Hütt-Brauerei wird 50.000 Flaschen abfüllen

Sufferhead Original: Künstler lässt scharfes documenta-Bier brauen

Werbemotiv zum Bier der documenta: Das „Sufferhead Original Stout“ von Emeka Ogboh erhält eine Chili-Note. Fotos:  documenta

Kassel. Zur documenta 14 wird es ein eigenes Bier geben, gebraut nach einer Idee des nigerianischen Künstlers Emeka Ogboh. Abgefüllt wird es in Baunatal.

Aktualisiert am 1. Juni um 17.33 Uhr - 50.000 Flaschen wird die Hütt-Brauerei abfüllen. Erhältlich sein sollen sie auf der documenta 14, aber auch in Supermärkten. Der Preis stehe noch nicht genau fest, sagte Ogboh im Gespräch mit unserer Zeitung. Sein „Sufferhead Original“ werde aber teurer als handelsübliche Massenmarken.

Denn es handelt sich um ein eigens entworfenes Craft-Bier. Der Begriff geht auf die englische Bezeichnung „Craft“ für „handwerklich arbeiten“ zurück. Die Craft-Bier-Bewegung mit speziellen Rezepturen in regional tätigen, unabhängigen Brauereien, die aus den USA stammt, erfreut sich auch hierzulande immer größerer Popularität. Bier hat Ogboh immer gemocht, und er ist fasziniert von der Idee, individuelles Bier herzustellen: „Das ist etwas, was ich meinem Aufenthalt in Deutschland verdanke.“

In einem Countdown wird auf der Website sufferheadbier.de mit Musik im Hintergrund heruntergezählt, wie lang es noch dauert, bis es das documenta Bier zu kaufen gibt.

Emeka Ogboh

Mit seiner speziellen Mischung reflektiert der 40-Jährige seine Erfahrungen als Ausländer in Deutschland: „Essen spielt bei der Migration eine große Rolle“, sagt der großgewachsene Künstler, „Geschmack prägt eine Kultur.“ In der Ernährung spiegele sich die Assimilation, aber auch der Versuch, Wurzeln zu bewahren: das, was man gewinnt, und das, worauf man verzichten muss, was man vermisst. Mit dieser Balance befasst sich der Künstler.

„Afrikanern ist deutsches Essen oft nicht scharf genug“, sagt Ogboh, der neugierig ist auf typisch deutsche Essgewohnheiten und Mahlzeiten, aber auch interessiert daran, wie Afrikaner vertraute Gewürze und Kräuter zu ersetzen versuchen. Und wie sich kulinarische Traditionen kombinieren lassen.

In Kassel hat sich Ogboh für seine Rezeptur bei Afrikanern umgehört, die meisten kommen aus Äthiopien, Somalia und Eritrea. Das Ergebnis: Sein Stout bekommt eine kräftige Chili-Note. Und es missachtet auch die Regeln des Reinheitsgebots, diese urdeutsche Besonderheit. Aber es soll gut zu Bratwurst passen.

Ogboh schätzt den Austausch, die Kollaboration mit anderen. Anfangs hat er mit der Vagabund Brauerei im Berliner Wedding kooperiert, bei der documenta arbeitet er mit den Kasseler Bierbrauern von craftBEE zusammen. Dort, erzählt Ogboh, sei man sehr erfreut über das aufregende Experiment gewesen, ein Extra-documenta-Bier mit hohem Alkoholgehalt von 8,2 % Vol. zu entwickeln.

Auch dessen tiefschwarze Farbe – wie auch der Flasche und des Labels – sind nicht zufällig, beziehen sich auf Ogbohs Umzug nach Berlin und Stereotype gegenüber Fremden. Der 40-Jährige, der als Stipendiat eingeladen wurde, wird allein aufgrund seiner Hauptfarbe regelmäßig für einen Flüchtling gehalten.

Der Titel „Sufferhead“ (so viel wie leidender Kopf) bezieht sich auf den Brummschädel nach zu viel Konsum, aber auch auf den Song „Original Sufferhead“ von Fela Kuti, in dem der Afrobeat-Begründer 1982 ökonomische und politische Szenarien für die Entwicklung in Nigeria entwarf: „Ein Soundtrack der 80er.“

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