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documenta 15: Viele Veranstaltungen wegen Corona und Antisemitismus-Kritik abgesagt

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Von: Matthias Lohr, Andreas Hermann, Claudia Feser, Kathrin Meyer

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documenta fifteen in Kassel eröffnet
Besucher der documenta fifteen stehen nach Eröffnung vor dem Fridericianum, dessen Säulen der rumänische Künstler Dan Perjovschi mit schwarzer Farbe bemalt und mit weißen Symbolen und Zeichen zu Themen wie Frieden, Solidarität oder Nachhaltigkeit beschriftet hat. © Uwe Zucchi/dpa

Nach dem Antisemitismus-Eklat überprüft die documenta kritische Werke. Die meisten Veranstaltungen bis einschließlich Mittwoch (29. Juni) sind wegen Corona abgesagt. Derweil haben sich Taring Padi entschuldigt.

Kassel – Nach dem Antisemitismus-Eklat auf der documenta in Kassel lassen die Verantwortlichen derzeit die Ausstellung auf kritische Werke mit antisemitischem Inhalt überprüfen. Hierfür werden Teile der Ausstellung kurzzeitig geschlossen, wie die Generaldirektorin Sabine Schormann mitteilte.

In der vergangenen Woche waren die meisten Veranstaltungen aufgrund des aktuellen Corona-Geschehens in Kassel abgesagt worden. Diese Maßnahme ist jetzt verlängert worden bis einschließlich Mittwoch (29. Juni), teilte die documenta am Samstagmorgen auf Anfrage mit. Die Absage sei zum Schutz der Besucher. Einzelne Veranstaltungen sollen in abgewandelter Form und draußen stattfinden, darüber solle man sich am besten vor Ort informieren, so eine Sprecherin.

documenta in Kassel: Teile der Veranstaltung kurzzeitig geschlossen

Am Donnerstag war das WH22 in der Werner-Hilpert-Straße 22, in dem die palästinensische Künstlergruppe The Question of Funding ausstellte, zeitweise geschlossen. Am Freitag, als der Ausstellungsort wieder offen war, begründete man die zwischenzeitliche Schließung vor Ort mit einem „Personalmangel“. Einen Fragenkatalog unserer Zeitung zu diesen und anderen Themen ließ die documenta unbeantwortet.

Bei der Überprüfung der Werke solle das leitende Kollektiv Ruangrupa seine kuratorische Aufgabe wahrnehmen, erklärte Schormann in einer Pressemitteilung. Sie wiederum behalte sich das Recht vor, einzelne Künstler auszuladen. Gleichwohl betonte Schormann, dass die gesamte Ausstellung mit ihren Tausenden Werken und Projekten nicht unter Generalverdacht gestellt werden solle.

documenta 15 in Kassel: Kultusministerin Angela Dorn will „zeitnah über Ergebnisse informiert werden“

Hessens Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) teilte mit, dass „wir als Gesellschafter“ der documenta den Auftrag zur Überprüfung erteilt hätten. „Wir erwarten, zeitnah über Ergebnisse informiert zu werden“, sagte Dorn der Nachrichtenagentur dpa. Der Druck auf die Verantwortlichen in Kassel muss demnach weiter groß sein. Die Vorfälle bei der documenta in Kassel werden Anfang Juli wohl auch den Deutschen Bundestag beschäftigen. Die CDU/CSU-Fraktion bestätigte am Freitag, dass sie aktuell einen Antrag für eine Debatte über die documenta vorbereite.

Unterdessen hat sich auch das indonesische Kollektiv Taring Padi nach dem Skandal geäußert, den ihr antisemitisches Kunstwerk „People’s Justice“ ausgelöst hatte. Dem „Spiegel“ sagten die Künstler: „Wir wussten nicht, dass unser altes Bild in Deutschland Gefühle verletzen würde. Es wurde schon oft auf Ausstellungen gezeigt. Wenn wir gewusst hätten, wie die Reaktionen sind, hätten wir es nie aufgehängt.“ Keine Kuratoren hätten ihnen gesagt, dass es solche Grenzen gebe.

Zudem veröffentlichten Taring Padi ein Statement auf der documenta-Seite. Dort entschuldigen sie sich und schreiben: „Die von uns verwendete Bildsprache ist nie aus Hass gegen eine bestimmte ethnische oder religiöse Gruppe entstanden, sondern als Kritik an Militarismus und staatlicher Gewalt gedacht. Wir bedauern, dass wir eine mögliche Beteiligung der Regierung des Staates Israel so völlig unangemessen dargestellt haben – und entschuldigen uns aufrichtig dafür. Antisemitismus hat weder in unseren Gefühlen noch in unseren Gedanken einen Platz.“ (Claudia Feser, Matthias Lohr, Andras Hermann, Kathrin Meyer)

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