren Ideen könnten deshalb leicht als Gefährdung des Gesamtprojekts abgewürgt werden.“

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