Plastik von 1958

Vergessenes documenta-Kunstwerk soll wieder in den Blickpunkt rücken

Kassel. Ein Kunstwerk aus dem Jahr 1958 soll wieder mehr in den Blickpunkt gerückt werden. Es steht im Foyer der Ingenieurschule.

Himmelsstürmer, Spitzhacke, Erdkilometer – Herkunft und Geschichte der bekanntesten documenta-Überbleibsel werden auch denjenigen Kasselern ein Begriff sein, die keine Kunstfreunde sind. Ein Relikt der documenta 2 im Eingangsbereich der Ing-Schule – oder, wie es korrekt heißen muss: im Foyer vor der Mensa des Standorts Wilhelmshöher Allee der Universität – dürfte hingegen auch vielen documenta-Kennern nicht geläufig sein: eine Plastik vom italienischen Künstler Alberto Viani (1906 - 1989).

Vor der d14, wo auch die in Kassel verbliebenen Werke erneut Beachtung finden, rückt Vianis 1959 vor der Orangerie ausgestellte „Scultura Astratta“ ebenfalls wieder ins Bewusstsein. Die Universität hat eine kleine Plakette anbringen lassen, die über ihre documenta-Geschichte informiert.

Es sei nicht so, dass das Kunstwerk plötzlich „entdeckt“ worden sei, stellt Uni-Pressesprecher Sebastian Mense klar. Aber es sei eben ein bisschen in Vergessenheit geraten. Wer von den Mensa-Besuchern wird schon gewusst haben, dass man täglich an einem der frühesten in Kassel verbliebenen documenta-Exponate entlangläuft – eines, das ganz so aussieht, als sei es eigens für den 1950er-Jahre-Bau gemacht worden. So perfekt passt es ins Mensa-Foyer.

Nach der d II war die Skulptur aus dem Jahr 1958 für beachtliche 20 400 D-Mark für die damals neue Ing-Schule erworben worden. Zunächst sollte sie im Außenbereich aufgestellt werden, berichtet Mense, darauf verzichtete man mit Rücksicht auf mögliche Schäden durch die Witterung.

Viani, der schon bei der ersten documenta 1955 dabei war, hatte in Venedig studiert und dort von 1947 an selbst einen Lehrstuhl für Bildhauerei inne. Seine Plastiken mit runden, weichen und fließenden Formen erinnern an Hans Arp, Constantin Brâncusi und Henry Moore. Seine Kasseler Plastik sieht von jeder Seite verblüffend anders aus – es lohnt sich, sie im Wissen um ihre Geschichte noch einmal neu zu betrachten.

Rubriklistenbild: © Von Busse

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