Neuer Vorschlag am Weinberg

Wohin mit documenta-Institut? Kritik am Standort Holländischer Platz

Eine Alternative zum Holländischen Platz? Als Vorschlag für den Standort des documenta-Instituts kommt nun auch der Weinberg auf. Foto: Dieter Schchtschneider

Wohin mit dem documenta-Institut? Vor knapp zwei Monaten wurde der Standort Holländischer Platz beschlossen. Doch diese Entscheidung wird immer mehr kritisiert. Ein neuer Vorschlag steht im Raum.

Keine zwei Monate ist es her, da stellten Vertreter der Stadt Kassel, des Landes Hessen, der documenta und der Universität die Pläne für das documenta-Institut vor, in dem unter anderem das documenta-Archiv Räume beziehen soll. Auch das Thema Standort wurde damals erörtert. Geschäftsgrundlage der Vereinbarung mit allen Beteiligten, so erklärte es Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), sei das, das die Stadt zur Verfügung stelle. Er verwies zugleich auf die Beschlusslage des Magistrats, an die in der Folge die Verwaltung gebunden sei.

Trotzdem wächst nun der Widerstand gegen eben diesen Standort. Das documenta-Forum hatte ihn sogleich als „suboptimal“ bezeichnet. Auch documenta-Generaldirektorin Dr. Sabine Schormann ließ im Interview mit unserer Zeitung Ende November durchblicken, dass sie das documenta-Institut eher in der Innenstadt sähe, auch wenn sie die Entscheidung für den Holländischen Platz akzeptiere. Und jetzt erklärte der „Runde Tisch Kasseler Kulturgesellschaften“, dass der vorgesehene Standort völlig ungeeignet sei.

Hier könnte ein Neubau errichtet werden: Eine Montage mit dem geplanten Standort des documenta-Instituts auf dem heute als Parkplatz genutzten Areal am Uni-Campus an der Holländischen Straße.

Dieser Runde Tisch wurde im Zuge der Kulturhauptstadtbewerbung Kassels für das Jahr 2010 ins Leben gerufen, laut Sprecher Andreas Skorka arbeiten darin mehr als 40 Kasseler Kulturvereine und Institutionen mit. Einhellige Meinung dabei sei, dass der Holländische Platz als Standort nichts tauge. In der Mitteilung des Runden Tisches heißt es: „Besonders auch im Hinblick auf die Bedeutung und Großartigkeit des Projektes muss an einen ausbaufähigen Standort gedacht werden.“ Der Standort Holländischer Platz lade in keinster Weise zum Verweilen ein, da er zwischen Kreuzung und Universitätsgebäuden eingeklemmt sein werde.

Nur: Wohin dann mit dem documenta-Institut? Jörg Sperling vom documenta-Forum hatte sich zuletzt dazu schon geäußert: „Das Institut gehört nach unserer Überlegung in unmittelbare Nähe des Zentrums der documenta.“ Also: in unmittelbare Nähe des Friedrichsplatzes. Andreas Skorka bringt nun eine neue Alternative ins Spiel: den Platz neben der Grimmwelt auf dem Weinberg. Die Neue Galerie sei hier ebenso in der Nähe wie das Landesmuseum. Eine Überlegung sei das wert, meint Skorka.

Die Frage ist jetzt, ob überhaupt noch einmal neu überlegt wird. Die Stadt Kassel verweist in diesem Zusammenhang auf die Pressemitteilung von Oktober zu diesem Thema. Darin erwähnt ist auch der Standort Holländischer Platz. Allerdings: Im Beschluss der Stadtverordnetenversammlung taucht der Standort Holländischer Platz nicht auf, sondern wird nur in der Begründung dazu erwähnt. Dieses Hintertürchen bleibt.

Das klang auch schon während der Vorstellung der Pläne im Oktober an. Bisher soll das Bauvorhaben 24 Millionen Euro kosten, wovon Stadt und Land jeweils sechs Millionen Euro sowie der Bund weitere zwölf Millionen zur Verfügung stellen wollen. Würde das Projekt teurer werden, müsste laut Beschlusslage allein die Stadt Kassel als Bauherr das Geld dafür bereitstellen.

Das ist das documenta-Institut

Das geplante documenta-Institut soll eine Grundfläche von annähernd 6500 Quadratmetern haben, die Gesamtkosten sind für maximal 24 Millionen Euro veranschlagt. Zentrales Element der neuen Einrichtung soll das documenta-Archiv werden, das derzeit je zur Hälfte von der Stadt Kassel und dem Land Hessen finanziert wird. Das Land Hessen will zudem ab 2020 für den Forschungsbereich des documenta-Instituts Geld zur Verfügung stellen. 

Mit finanziellen Mitteln des Landes soll zudem die Universität Kassel drei zusätzliche Professuren einrichten, die sich in das documenta-Archiv einbringen und die Forschung zur bedeutendsten Schau zeitgenössischer Kunst durch unterschiedliche Blickwinkel erweitern sollen. Bis wann das documenta-Institut stehen soll, dazu gibt es bisher noch keine konkreten Angaben. Es wird erst einmal einen Architektenwettbewerb geben.

Das sagt die Universität „Halten Standortwahl für gute Entscheidung“

„Das Präsidium der Universität Kassel begrüßt die Entscheidung der Stadt Kassel für einen Neubau des documenta-Instituts direkt am Campus Holländischer Platz“, sagt Uni-Präsident Prof. Dr. Reiner Finkeldey. Das Uni-Präsidium halte die Standortwahl für eine gute Entscheidung und gehe davon aus, dass es dabei bleibe, betont Finkeldey auf Anfrage unserer Zeitung. 

Als interdisziplinäres Forschungsinstitut mit Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen profitiere das Institut vom Austausch mit den Fachbereichen und umgekehrt; die räumliche Nähe beispielsweise zum Institut für Architektur, zur Soziologie und zu den Geistes- und Kulturwissenschaften schaffe da eine gute Grundlage. Auch die Infrastruktur, etwa die Universitätsbibliothek, sei verfügbar. Finkeldey: „Ein international sichtbares Forschungsinstitut in unmittelbarer Nähe zur Universität schafft wechselseitig Vorteile und stärkt so den Ruf der documenta-Stadt Kassel als Wissenschaftsstandort.“ 

Zudem biete der Neubau Möglichkeiten zur Entwicklung des Umfeldes der Universität. „Schließlich entspricht ein Standort in einem der weniger privilegierten Teile der Stadt Kassel auch dem Selbstverständnis der documenta und der von ihr vertretenen gesellschaftspolitischen Positionen“, betont Uni-Präsident Finkeldey. (aha)

Von Andreas Hermann und Florian Hagemann

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