Wegen documenta: Hotelpreise steigen auf das Doppelte

Der Schweizer Hof setzt auf die Sternebewertung: Die Hoteleigentümer Monika und Gerhard Jochinger mit Hoteldirektor Valentin Schmidt (von links). Das Haus hat die Bewertung „3 Sterne Superior“ erhalten. Foto: Koch

Kassel. Im Hotelgewerbe zeigt sich besonders deutlich, dass in Kassel die Uhren zu documenta-Zeiten anders gehen. Im vergangenen Jahr war die Stadt noch Schlusslicht bei einem bundesweiten Hotelpreisindex, nun kosten viele Zimmer einen Sommer lang das Doppelte wie üblich.

Preisaufschläge um mindestens 50 Prozent sind die Regel. Die hohe Nachfrage der Kunsttouristen sorgt für entsprechende Preise, vor allem in innenstadtnahen Häusern. „Wer dort jetzt noch buchen will, der muss schon Glück haben“, sagt Hubert Henselmann, Bereichsleiter Tourismus bei Kassel Marketing.

Vom documenta-Kuchen wollen alle Kasseler Hotels möglichst viel abbekommen. Wie groß der Kuchen ist, zeigt ein Blick in die Statistik vor fünf Jahren: Im 3. Quartal 2007, zeitlich etwa deckungsgleich mit der damaligen documenta, waren die Übernachtungszahlen um 65 Prozent auf 290 000 angestiegen. Um die Aufmerksamkeit der Kunstbesucher auf ihr Haus zu lenken, gehen die Hoteliers unterschiedliche Wege.

Etwa 40 Prozent der Kasseler Hotels setzen auf das Sterne-Klassifizierungssystem des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga. Solch ein Prädikat gilt für drei Jahre, danach überprüft eine Bewertungskommission erneut anhand eines Kataloges, ob bestimmte Komfort-Kriterien eingehalten werden.

Kürzlich hat etwa der Schweizer Hof an der Wilhelmshöher Allee das Prädikat „3 Sterne Superior“ erstmals erhalten. Der Zusatz „Superior“ bedeutet, dass mehr geboten wird als für die jeweilige Sterneklasse verlangt. „Wir lagen bei der Prüfung sogar über der für 4 Sterne erforderlichen Punktzahl“, berichtet Schweizer-Hof-Direktor Valentin Schmidt. Dass in solchen Fällen nicht auch die höhere Sternezahl an der Eingangstür prangt, kann verschiedene, oft bauliche Gründe haben. So verfügt das Hotel, das hauptsächlich Tagungsgäste anspricht, nicht über ein hauseigenes A-la-carte-Restaurant, wie es in der Vier-Sterne-Klasse vorgeschrieben ist.

Andere Hoteliers wie Daniel Pahl, Direktor des Penta Hotels am Bahnhof Wilhelmshöhe, halten die Klassifizierung mit Sternen für „nicht mehr zeitgemäß“. Pahl hält es für aussagekräftiger, was die Gäste in Internetportalen wie hotels.com, Trivago oder holidaycheck.de an Bewertungen abgeben. Seine Kritik: Die Sternebewertungen stellten allenfalls eine Momentaufnahme dar, sagten aber letztlich wenig über die Gästezufriedenheit aus. Pahl: „Wir gehen bewusst einen anderen Weg, wir stehen gern in Interaktion mit unseren Gästen“.

Hubert Henselmann von Kassel Marketing spricht von „sich ergänzenden Systemen“. Die Sterne dienten der Orientierung, welche Komfortklasse ein Gast erwarten könne, und hätten somit nach wie vor ihre Berechtigung. Seiner Meinung nach werden aber Bewertungssysteme, die auf der Zufriedenheit der Gäste basieren, in Zukunft mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Henselmann: „Die Sterne sagen aus, in welchem Marktsegment ein Anbieter antritt. Eine Aussage, ob sich der Gast auch tatsächlich wohlgefühlt hat, ist darin nicht enthalten.“

Von Axel Schwarz

Quelle: mydocumenta

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