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Grüne Jugend ist für Verkehrswende und grünere Innenstadt in Kassel

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Von: Amir Selim

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Paul Gruber und Ella Held von der Grünen Jugend
Viele Ideen für heute und die Zukunft: Paul Gruber und Ella Held aus dem Vorstand der Grünen Jugend. © Privat

Im Projekt „100 Tage“ stellen wir junge Kasseler vor, die etwas bewegen wollen. Diese Woche beschäftigen wir uns mit jungen Politikerinnen und Politikern. Heute: die Grüne Jugend.

Oftmals liegt der Fokus in der kommunalen Politik auf den Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung, dem Magistrat und dem Oberbürgermeister. Dabei passiert auch auf anderer Ebene sehr viel - wie bei den Jugendorganisationen der Parteien. Wir haben für unser HNA-Volontärs-Projekt „100 Tage“ mit vier Gruppen gesprochen: der Grünen Jugend (Jugendorganisation von Bündnis90/Die Grünen), den Jungen Liberalen (FDP), der Jungen Union (CDU) und den Jungsozialisten (SPD). Sie haben uns erzählt, welche Ideen und Vorstellungen sie für Kassel haben. Von konkreten und leicht umsetzbaren Sachen bis hin zu utopischen Vorhaben ist alles dabei. Das wünscht sich die Grüne Jugend:

Verkehrswende und grünere Innenstadt als Hauptthemen

Schon das Zusammentreffen mit Paul Gruber (22) und Ella Held (19) von der Grünen Jugend hat was Symbolisches. Denn die beiden kommen mit dem Fahrrad, das nach den Vorstellungen der Jugendorganisation präsenter im Stadtbild von Kassel werden soll. Held und Gruber gehören dem Vorstand der Grünen Jugend an. Unter dem viel diskutierten Begriff Verkehrswende haben Held und Gruber viele Ideen, wie diese in der documenta-Stadt umgesetzt werden können. Neben der Verkehrswende ist eine grünere Innenstadt das Hauptthema der Grünen Jugend.

Verkehrswende: Die autofreie Stadt als langfristiges Ziel

Für Gruber und Held ist klar: Es müssen mehr Fahrradwege und -parkplätze in Kassel gebaut werden. Ganz wichtig sei, dass diese auch überdacht sind, sagt Gruber, der an der Universität Kassel Politikwissenschaft studiert. Dabei dürfe es nicht nur bei Symbolpolitik bleiben: „Das heißt, dass nicht nur drei Fahrradständer angebracht werden und dann gesagt wird, wir haben was für Fahrräder und Fahrradfahrer gemacht“, sagt der 22-Jährige. Auch müssen Radwege ihren Platz bekommen. „Radwege müssen so breit sein wie Straßen für Autos“, sagt Held. Das würde die Leute motivieren, das Fahrzeug zu wechseln und sie generell zum Nachdenken bringen. „Die Infrastruktur formt das Verhalten“, fügt sie hinzu.

Das langfristige Ziel der Verkehrswende ist eine autofreie Innenstadt. „Wir brauchen mehr grün und weniger Parkplätze in der Innenstadt“, sagt Ella Held, die angehende Psychologiestudentin ist. Auch der Öffentliche Personennahverkehr müsse noch weiter ausgebaut werden - gerade mit Hinblick auf junge Menschen: „Es ist doof, wenn der letzte Bus um viertel nach zwölf fährt“, sagt Gruber. Gerade wenn man feiern sei, müsse es sichere Wege geben, um nach Hause zu kommen.

Öffentlichen Raum neudenken: Mehr Grün und weniger Asphalt in der Innenstadt

Die Kasseler Innenstadt sollte umgestaltet werden. „Die Innenstadt muss ein Ort sein, an dem Leute gerne ihre Zeit verbringen möchten“, sagt Held. Als Negativbeispiel nennt sie den Königsplatz. Dieser bestehe aus zu viel Asphalt und zu wenig Grün. „Der Königsplatz ist zu heiß. Er ist hässlich und grau“, sagt Held. Eine Möglichkeit zur Verschönerung wäre, in der Innenstadt Kunst zu nutzen. Diese dürfe jedoch nicht zu abgehoben und müsse für alle Menschen zugänglich sein.

