Am Friedrichsplatz kostet eine Kugel unterschiedlich viel

Vergleiche lohnen sich: Eispreis schwankt rund um den Parthenon

Preiserhöhung nach fünf Jahren: Die handgemachten Kaffeespezialitäten von Ina Ringling („Die Kaffeerösterin“ an der Wilhelmsstraße) kosten seit Mai 20 Cent mehr als früher. Diese Preiserhöhung habe aber nichts mit der documenta zu tun. Fotos:  Koch

Kassel. Riesen-Currywurst mit Fritten und Salat für 11,50 Euro, ein Glas Wein für 5,90 Euro. Nicht alle Kasseler sind bereit, diese Preise während der documenta 14 zu zahlen.

Wir haben uns umgeschaut, wo es einen documenta-Zuschlag am Friedrichsplatz gibt:

Kugel für 1,20: uciana Montirosso steht mit ihrem Wagen neben dem Staatstheater.

Was günstig ist, kann nicht gut sein. Mit diesem Vorurteil wurde kürzlich Luciana Montirosso konfrontiert, die zusammen mit ihrem Mann Pietro einen Eiswagen neben dem Staatstheater auf dem Friedrichsplatz stehen hat.

Im Frühjahr hatte Luciana Montirosso gegenüber der HNA angekündigt, dass in ihrem Wagen die Kugel Eis nicht mehr als einen Euro kosten wird. In der ersten documenta-Woche sei dann eine Mutter mit ihrem Kind zum Eiswagen gekommen. Nachdem die Frau gesehen habe, dass die Kugel nur einen Euro kostet, habe sie zu ihrem Sohn gesagt: „Das ist zu billig, das muss altes Eis sein“, erzählt Montirosso. Deshalb hätten sie und ihr Mann sich entschieden, den Preis pro Kugel um 20 Cent anzuheben.

Kugel für 1,20: Die gibt es bei Delfio Scalia unterhalb der Mahlertreppe.

Rund um den documenta-Standort Friedrichsplatz ist 1,20 Euro der günstigste Preis für eine Kugel Eis. So viel kostet die Kugel auch bei Delfio Scalia, der seit 21 Jahren seinen Eisstand unterhalb der Mahler-Treppe an der Orangerie stehen hat. „Wegen der documenta haben wir die Preise nicht erhöht. Wir profitieren nicht davon. Bei uns läuft es auch in Jahren ohne documenta gut.“ Sowohl am Eisstand als auch am Eisfahrrad, das dem Unternehmer gehört, haben sich Schlangen gebildet.

Kugel für 1,80: So viel kostet es bei Zanetti vor dem AOK-Gebäude.

Dass die documenta sich sehr wohl auf den Eis-Preis auswirken kann, wird beim Eiscafé Zanettideutlich, das mehrere Verkaufsbuden in der Innenstadt betreibt. Während die Kugel vor der Galeria Kaufhof oder vor Sinn Leffers nur 1,20 Euro kostet, ist sie vor dem AOK-Gebäude am Friedrichsplatz 50 Prozent teurer. Hier verlangt Zanetti 1,80 Euro. Dafür steht neben dem Preis aber auch der Begriff Premium Eis.

Kugel für 1,50: Bei Reza Napelyani blickt man direkt auf den Parthenon.

Der Gastronom Reza Napelyani, der seinen Eisstand „Vanille & Co“zwischen Königsgalerie und dem Parthenon der Bücher hat, räumt ein, dass es in dieser attraktiven Lage einen documenta-Zuschlag gibt. An seinem Stand draußen kostet die Kugel 1,50 Euro, drinnen in der Galerie nur 1,20 Euro. Dafür müssten er und vier weitere Gastronomen, die hier zusammen einen Biergarten betrieben, aber auch extra Miete zahlen. Insgesamt ist Reza Napelyani mit den Geschäften sehr zufrieden. Er weiß auch, worauf die Kunden stehen. Die mögen Eissorten mit außergewöhnlichen Namen: Sein Waldmeister-Eis heißt deshalb jetzt „WhatsApp“.

Die selben Preise, nur kleinere Karte: Die Brüder Andrea (links) und Sergio Ferrante bewirten während der documenta doppelt so viele Gäste in ihrem Restaurant „Fratelli“ am Friedrichsplatz wie üblich.

Sehr zufrieden sind auch die Brüder Andrea und Sergio Ferrante. In ihrem Restaurant „Fratelli“ am Friedrichsplatz bewirten sie seit Beginn der documenta doppelt so viele Gäste wie sonst, am Wochenende um die 450 Personen. Die große Nachfrage sei aber kein Grund für sie gewesen, die Preise anzuheben. Allerdings hätten sie die Karte während der documenta verkleinert, um den Ablauf weiterhin gut zu gewährleisten. Spaghetti aglio e olio gibt es hier für 7,50 Euro, die Pizza Margherita kostet 7 Euro.

Preiserhöhung nach fünf Jahren: Die handgemachten Kaffeespezialitäten von Ina Ringling („Die Kaffeerösterin“ an der Wilhelmsstraße) kosten seit Mai 20 Cent mehr als früher. Diese Preiserhöhung habe aber nichts mit der documenta zu tun. Fotos:  Koch

Auch bei der „Kaffeerösterin“ Ina Ringling an der Wilhelmsstraße genießen viel Kunstfreunde ihre Getränke. Sie habe bereits im Mai die Preise pro Tasse (alles in Handarbeit) um 20 Cent erhöht, sagt die Geschäftsführerin. Das sei nach fünf Jahren erforderlich gewesen, sei nicht als documenta-Aufschlag zu verstehen. Ein Espresso kostet dort jetzt 2,20 Euro.

Ob es im Umfeld der Biennale in Venedig wohl Pasta, Pizza und Espresso zu diesen moderaten Preisen in Kassel gibt? Zweifel sind da wohl angesagt.

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