Es war der Liebling der Südstadt-Kinder

Entenjagd in der Aue: Warum die documenta Plastiktierchen am Küchengraben abräumt

Offenbar steht das nächste Entchen schon bereit: Weil die Plastiktierchen nicht zu Ben Pattersons Klanginstallation „When The Elephants Fight, It’s The Frogs That Suffer“ gehören, werden sie von der documenta aus dem Küchengraben entfernt. Fotos: Fischer

Kassel. Wenn es um das störungsfreie Wirken ihrer Werke geht, kennt die documenta kein Pardon. Das hat jetzt auch ein Quietsche-Entchen erfahren müssen, das seit Monaten auf dem Küchengraben in der Karlsaue geschwommen ist.

Mit Stein und Seil von Unbekannten befestigt, drehte es auf dem Wasser seine Runden und avancierte zum Liebling der Südstadt-Kinder.

Das ging so lange gut, bis die documenta nach Kassel kam und an der Brücke hinter der Kunsthochschule, also am angestammten Entenplatz, die Klanginstallation von Ben Patterson platzierte. Hier die Plastikente, daneben die Lautsprecher mit dem Frosch-Gequake. Das überforderte manche d 14-Besucher. Die fragten erst sich und dann die documenta: Was ist hier denn jetzt Kunst, und was kann weg?

Die d14 sah sich zum Handeln gezwungen. Und tatsächlich beobachteten Zeugen, wie documenta-Mitarbeiter vor einigen Tagen das Entchen am Küchengraben entfernten. Darauf angesprochen kündigten sie gar an, man werde auch weitere, neu eingesetzte Plastiktierchen an dieser Stelle wieder abräumen. Die Entenjagd in der Karlsaue begann.

Neu eingesetzt und bis gestern noch auf dem Küchengraben: diese gelb-graue Ente mit Befestigungsseil am Schnabel.

Natürlich sprach sich die Tat im angrenzenden Wohnviertel schnell herum. Schon kurz nach dem Entenraub soll das erste Geschwister-Entchen an gleicher Stelle im Küchengraben geschwommen sein, berichtet ein Anwohner.

Henriette Gallus

Auf Anfrage unserer Zeitung räumt d 14-Kommunikationsleiterin Henriette Gallus die Enten-Entfernung ein. „Die Arbeit von Ben Petterson ist in erster Linie ganz bewusst eine Arbeit zum Hören. Die Plastik-Ente war kein Teil der Installation.“ Da zahllose Anfragen eingegangen seien, warum und ob die Ente Teil der Ausstellung ist, sei sie „umgesetzt“ worden – in Absprache mit der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). „Die Ente planscht jetzt in der Obhut und Badewanne eines documenta-Mitarbeiters“, sagt Gallus. Und versichert: „Der Ente geht es gut, sie erfreut sich hervorragender Gesundheit und hat bereits viele neue Freunde gefunden.“

Neue Freunde? Womöglich wird die Wanne des Mitarbeiters noch voll. Denn wie die HNA erfahren hat, sollen im Stadtteil noch viele kleine Entchen darauf warten, den Platz der entfernten Plastiktierchen einzunehmen.

Bis zum Ausstellungsende

Gestern Morgen übrigens schwamm wieder eine von Unbekannt eingesetzte gelb-graue Ente unter der Brücke am Küchengraben. Zum Glück ist das Ende der d 14-Entenjagd absehbar. Henriette Gallus kündigt an: „Mit dem Schluss der Ausstellung am 17. September wird die Ente wieder in den Küchengraben eingesetzt.“ Und ihre Freunde und Geschwisterchen? Kinder, das wird ein Spaß!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.