Alte Motive sind begehrt

Viele Grüße aus Kassel: Welche Postkarten documenta-Gäste verschicken

Alle Kasseler Sehenswürdigkeiten auf einer Postkarte vereint: in der Mitte der Herkules, davor das Fridericianum und rundherum das Staatstheater und die Martinskirche.

Kassel. Besonders alte Motive sind sehr begehrt: Wir haben uns auf der documenta umgesehen, ob Gäste heute noch Postkarten verschicken.

Die Sonne strahlt über dem Kasseler Rathaus, und eine lange Warteschlange bildet sich vor dem kleinen Kiosk auf der rechten Seite. Viele der wartenden Menschen sind Touristen, die derzeit Kassel und die documenta erkunden. Neben Tabakwaren und Zeitschriften sind es vor allem Postkarten, die den wartenden Touristen ins Visier geraten.

Den kleinen Ansturm am Stand ist Irina Medwedew schon gewohnt. Die Studentin arbeitet nebenbei in dem Kiosk und bemerkt, dass Postkarten während der documenta gerne gekauft werden. „Viele Besucher fragen immer, ob wir auch Briefmarken haben, damit sie die Postkarten in ihre Heimat schicken können“, erzählt die 26-Jährige. Die meisten der Käufer füllen die Postkarten noch direkt am Stand aus, dann wird noch schnell eine Briefmarke aufgeklebt, und die Reise kann beginnen.

Postkarten werden auch heute noch gerne gekauft: Irina Medwedew vor dem Kioskstand am Rathaus.

Dabei werden die Ansichtskarten nicht nur ins Inland verschickt, immer öfter gehen die Postkarten ins Ausland, erzählt Sigrid Füller vom Kioskstand auf dem Ständeplatz. Wer jedoch glaubt, dass nur während der documenta Postkarten gekauft werden, um den Liebsten nette Grüße per Post zuzuschicken, liegt falsch. Auch über das ganze Jahr verteilt, seien die Postkarten gut gefragt, so Füller. Sehr begehrt bei den Postkartenschreibern sei das Motiv des Herkules mit den Wasserspielen im Vordergrund. Für die documenta-Besucher darf es etwas kurioser sein, sie greifen öfter zu der lustigen „Fashion for Heroes“-Postkarte, erzählt Ina Rösch von der Touristeninformation in Kassel.

Bei den documenta-Besuchern kommt die ulkige Postkarte Fashion for Heros gut an. Wer den nackten Helden bekleidet sehen möchte, muss nur die Klamotten ausschneiden und ihn „anziehen“.

So herkömmlich wie das Schreiben einer Postkarte selbst, so traditionell sind auch die beliebtesten Kasseler Postkartenmotive, wie etwa der Herkules, das Fridericianum, das Schloss Wilhelmshöhe und das Kasseler Rathaus. An den Ansichten der begehrten Motive hat sich dabei aber nicht viel getan, egal ob der Herkules oder das Schloss, die damaligen Postkarten stehen den heutigen in nichts nach.

Natürlich denke man heute nicht sofort daran, der Familie oder den Freunden eine Karte aus dem Urlaub zu schicken, meint Ina Rösch. Doch für viele Menschen sind die Karten ein schönes Andenken, das gerne aufbewahrt oder an eine Pinnwand in den heimischen Wänden gehängt wird. Rösch ist der festen Überzeugung, dass WhatsApp zwar vieles erleichtert, die Postkarte aber nicht so schnell abschafft. Man freue sich ja immer, wenn man heute noch eine Postkarte von der Familie bekommt. Das sei viel persönlicher, erzählt die die 29-Jährige. Die junge Frau verschickt selbst noch gerne Postkarten.

Hintergrund: Postkarte per App verschicken

Wer sich den lästigen Weg zur Post sparen möchte, dem vereinfachen Postkarten-Apps das Leben. Das besondere daran: Das Motiv der Postkarte kann der Nutzer der App selbst herstellen. Per Smartphone kann das Motiv aufgenommen werden und wird dann über die App verschickt. Dabei ist es völlig egal, wo auf der Welt man sich gerade befindet. Unabhängig vom Standort bezahlt man rund 1,90 Euro pro Postkarte, die dann über die persönliche Handyrechnung oder eine Kreditkarte abgebucht werden.

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