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Kasseler Moondog wird nächste Woche abgebaut – Wiedersehen im Schillerviertel

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Von: Katja Rudolph

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Auf ungezählten Handyfotos von Besuchern verewigt: Der Moondog war während der documenta ein Hingucker im Hübner-Areal. Nach einem gescheiterten Vermittlungsversuch wird er nächste Woche vorerst abgebaut.
Auf ungezählten Handyfotos von Besuchern verewigt: Der Moondog war während der documenta ein Hingucker im Hübner-Areal. Nach einem gescheiterten Vermittlungsversuch wird er nächste Woche vorerst abgebaut. © Claudia Feser

Der Moondog ist inzwischen ein inoffizielles documenta-Maskottchen. Nun wird für das Kunstwerk mit Spitznamen Krümel ein neues Zuhause gesucht.

Kassel – Er ist groß, kuschelig und wohl eins der am meisten fotografierten documenta-Kunstwerke: Die Rede ist vom Moondog, der während der 100-tägigen Ausstellung im Hübner-Areal zu sehen war.

Der riesige Plüschhund ist vielen Kasselern ans Herz gewachsen und dürfte inzwischen den Status eines inoffiziellen documenta-Maskottchens haben. „Krümel“, wie der Moondog auch liebevoll genannt wird, ist eigentlich eine ausrangierte Theaterrequisite aus Bochum. Was nun aus ihm wird, ist jedoch unklar.

Adoptionsversuch 1

Wie viele nach dem Ende der documenta nicht mehr benötigte Materialien und Gegenstände, sollte Krümel eigentlich in ein neues Zuhause vermittelt werden. Weiternutzen statt wegwerfen, lautet dabei das Credo. Bereits vor Beginn der Ausstellung hatte sich die documenta fifteen dem bundesweiten Netzwerk „Initiativen für Materialkreisläufe“ angeschlossen. Dieses präsentierte den Moondog im Hübner-Areal.

Schon Anfang September war eigentlich abgemacht, dass die Wilhelm-Leuschner-Schule in Niestetal „Krümel“ adoptiert. In letzter Minute scheiterte nun aber die Vermittlung. Wie sich herausstellte, wäre der riesige Hundekopf aus Kunstfell im Brandfall ein Risiko, weil er nicht feuerfest ist. Ebenso wenig ist er wetterfest, weshalb er auch nicht schutzlos draußen aufgestellt werden kann. So musste die Gesamtschule ihr Angebot zurücknehmen. „Das ist total schade“, sagte Schulleiterin Ana Viehmann auf Anfrage der HNA. „Für uns als Kulturschule wäre das ein schönes Wahrzeichen gewesen.“

Neue Perspektive

Nachdem Krümel sozusagen wieder obdachlos war, ergab sich überraschend eine neue Perspektive: Das Künstlerhaus Bethanien in Berlin habe den Moondog für eine Ausstellung zum Thema Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb angefragt, berichtet Felix Grosse-Lohmann vom Dachverband IFM der Materialkreislaufinitiativen. Dort soll die tierisch beliebte Kunstinstallation von April bis September 2023 erneut ausgestellt werden.

Deshalb habe man sich entschlossen, den Moondog Mitte kommender Woche abzubauen und in ein Lager nach Frankfurt zu bringen, so Grosse-Lohmann. In vier Teile zerlegt, wird der Zottelhund dort überwintern, bevor ihm und seinem Wiederverwendungsanliegen erneut eine Bühne in Berlin geboten wird.

Adoptionsversuch 2

In Kassel will man den Moondog nicht so ohne Weiteres ziehen lassen. Elfi Eckart betreibt im Schillerviertel die Pension Fenster zum Hof. Dort logierte am letzten documenta-Wochenende die Bühnenbildnerin Stefanie Oberhoff aus Stuttgart. Sie hat den Moondog 2016 für eine gleichnamige Produktion am Schauspielhaus Bochum erschaffen. „Ihr hat es so gut gefallen bei uns, dass sie gesagt hat: Krümel muss zu Euch“, erzählt Elfi Eckart, die selbst kulturbegeistert ist.

Als sie sich Krümel dann im Hübner-Areal anschaute, war sie von den Dimensionen doch etwas überrascht, gibt die Kasselerin zu. Rund drei Meter hoch ist der Hundekopf. Auf dem Gelände an der Wolfhager Straße/Ecke Erzberger Straße, das dem Ehepaar Eckart gehört, wäre aber genug Platz.

Ein Platz für Krümel? Elfi Eckart vom Fotomotel/Fenster zum Hof im Schillerviertel würde den Moondog auf ihrem Gelände an der Wolfhager Straße/Ecke Erzberger Straße gern für die Öffentlichkeit sichtbar machen.
Ein Platz für Krümel? Elfi Eckart vom Fotomotel/Fenster zum Hof im Schillerviertel würde den Moondog auf ihrem Gelände an der Wolfhager Straße/Ecke Erzberger Straße gern für die Öffentlichkeit sichtbar machen. © Pia Malmus

Gemeinsam mit Vertretern vom IFM hatte Elfi Eckart – bevor sich die Pläne für Berlin ergeben – bereits überlegt, dass Krümel dort auf einer Art Podest platziert werden könnte. Ein Häuschen aus Plexiglasscheiben könnte ihn vor Witterung schützen und zugleich für viele Menschen sichtbar machen. Zusammen mit dem Wandbild von Taring Padi, das im Sommer schräg gegenüber an der Erzberger Straße entstanden ist, würde dort eine Art documenta-fifteen-Ecke geschaffen.

„Das wäre richtig gut für das Viertel“, sagt Elfi Eckart, die inzwischen Feuer für das Vorhaben gefangen hat. Dass der Moondog nun in Berlin ausgestellt werden soll, stört sie nicht. „Dann könnten wir hier in der Zwischenzeit alles vorbereiten.“ Auch Felix Grosse-Lohmann ist angetan von dem Engagement für den Verbleib des Moondogs in Kassel. Allerdings könne das IFM-Netzwerk die Realisierung nicht leisten. Jetzt ist die Überlegung, ob sich Spender finden für Krümels Schauhütte an der Wolfhager Straße.

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