Das könnte zum Beispiel durch Gemeinschaftsgärten in die Innenstadt gebracht werden, wo Obst, Kräuter und Gewürze angebaut werden können. Man wolle damit den Bürgern die Nahrungsproduktion näher bringen. „Es gibt nicht nur den Supermarkt“, sagt Gruber. Die Stadt solle solche Flächen zur Verfügung stellen, die Bürger können es dann umsetzen und selbst organisieren. Held verweist auf den Verein „Essbare Stadt“, der ähnliches in Kassel gestaltet. Von Seiten der Stadt könnte es dann Workshops beim Umwelt- und Gartenamt geben, die den Menschen weiter Unterstützung bieten.

Ein Thema das wegen der Hitze derzeit viel besprochen wird, sind kostenlose Trinkmöglichkeiten. Auch das möchte die Grüne Jugend in Form von Trinkbrunnen für Menschen und Tiere ermöglichen. Ebenso soll es kostenlose Toiletten in der Innenstadt geben.

Jugendarbeit: Mehr Sportplätze, kostenloser Eintritt zu Museen und mehr Feiermöglichkeiten

Als Jugendorganisation stehen auch Themen in Vordergrund, die vornehmlich junge Menschen betreffen. „Sie sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft“, sagt Gruber. Daher solle es mehr Sportplätze geben, auf denen Kinder und Jugendliche beispielsweise Basketball und Fußball spielen können. Solche Plätze hätten auch eine integrative Wirkung: „Es ist attraktiv für Jugendliche. Alle können mitmachen. Es verbindet Leute aus verschiedenen Gruppen“, sagt Gruber.

Mitnehmen müsse man junge Menschen auch was Museen und Schwimmbäder angeht. Kostenloser Eintritt würde helfen, dass das Angebot nicht nur für elitäre Schichten verfügbar ist, sagt Held. „Es sollen alle partizipieren.“ Denn solche Räume sind wichtig, damit Menschen aus allen Ebenen der Gesellschaft zusammenkommen. Dazu gehören auch mehr Feiermöglichkeiten als bisher.

Ebenfalls gewünscht werden mehr queere Schutzräume. „Es gehört mehr dazu, als nur Regenbögen aufzuhängen“, sagt Held. Ähnlich wie bei möglichen Grünflächen wünschen sie sich, dass die Stadt die Grundlagen anbietet und dass queere Menschen dann etwas machen können.

Lebensqualität: Mehr Märkte und Ausbau des Fuldaufers

Es gebe zwar schon einige Angebote, wie die Markthalle und den Markt in Wehlheiden. Diese richteten sich aber an ein bestimmtes Klientel. „Sie gibt es bisher nur in den wohlhabenden Stadtteilen Kassels“, sagt Held.

Der Ausbau des Fuldaufers würde eine bessere Lebensqualität ermöglichen. Das habe großes Potenzial, sagen die beiden. Gerade im Sommer kämen auch hier viele verschiedene Menschen zusammen.

In der Stadt wünschen sie sich mehr Freilaufzonen für Hunde. Sie gebe es in der Innenstadt nur wenig, sagt Held.

Zudem soll es neue Beratungsangebote geben, die sich gezielt auf jüngere Menschen fokussieren. „Das geht leider oft unter, wenn es breiter angelegt ist“, sagt Gruber. So könne jungen Menschen bei Themen wie Familienplanung oder mentaler Gesundheit geholfen werden.

Zwischen Konkretem und Utopie

Das nicht alle Ideen sofort umgesetzt werden können, ist den beiden bewusst. Aber Vorschläge wie die Trinkbrunnen, die kostenlosen öffentlichen Toiletten und die Radwege können direkt eingeführt werden, sagt Held.

Bei der Umgestaltung der Stadt müsse man schrittweise vorgehen und schauen: „Wie wird die Veränderung angenommen?“ Dann könnten weitere Schritte geplant werden. Entscheidend sei, dass nicht alles von der Stadt einfach vorgegeben werde, sondern das die Bürger mitgenommen werden.

Gerade in der Kommunalpolitik sei das durch die Nähe möglich. „Auf kommunaler Ebene ist Politik am besten greifbar“, sagt Gruber. Deshalb müsse man mit den Menschen zusammen gestalten, indem beispielweise die Menschen mitbestimmen, wo ein Trinkbrunnen am meisten helfen könne. „Das schweißt zusammen“, finden die beiden. (Amir Selim)

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