Kunstwerk erinnert an Mönche

Wächter der Zeit: Warum die Figuren während der documenta entfernt werden

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Da war noch alles in Ordnung: Manfred Kielnhofer mit den „Wächtern der Zeit“ vor dem Parthenon.  

Kassel. Künstler Manfred Kielnhofer hat seine Figuren "Wächter der Zeit" in Kassel während der documenta aufgestellt. Nun sind sie - erneut - entfernt worden. Was ist denn da los?

Manfred Kielnhofer ist nun in Linz, aber womöglich kommt der Künstler aus Österreich bald wieder nach Kassel – für das dritte Kapitel seiner kleinen Geschichte, die ihn mit der documenta verbindet oder die ihn von der documenta trennt. Je nachdem. Kielnhofer ist der künstlerische Vater der Figuren, die aus unterschiedlichen Materialien hergestellt sind und sich „Wächter der Zeit“ nennen. Sechs dieser Figuren stellte er in Kassel auf. Nun aber sind sie verschwunden, und die Frage stellt sich: Was ist denn da los?

Um die Frage zu beantworten, bedarf es vorweg einer kleinen Erklärung, was denn die „Wächter der Zeit“ überhaupt sind. Sie entspringen einer Idee Kielnhofers und erinnern an Mönche. Seit einigen Jahren lässt sie der 50 Jahre alte Künstler auf Wanderschaft gehen; bei vielen Ausstellungen sind sie am Rande zu sehen – etwa bei der Kunst-Biennale in Venedig. Kielnhofer will durch sie für Kommunikation sorgen, wie er sagt. So sollte es auch in Kassel während der documenta sein.

Hinter dem Fridericianum

Also baute Kielnhofer kurz vor dem Beginn der Weltkunstausttellung drei seiner insgesamt 16 Figuren in der Nähe des Parthenons auf und spendete sie der Stadt – noch vor der documenta-Eröffnung waren sie aber verschwunden. Kielnhofer hatte sich erhofft, in Kontakt mit der documenta-Leitung treten zu können, aber er bekam nur eine Auskunft des Sicherheitsbeauftragten, wie er sagt. Die drei „Wächter der Zeit“ verschwanden hinter dem Fridericianum.

Kielnhofer gab sich damit nicht zufrieden, er sagte sich: „Mache ich halt neue.“ Er ließ weitere drei Figuren in Polen anfertigen – das Stück 1000 Euro wert. Diesmal stellte er die „Wächter der Zeit“ nicht am Parthenon auf, sondern in die Aue. Doch auch dort blieben sie nicht lange – schon gestern war von ihnen auf der Karlswiese nichts mehr zu sehen. Sie sind halt ganz offiziell keine documenta-Kunst.

Zwischenzeitlich standen die „Wächter der Zeit“, auf der Karlswiese.

Kielnhofer sagt, er wisse nicht so recht, wo die Figuren nun sind. Die Stadt Kassel weist in diesem Punkt ebenso wie die documenta auf die für die Aue zuständige Museumslandschaft Hessen Kassel. Die wiederum erklärt, die „Wächter der Zeit“ seien von der Gartenabteilung entfernt und eingelagert worden; der Künstler werde informiert, wo er sie wieder abholen könne.

Dass Kielnhofer sich damit zufrieden gibt, ist nicht zu erwarten. Er wird erneut nach Kassel kommen, und es würde nicht verwundern, wenn er seine Figuren noch einmal an einem anderen Ort aufstellt – wohl ganz zur Freude vieler Kasseler. Die „Wächter der Zeit“ waren schließlich sehr beliebt, immer von Menschen umzingelt und teilweise sogar von Menschen besetzt – einige Schaulustige sind in die Skulpturen hineingeklettert, um ein Erinnerungsfoto zu machen. Das ist nun erst einmal nicht mehr möglich – wer weiß, wie lange.

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