1. Startseite
  2. Kultur
  3. documenta

Teams der Stadtreiniger Kassel sind jeden Tag auf der documenta unterwegs

Erstellt:

Von: Thomas Siemon

Kommentare

An der Gustav-Mahler-Treppe in Kassel: Michael Huhn (von links), Ercan Yikar und Harald Blochberger von den Stadtreinigern.
Einsatz an der Gustav-Mahler-Treppe: Michael Huhn (von links), Ercan Yikar und Harald Blochberger sind mit Kollegen der Stadtreiniger täglich in Kassel unterwegs. © Dieter schachtschneider

Die Stadtreiniger sind in Kassel auf der documenta unterwegs. Wir haben sie begleitet und nachgefragt, ob während der Weltkunstausstellung mehr Müll entsteht.

Kassel – Übersehen kann man sie in ihren orangefarbenen Latzhosen und Westen nicht. Und manchmal hört man sie auch. Denn die hölzernen Zangen, mit denen sie den Müll aufsammeln, können auch Geräusche machen. Sie klappern. Und so nennen die Stadtreiniger das auch, was sie auf der innerstädtischen documenta-Meile und anderswo machen. Klappern gehört bei ihnen quasi zum Handwerk.

Für den 62-jährigen Michael Huhn ist es bereits die vierte documenta, auf der er zum Einsatz kommt. Und jede Menge Kontakte mit den Menschen auf der Strecke zwischen dem Kulturbahnhof, der Treppenstraße, dem Friedrichsplatz und runter zur Karlsaue bis zur Spitzhacke hat. „Mit deinem Englisch kommst du doch überall gut durch“, sagt sein Kollege Ercan Yikar (51), der ebenfalls reichlich documenta-Erfahrung hat. Wenn sie zu dritt mit Harald Blochberger (62) unterwegs sind, werden sie häufiger angesprochen.

Meistens fragen die Menschen nach dem Weg zu einem der Ausstellungsorte. Aber nicht nur. „Da wollte auch schon mal jemand wissen, ob wir Teil einer Performance oder so etwas ähnlichem sind“, sagt Ercan Yikar. Natürlich habe die Frau eine freundliche Antwort bekommen. Wenn man die Menschen anlächele, dann bekomme man auch etwas zurück, so die Erfahrung der Männer in Orange.

Erst gestern sei ihm auf der Gustav-Mahler-Treppe ein Mann mit einem sehr ernsten Gesicht begegnet. Ob der wohl zum documenta-Team gehörte? „Keine Ahnung“, sagt der Stadtreiniger. Er habe ihm jedenfalls einen besonders schönen Tag gewünscht und schon sei die Stimmung sichtbar besser gewesen.

Aber wie ist das nun mit dem Müll auf der documenta? „Eigentlich auch nicht viel anders als sonst“, sagt Michael Huhn. Besonders schlimm sei es immer nach einem sommerlich warmen Wochenende. Das habe aber nichts mit der documenta zu tun, sondern mit dem Partyvolk. Wer dann zum Beispiel die vielen leeren Flaschen stehen lasse, wisse er nicht. „Wenn wir kommen, schlafen die noch ihren Rausch aus“, sagt er.

Eine bemerkenswerte Ausnahme gibt es allerdings, da sind sich die drei einig. Neben den Imbissständen des regionalen Street-Food-Markts am Rand des Friedrichsplatzes finde man höchstens mal die eine oder andere weggewehte Serviette. Ansonsten bleibe dort dank Mehrweggeschirr und Spülmobil so gut wie kein Müll liegen.

Im Gegensatz zu den beliebten Rastplätzen auf den roten Bänken oder den Mauern an der Gustav-Mahler-Treppe. Plastikverpackungen, Flaschen, Scherben und Papier finden sie dort immer. Oft auch im Gebüsch. Und das, obwohl die Stadtreiniger hier wie anderswo reichlich Mülltonnen für die verschiedenen Abfallarten aufgestellt haben.

Bleibt noch die Frage, ob sie bei ihren Einsätzen auf der documenta auch schon mal Prominenz getroffen haben. Diesmal noch nicht, sagt Michal Huhn. Aber damals vor zehn Jahren, als Brad Pitt in der Stadt war, da habe er ihn vor dem Fridericianum gesehen. Und dann ziehen sie weiter und klappern den Müll der documenta weg.

Auch interessant

Kommentare