Natascha Sadr Haghighian über den „d(13)pfad“

Performance mit Schutt, Rosen und Laptops: Ute Waldhausen (links) und Natascha Sadr Haghighian. Foto: von Busse

Kassel. „Das hat sich von allein erzählt“, sagt die Berliner Künstlerin Natascha Sadr Haghighian über ihren documenta-Beitrag, einen Trampelpfad, der die Schöne Aussicht mit der Karlsaue verbindet. „Es ist alles in den Trümmern drin.“ Sie habe ihnen nur zugehört.

1952 wurde der Schutt der zerstörten Stadt den Hang hinuntergekippt. 12 000 Rosen pflanzte man: „Die Trümmer wurden versteckt, alles war wieder schön.“ Die 1967 in Teheran geborene Künstlerin erinnert mit dem Pfad - Alternative und Abkürzung neben dem Ehrenmal für gefallene Soldaten - an die Kriegszerstörung.

Aus Büschen und Bäumen sind onomatopoetische Tierlaute in 30 Sprachen zu hören, gesprochen von in Kassel lebenden Migranten: Wo der Hund auf Deutsch „wauwau“ bellt, heißt es arabisch „hauhau“ und chinesisch „wangwang“. Die ersten Kasseler Gastarbeiter hätten in ehemaligen Zwangsarbeiterlagern gewohnt, berichtete Sadr Haghighian bei der Aufzeichnung der documenta-Bilanz des Deutschlandradios Kultur im Ständehaus. Dort erzählte sie von „unglaublichem Material“, „spektakulären Aufnahmen“, die ihr das Kasseler Stadtarchiv zur Verfügung stellte, davon, dass in den Trümmern Relikte ruhen, die vom untergegangenen Kassel erzählen.

Den Trümmern zuhören - das meinte Sadr Haghighian bei der Performance „pfad audio logs“ wörtlich. Assistiert von Ute Waldhausen, rieb sie Steine aus der Henschel-Villa - Eigentümer der bombardierten Rüstungsbetriebe - aneinander, stocherte sie in einem Rosenstock. Mikrofone übertrugen die Geräusche, über Laptops wurden Glockenklänge und Schüsse aus dem „Marder“ zugespielt. Aus Glocken wurden Kanonen geschmolzen, heutige Waffensysteme tragen Tiernamen, Rüstung wird noch immer in Kassel produziert - lauter Kontinuitäten und Bezüge, die sich für Sadr Haghighian von selbst erzählen.

Die Internet-Seite d13pfad.de mit zahlreichen Erlebnisberichten bleibt über das Ende der documenta bestehen. Die Performance „pfad audio logs“ wird am 29.10. und 16.11., 0.05 Uhr, in „Kurzstrecke 7“ im Deutschlandradio Kultur wiederholt.

Von Mark-Christian von Busse

Quelle: mydocumenta

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