1. Startseite
  2. Kultur
  3. documenta

Team um Peter Anhalt hat das Konzept für Barrierefreiheit bei der documenta entwickelt

Erstellt:

Von: Amir Selim

Kommentare

Barrierefreiheit in verschiedenen Formen: Peter Anhalt (links) und Magda Duraj im Fridericianum vor dem Schild zum barrierefreien Waschraum. Auf dem Handy ist die documenta-Website in Leichter Sprache zu sehen.
Barrierefreiheit in verschiedenen Formen: Peter Anhalt (links) und Magda Duraj im Fridericianum vor dem Schild zum barrierefreien Waschraum. Auf dem Handy ist die documenta-Website in Leichter Sprache zu sehen. © Amir Selim

Barrierefreiheit gehört bei großen Events dazu. Bei der documenta hat sich ein Team um Peter Anhalt darum gekümmert. Von Leichter Sprache bis multisensorischen Führungen ist alles dabei.

Kassel – Barrierefreiheit ist bei der Planung von Veranstaltungen nicht mehr wegzudenken. Dabei umfasst das Thema viele verschiedene Aspekte: „Viele denken, Barrierefreiheit bedeutet, nur Rampen für Rollstuhlfahrer aufzustellen“, sagt Peter Anhalt. Er ist für die Koordination von Barrierefreiheit und Diversität bei der documenta zuständig im Team mit drei weiteren Personen. Dazu gehört auch Magda Duraj. „Barrierefreiheit gibt es nicht zum ersten Mal bei der documenta. Aber es gibt zum ersten Mal ein Team und Ansprechpartner dafür“, sagt sie.

Im Fokus steht bei der documenta der Zugang der Kunstausstellung für verschiedene Besuchergruppen. Das gilt nicht nur für die documenta selbst, sondern auch für ihre Website. Diese ist mit sogenannten Screenreadern kompatibel, die Menschen mit Sehschwächen nutzen, damit ihnen vorgelesen wird, was auf einer Internetseite steht. Dort sind auch Informationen zu den Ausstellungsorten in Leichter Sprache zu finden.

Die dortigen Informationen gibt es auch in einem Info-Buch für unterwegs. Leichte Sprache sei für alle Menschen hilfreich. „Die Sprache bei einer Kunstausstellung ist oft kompliziert“, sagt Anhalt. Durch Leichte Sprache hätten mehr Menschen einen Zugang zur documenta. Diese sei weniger akademisch, sagt Anhalt.

Leichte Sprache macht Kunstausstellung für Jedermann zugänglich

Um die Informationen in Leichter Sprache aufzubereiten, wurde eine professionelle Übersetzerin engagiert. Der Vorteil: Die Dolmetscherin kommt aus Kassel und kannte deshalb die Örtlichkeiten der documenta. Auch im regulären Begleitheft der documenta wird Barrierefreiheit berücksichtigt. Dort sind auf den Seiten der Ausstellungsorte QR-Codes zu finden, die durch das Scannen mit der Smartphonekamera Informationen über die Barrierefreiheit vor Ort und Führungen liefern, die es auch in Leichter Sprache gibt. Das Interesse daran sei groß.

Außerdem gibt es multisensorische Führungen. Bei diesen gilt es, die Kunst nicht nur über das Sehen zu verstehen, sondern möglichst viele andere Sinne zu nutzen – Fühlen, Riechen, Schmecken. Die Guides haben bei solchen Führungen Spielraum: „Es gibt keine Vorgabe“, sagt Anhalt. Organisatorisch sei das Ganze nicht immer einfach. Zuerst müsse geklärt werden, welche Kunstwerke angefasst werden dürfen. Außerdem müssen die Aufseher informiert werden, dass gewisse Gruppen Sachen anfassen. Besonders wichtig ist dem Feedback, das sie von Betroffenen bekommen.

„Es ist ein laufender Prozess“, sagt Duraj. Es gebe auch weiterhin Bereiche, die nicht für jeden zugänglich seien. Aber durch die Rückmeldungen können wir auch Dinge anpassen, erklärt Duraj. Sie habe zuvor beim Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter gearbeitet und kenne deswegen die Perspektive von Menschen mit Behinderung.

Trotzdem müssen manchmal auch Kompromisse gefunden werden. So waren zu Beginn der Ausstellung die Informationstafeln zu den Kunstwerken im Fridericianum recht tief angebracht worden. So sollte es auch für Rollstuhlfahrer möglich sein, sie zu lesen. Dass es aber älteren Menschen so schwerfällt und sie sich bücken müssen, um die Tafeln lesen zu können, hat sich erst später gezeigt. Mittlerweile sind die Tafeln mittig angebracht.

Kollektiv „Projekt Art Works“ zeigt, wie es in Großbritannien gemacht wird

Das Team hat unter anderem mit dem Kollektiv „Project Art Works“ aus Großbritannien zusammengearbeitet, das auf der documenta seine Kunst ausstellt. „Dort ist man in Sachen Barrierefreiheit fortgeschrittener“, sagt Duraj. Das macht sie am Beispiel des barrierefreien Waschraums fest. Diesen Begriff gibt es nämlich noch nicht im Deutschen. Es handele sich hier um eine Übersetzung. Das Positive: Der Raum soll auch nach der documenta im Fridericianum bleiben. „Das ist nicht gang und gäbe“, sagt Duraj. Die documenta hätte dort ein stückweit eine Vorbildfunktion. Mit Blick darauf haben sich schon einige Kulturinstitutionen gemeldet, wie das Museum of Modern Art aus Warschau. „Darauf sind wir stolz“, sagen Anhalt und Duraj. (Amir Selim)

Service

Barrierefreien Führungen unter zu.hna.de/barrierefreiheit

Auch interessant

Kommentare