Ein neues Buch erinnert an die Pflanzung von Joseph Beuys’ 7000 Eichen

Whisky-Werbung fürs Werk

Er prägte die documenta: Joseph Beuys mit den Basaltstelen, die jeweils zu den Bäumen gepflanzt wurden. Archivfoto: Schwerdtle

Das Entscheidende zur Lösung für jede Art von Zukunftsfragen ist die Frage nach dem menschlichen Kapital, das heißt nach der Fähigkeit des Menschen, Lösungen zu initiieren und damit Verantwortung für die Zukunft des Planeten zu übernehmen.“ Was klingt wie ein heimliches Motto der documenta 13, hat die Kasseler Stiftung 7000 Eichen einer bestechenden neuen Publikation zum 30. Jubiläum des gleichnamigen Projekts von Joseph Beuys vorangestellt. Ein Zitat des Bildhauers und Aktionskünstlers.

Das vor allem mit Fotos von Dieter Schwerdtle vorzüglich bebilderte Buch, das sehr schön in einer Schreibmaschinen-Typografie gesetzt wurde, erzählt die Geschichte dieses „auf der Welt einmaligen, lebendigen Kunstwerks“, wie Stiftungsvorsitzender Volker Stockmeyer nicht ohne Stolz schreibt. Stockmeyer beschreibt auch die Verpflichtung, die aus den von 1982 bis 1987 gepflanzten 7000 Bäumen (zu denen auch 36 andere Arten als Eichen gehören) erwachsen ist und wie Stadt und Stiftung diese wahrnehmen.

Der Band ist eine geglückte Mischung aus Erinnerungen und Würdigung der 7000 Eichen als Inbegriff von Beuys’ „Sozialer Plastik“. documenta-Leiter Rudi Fuchs erzählt, wie Beuys im japanischen Fernsehen Werbung für Whisky machte, um eine knappe halbe Million der 3,5 Mio. Euro Projektkosten einzuwerben. Sein Nachfolger Jan Hoet würdigt Beuys. Kassels Ex-OB Hans Eichel schildert Hürden der „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“, der langjährige HNA-Kulturressortchef Dirk Schwarze ruft das „eifernde Protestgeschrei“ gegen dieses doch friedlichste und zugleich am stärksten auf die Stadt und ihr Wohl bezogene Außenkunstwerk in Erinnerung.

Eugen Blume (Hamburger Bahnhof in Berlin) fragt nach der Aktualität von Beuys ebenso wie Rein Wolfs, Leiter der Kunsthalle Fridericianum. Und die Beuys-Vertraute Rhea Thönges-Stringaris zitiert ihn mit einem Satz, der ebenfalls perfekt zur d13 passt: „Und das ist ja auch ein Merkmal von großer Kunst, dass die sich überhaupt nicht aufdrängt, sondern vollkommen eingeht, in den Zusammenhang eingeht, fast verschwindet in der Natur.“

Stiftung 7000 Eichen (Hrsg.): 30 Jahre. Joseph Beuys. 7000 Eichen. Verlag der Buchhandlung Walther König, 160 Seiten, 18 Euro, Wertung: !!!!!

Von Mark-Christian von Busse

Quelle: mydocumenta

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