1. Startseite
  2. Kultur
  3. documenta

Ukraine ist Thema auf der documenta: „Diese Personen sind immer noch Menschen“

Erstellt:

Von: Leonie Krzistetzko

Kommentare

Das Ausstellungsprojekt „Live“ der Kunstgruppe Totem aus Kherson über das menschliche Gesicht des Krieges beim d15-Programm „Citizenship Ukraine“.
Das Ausstellungsprojekt „Live“ der Kunstgruppe Totem aus Kherson über das menschliche Gesicht des Krieges beim d15-Programm „Citizenship Ukraine“. © Totem Kherson

Im Interview erklärt die Projektleiterin das Veranstaltungsprogramm „Citizenship Ukraine“ im Ruruhaus zur documenta fifteen.

Der Krieg in der Ukraine ist auf der sonst sehr gesellschaftskritischen documenta fifteen noch wenig präsent. Das ändert das dreitägige Veranstaltungsprogramm „Citizenship Ukraine“ des Zentrums für Kunst und Urbanistik Berlin (ZK/U), das am Mittwoch beginnt und verschiedene ukrainische Kollektive und Gruppen nach Kassel bringt. Neben dem Krieg setzt sich das kostenlose Programm im Ruruhaus unter anderem mit dem westlichen Blick auf die Ukraine auseinander und beinhaltet neben Diskussionsrunden auch Ausstellungen und Musik.

Im Interview erzählt Barbara Bernsmeier vom ZK/U, wieso das Zentrum die Ukraine auf die documenta fifteen bringt, und wie ihm das Konzept der Ausstellung dabei geholfen hat.

Wieso haben Sie sich dafür entschieden, dem Krieg in der Ukraine auf der documenta fifteen eine Bühne zu geben?

Die ukrainischen Künstler sollten schon vor dem Krieg auf die documenta kommen. Denn das ZK/U hat ein Projekt, das sich mit kulturellen Initiativen in der Ukraine, Belarus und Russland außerhalb der Hauptstädte beschäftigt. Das ist jetzt durch den Krieg zum Erliegen gekommen. Wir wollten unseren ukrainischen Künstlern aber einen Raum auf der documenta fifteen geben, um ihre Positionen zu diskutieren, zu zeigen, wie die Lage in den Städten oder aus dem Exil aussieht, wie sich Kulturorte verändert haben und wie sich Künstler jetzt verhalten. Die Idee dazu ist uns im Mai gekommen.

Das ist ja nicht viel Zeit, um ein solches Programm auf die Beine zu stellen. Inwiefern hat Ihnen da der offene Ansatz der d15 geholfen?

Die Vielfalt von Orten und die Offenheit der documenta haben uns definitiv dabei geholfen, dass wir unser Programm noch kurzfristig umsetzen konnten. Der Gesamtansatz mit vielen Begegnungen und Kollektiven, die miteinander ins Gespräch kommen, ist aber auch generell etwas, das sich auch in unserem Projekt widergespiegelt. Unsere Partner aus der Ukraine sind auch alles Kollektive oder Gruppen, die entweder Kunst machen oder Kulturzentren betreiben.

Wieso sollte man den Krieg auch künstlerisch betrachten?

Bei uns geht es mehr um die Diskussion um den Krieg an sich, als um den Fokus auf Kunst, weil unsere ukrainischen Partner sagen, dass sich die Lage für alle Menschen in dem Land geändert hat – egal ob es um Künstler oder Reinigungskräfte geht. Davon handelt auch die Ausstellung „Live“ von unseren Partnern aus Kherson.

An „Live“ sind insgesamt 20 Künstler und Fotografen beteiligt. Was wird dort genau zu sehen sein?

Für die Ausstellung haben mehrere Fotografen gewöhnliche Menschen aus der Stadt Kherson porträtiert, die ihr ganzes Leben seit dem 24. Februar geändert haben: Zum Beispiel einen Grafikdesigner, der sich Evakuierungsteams angeschlossen hat, aber auch einen Arzt, der an die Front geht, sowie andere Menschen, deren Alltag sich komplett verändert hat. Diese Personen sind immer noch Menschen, zeigen immer noch ihr Gesicht und haben immer noch ihre eigene Geschichte. Kuratiert wurde die Ausstellung von Olena Afanasieva, die mittlerweile in der Westukraine lebt.

Barbara Bernsmeier (36) ist Projektleiterin am Zentrum für Kunst und Urbanistik Berlin. Hier moderiert sie unter anderem den Podcast „Kasha Today“. Sie hat Slawistik und Literatur studiert.

Das Programm „Citizenship Ukraine“ im Ruruhaus

Mittwoch, 27. Juli

Donnerstag, 28. Juli:

Freitag, 29. Juli:

Auch interessant

Kommentare