Kaffeebecher aus Bambus, Solaranlagen auf dem Dach

Flüge, Becher, Papierverbrauch: Wie nachhaltig ist die documenta?

Kümmern sich intern und extern um das Thema ökologische Nachhaltigkeit bei der documenta (von links): Daniel Neugebauer, Marketing-Koordinator des documenta-Teams, und Professor Christian Herzig, Leiter des Fachgebiets Management in der internationalen Ernährungswissenschaft an der Uni Kassel. Foto: Schachtschneider

Es ist ja nicht so, als würde die documenta kein Öko-Etikett tragen. Zumindest hat die Pornodarstellerin Annie Sprinkle in ihrer Ökosex-Performance  gezeigt, wie man den Geschlechtsakt mit Mutter Erde vollzieht.

Trotzdem haben wir kürzlich in unserer Zeitung thematisiert, ob die d14 überhaupt Fragen zur Nachhaltigkeit stellt. Mit dem Parthenon als Symbol, dessen Plastik zwar sortenrein ist, später aber trotzdem kostenintensiv recycelt werden muss. Dazu der Ausstoß an CO2, den die Flieger nach Athen verursachen.

Hauptverantwortlich für das Thema Nachhaltigkeit bei der documenta ist Daniel Neugebauer. Gemeinsam mit Professor Christian Herzig von der Uni Kassel, der als Kooperationspartner den Konsum von Lebensmitteln während der Kunstausstellung untersucht, erklärt er, in welchen Bereichen die documenta grün ist.

Merchandise

Die Kaffeebecher sind aus Bambus, die T-Shirts und Rucksäcke aus hundert Prozent Bio-Baumwolle und die Jutetaschen unbehandelt. Am ehesten sichtbar wird das ökologische Bewusstsein der documenta tatsächlich in den Shops.

Aber: Der Aufdruck kommt aus Kostengründen in Indien auf die Shirts. „Wir haben ein Angebot eines deutschen Anbieters eingeholt – dann hätten die T-Shirts aber über 40 statt 29 Euro gekostet“, sagt Neugebauer.

Gastronomie

Ernährungswissenschaftler Herzig untersucht mit 40 Studenten, welchen ökologischen Fußabdruck documenta hinterlässt. Gemeinsam mit dem Institut für Nachhaltigkeit in Kultur und Tourismus und dem Event-Start-up inemaa erarbeitet Herzig derzeit einen Bericht, der im September veröffentlicht wird. Auf diesem aufbauend könnte das gastronomische Angebot bei der d15 regionaler und fairer werden. Fest steht: Die d14 ist vegetarischer als ihre Vorgängerin.

Energie

Als Pilotprojekt in Sachen Ökostrom wird die Pressestelle der documenta durch Solarmodule auf dem Dach versorgt. Anderweitig, wie zum Beispiel bei der Beleuchtung am Parthenon, wird nicht auf Ökostrom gesetzt.

Mobilität

Die documenta kooperiert mit der Deutschen Bahn und dem Kasseler Fahrradvermieter Konrad. Das Angebot soll Besucher dazu bewegen, zumindest innerstädtisch das Auto stehen zu lassen.

Kommunikation

Der bürokratische Aufwand für eine 100-tägige Großveranstaltung ist immens. Dabei entsteht viel Papiermüll. Zu viel, gesteht Neugebauer. „Wir wollen in digitalere Strukturen übergehen.“ Damit könne man hinsichtlich der Ökobilanz viel erreichen.

Fazit

Neugebauer ist klar, dass all dies Kosmetikmaßnahmen sind. „Wir wollen nicht die große Glocke läuten und sagen, wir sind eine nachhaltige documenta.“ Das sei bei einer Weltkunstausstellung gar nicht möglich, da auch die documenta ökonomischen Strukturen unterliege und mit Partnern kooperiere, die mehr oder weniger nachhaltig arbeiten.

„Die höchste Prämisse“, stellt Neugebauer klar, „liegt auf künstlerischer Freiheit, nicht auf ökologischer Nachhaltigkeit.“ Trotzdem wolle man das Thema dauerhaft fokussieren. Inhaltlich sieht Neugebauer es schon tief verankert: „Vertreibung, postkoloniale Strukturen, das schreit nach nachhaltigen Lösungen.“

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