Kunstwerke im öffentlichen Raum schon jetzt beliebt

Verhüllung der Torwache zur documenta: Die ersten Säcke hängen

+
Er lässt die Torwachen-Gebäude mit Jutesäcken verhüllen: Der Künstler Ibrahim Mahama aus Ghana legte gestern selbst Hand bei dem documenta-Kunstwerk an.

Kassel. Ein weiteres spektakuläres Außenkunstwerk der documenta 14 sorgt jetzt für Aufmerksamkeit: Seit Dienstag werden die beiden Torwachen-Gebäude mit Jutesäcken verhüllt.

Es handelt sich um ein Kunstwerk des Ghanaers Ibrahim Mahama, der vor Ort die Verhüllung beobachtete. Das Team um Projektleiter Raimund Apel hofft, dass die Verhüllung bis zum Wochenende abgeschlossen ist.

Das documenta-Kunstwerk „Parthenon der Bücher“ auf dem Friedrichsplatz ist schon jetzt ein Publikumsmagnet. Es soll über den Eröffnungstermin der documenta 14 in Kassel am 10. Juni hinaus mit Büchern bestückt werden. So hätten ebenfalls die Besucher der documenta-Ausstellung Gelegenheit, Druckerzeugnisse mitzubringen, die dann aufgehängt werden, sagte documenta-Sprecherin Maxie Fischer.

Bis jetzt sind für das Verkleiden des Metallgerüsts des Parthenons von privaten Spendern, Buchhändlern und Verlagen insgesamt 42.000 Bücher zur Verfügung gestellt worden. Mindestens 10.000 weitere werden aber laut der d 14-Sprecherin noch benötigt. Zum Start der Arbeiten zur Kunst-Installation im Herbst war man noch von insgesamt 100.000 benötigten Büchern ausgegangen.

Bei der Installation der argentinischen Künstlerin Marta Minujín werden verbotene Bücher von verfemten Autoren an ein Gerüst gehängt, das dem Parthenon, dem bedeutendsten Bauwerk der Athener Akropolis nachgebildet ist. Der Bücher-Tempel wird in der Original-Größe des antiken Vorbilds (14 Meter Höhe auf einer Grundfläche von 31 mal 70 Metern) errichtet.

Minujín hatte 1983 in der argentinischen Hauptstadt xuenos Aires nach dem Ende der Militärdiktatur ein ähnliches Kunstwerk mit 30.000 Büchern erschaffen. Die documenta nimmt weiter Buchspenden an.

Torwache: Die ersten Säcke hängen 

Die Verhüllungsarbeiten haben am Dienstagmittag begonnen: Mit Hilfe eines Hubsteigers und eines Hubwagens werden die Bahnen aus Jutesäcken an der Torwache befestigt.

Seit Dienstagmittag werden die beiden Torwachen-Gebäude an der Wilhelmshöher Allee verhüllt.

Mit dem Verpacken von Gebäuden hat Raimund Apel aus Kassel so seine Erfahrungen. Im Jahr 1999 sorgte er dafür, dass die Zentrale des Pharma-Unternehmens Bayer in Leverkusen in die größte Aspirin-Schachtel der Welt verwandelt wurde. Diese Verpackung gab es zum 100. Geburtstag der Kopfschmerztablette.

Da wundert es kaum, dass Apel von der documenta dafür engagiert wurde, auch die beiden Torwache-Gebäude an der Wilhelmshöher Allee mit Jute-Säcken zu verhüllen. Dabei handelt es sich um ein Kunstwerk das Ghanaers Ibrahim Mahama. Die Jutesäcke wurden zuvor in der Kasseler Henschelhalle in Rothenditmold zusammengenäht.

Im Vorfeld habe er die Installation mit dem Bauamt und der Feuerwehr abgesprochen, sagt Projektleiter Apel. Das Installationssystem basiert auf Rohren, die oben und unten an dem Gebäude angebracht worden sind und dazwischen gespannten Stahlseilen. Daran werden die Jutebahnen, die rund fünf Mal 15 Meter messen, befestigt.

Nur in Fugen gebohrt

„Wir haben nur in die Fugen der Torwache gebohrt, nicht in den Sandstein“, macht Apel deutlich. Nach der documenta würden alle Löcher, in denen jetzt die Kunststoffdübel stecken, wieder versiegelt.

Rund 2000 zusammengenähte Säcke seien erforderlich, um beide Gebäude zu verhüllen, sagte Ibrahim Mahama am Dienstagmittag an der Torwache. Der Künstler war nicht nur vor Ort, um die Arbeiten mit der Kamera zu dokumentieren, sondern er legte auch selbst Hand an. Zusammen mit Projektleiter Apel stieg er in den Hubwagen und ließ sich bis zum Dach der Torwache fahren. Dort wurden dann die Jutebahnen befestigt und am Gebäude heruntergelassen.

Das schaute sich auch Dr. Birgit Wiegand an. Die Tierärztin aus Niederzwehren ist ein echter documenta-Fan. Als Kasseler habe man doch den großen Vorteil, auch die Entstehung der Kunstwerke zu verfolgen, sagt Wiegand. Ihr gefalle die Idee, die Torwachen-Gebäude zu verhüllen,

Hans Wicke (75) aus Kassel sieht das anders. „Es gibt hässlichere Gebäude, die man in Kassel verhüllen könnte.“ Ansonsten ist er aber von den Außenkunstwerken der d 14 bislang begeistert. Der Obelisk auf dem Königsplatz und der Parthenon auf dem Friedrichsplatz seien hervorragend.

Aber zurück zur Torwache: Projektleiter Apel, der beim Aufhängen der Jutebahnen von Mitarbeitern der Kasseler Agentur Lenz-Events unterstützt wird, hofft, dass beide Gebäude bis zum Wochenende verhüllt sind. Einen konkreten Zeitplan gebe es aber nicht. „Wir haben ja keine Erfahrungswerte“, sagt Apel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.