Vorfreude auf Kassel: Eine Presseschau zur documenta 13

Vor der Orangerie: Dieses Becken ließ der Künstler Massimo Bartolini für seine unbetitelte Welle („Untitled Wave“) ausheben. Foto: dpa

Kassel. Eigentlich ist der documenta-Pressestelle immer noch an höchster Geheimhaltung gelegen - wenngleich vieles durchgesickert ist und längst Künstlerlisten kursieren.

Erst in der Pressekonferenz am 6. Juni, 12 Uhr, soll alles bekannt werden. Eigentlich. Dummerweise aber erscheinen die Juni-Ausgaben der Kunstzeitschriften Ende Mai, lange vor der Eröffnung. Also galt es, Neuigkeiten gezielt zu offenbaren, Informationen so zu streuen, dass der Werbeeffekt groß ist. Eine Presseschau.

ART

Das Magazin „Art“ widmet fast die gesamte Juni-Ausgabe der documenta, plus einem 52-seitigen Kassel-Guide. Porträtiert wird auch ein „Worldly Companion“, Dr. Gertrude Betz aus Kassel, die sich für die Führungen wie alle „weltgewandten Begleiter“ durch „Berge von Papier“ gearbeitet hat.

Das Porträt der Künstlerischen Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev ist betitelt „Madame Maybe“ - weil sie gern alles in der Schwebe hält. „Vielleicht Vermittlung“ heißt ja auch das Begleitprogramm. Autor Ralf Schlüter hat eine Frau getroffen, für die es nichts Banales gibt, die aber auch Schwierigkeiten hat, „aus den Höhen der Welt- und Kunstfragen den Funkkontakt zur Erde zu halten“. Kollege Till Briegleb fand sich bei der Lektüre der 100 Notizbücher „verloren in der Zufälligkeit“. Die „Groschenheftchen für Studierte“ seien „die pure Arroganz des Erratischen“, also des im Schlingerkurs Befindlichen. Madame Maybe eben. Chefredakteur Tim Sommer bilanziert: Die documenta könnte trotz des Theorie-Gespinsts „opulenter, überraschender, schöner und verstörender“ werden, als zu erwarten war.

MONOPOL

Das Magazin hat sich in Kassel umgeschaut, stellt zehn Künstler kurz sowie Alighiero Boetti und Mark Lombardi ausführlich vor, will aber seinen Lesern „all die Quantenphysiker, Cyborg-Theoretiker, Hundehalter und Handschriftenkundler“ ersparen, „die sich sonst noch auf der documenta tummeln werden“. „CCB“ erläutert im Interview, warum sie eine Außenstelle der Ausstellung in Kabul einrichtet und warum die documenta sich „Wissen in Pillenform, das man auf Wikipedia zusammenfassen kann“, widersetzt. Sie wolle Unbehagen, Überforderung erzeugen: „Ich hätte gern, dass die Besucher intensiver träumen. Dass sie komische Träume haben nach ihrem documenta-Besuch.“

Einen klugen Aufsatz steuert Kunsthistoriker Beat Wyss bei. Bei der documenta als „Wunderkammer“ und Laboratorium des „kreativen Dilettantismus“ gehe es um eine „Verschmelzung des Weltwissens“. Wichtig sei „CCB“ Verkörperung von Kunst, also sinnliche Erfahrung statt virtueller Kommunikation: „Der dilettantische Enthusiasmus, verbunden mit einem Anflug von Esoterik, bildet das Gleitmittel für das Erlebnis von Gemeinsamkeit.“

FAS

Noch Baustelle: Ein Schrotthaufen hinter dem Kulturbahnhof wird documenta-Kunstwerk. Der Künstler ist noch unbekannt. Foto: dpa

Dass es mit dieser Gemeinsamkeit noch nicht weit her ist, beschreibt Gregor Quack nach einem Kassel-Besuch in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Im Moment werkele jeder vor sich hin. Zeit für „ausgeruhtes, langfristiges Miteinanderreden“ werde es vermutlich nicht geben. Die wachstumskritische documenta habe den beharrlichen Glauben an das eigene Wachstum in Zweifel ziehen sollen. Dass die Eröffnung erst am 9. Juni sei, sei kein Hindernis, „die Kunst schon vorher blöd zu finden“. Lange sei auch das Wort „verschandeln“ nicht so großzügig eingesetzt worden wie in Online-Kommentaren zu documenta-Artikeln der HNA.

KulturSpiegel

Einen kurzweiligen Rückblick liefert die Beilage des aktuellen „Spiegel“. Kritisiert werden bei der d13 die Benutzerführung der Website („zum Ausladen“) und die alberne Schreibweise „dOCUMENTA (13)“. Das Motto „Zusammenbruch und Wiederaufbau“ könne alles und nichts bedeuten.

Mobil

Unter dem Titel „Vitamin D“ stellt das Magazin der Deutschen Bahn documenta-Mitarbeiter vor. „CCB“ erklärt, warum sie beim „Ideen-Pingpong“ im Team gerade auf Details beharrt. Motivation ziehe man aus dem Ziel: „Der Grund, warum wir das hier machen, ist Freiheit im Denken und Fühlen.“  

Quelle: mydocumenta

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