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documenta-Fundbüro: Nicht jedes Fundstück wird direkt abgeholt

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Von: Anna Lischper

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Im Garderoben-Container am Friedrichsplatz: Mitarbeiterin Frauke Hähner kümmert sich mit ihrem Team auch um Fundsachen.
Im Garderoben-Container am Friedrichsplatz: Mitarbeiterin Frauke Hähner kümmert sich mit ihrem Team auch um Fundsachen. © Anna Lischper

Durch die documenta-Besucher hat sich in Kassel auch die Zahl der verlorenen Gegenstände erhöht. Kuriose Fundstücke gab es im documenta-Fundbüro allerdings noch nicht.

Kassel - Von kuriosen Fundgegenständen kann im Fundbüro der documenta derzeit nicht die Rede sein – wohl aber von der kuriosen Situation, dass manch einer seinen Schlüsselbund gar nicht zu vermissen scheint, sagt Lara Pigorsch, documenta-Teamleiterin am Fridericianum. In diesem Fall wartet der Schlüsselbund dann zusammen mit Pullis, Geldbörsen, Mützen, Schirmen und Kuscheltieren im Fundbüro-Regal des Hauptgarderoben-Containers auf seinen Besitzer. Was nach einem Tag nicht abgeholt wurde, landet in der Verwaltung des Fridericianums und nach wieder einer Woche im Fundbüro der Stadt Kassel. Vorausgesetzt, der Wert wird von den documenta-Mitarbeitern auf mehr als zehn Euro geschätzt. „Wir können leider nicht alles aufheben“, sagt Pigorsch.

Laut Pressestelle der Stadt hat die wachsende Zahl der documenta-Besucher auch die Anzahl der verlorenen Gegenstände erhöht. Viele Besucher, besonders solche aus anderen Städten und Ländern, würden erst nach ihrem Besuch zum Fundbüro der Stadt Kontakt aufnehmen. „So konnte das Fundbüro eine Damenhandtasche mit iPad und anderen Utensilien der Verliererin nach Spanien senden und eine komplette Geldbörse mit Dokumenten wurde nach Schweden versandt“, zählt ein Sprecher auf. Einer Schülerin aus den Niederlanden sei ihr verlorener Rucksack mit ID-Karte und Zahnspange nach Hause geschickt worden. Die häufigsten Anfragen von documenta-Besuchern erhalte das Fundbüro zu verlorenen Geldbörsen, Dokumenten, Smartphones und Schmuckstücken.

Unmittelbar nach dem Fund machen Pigorsch und ihr Team eine andere Erfahrung: „Bei manchen Dingen wundert man sich schon, warum sie keiner vermisst.“ Immer wieder würden Autoschlüssel und Personalausweise abgegeben und nicht abgeholt. „Was zu 100 Prozent wieder abgeholt wird, sind Handys“, sagt Frauke Hähner. Es ist ihre zweite documenta, bei der sie an der Garderobe mitarbeitet. In einem Team von täglich vier Mitarbeitern nimmt sie von 10 bis 20 Uhr Rucksäcke und Taschen an, aber auch die Fundgegenstände gehen durch ihre Hände. Diese werden in einer Liste eingetragen und in das Regal mit der Aufschrift „Fundsachen“ gebracht.

Gut was los: Täglich geben etwa 1000 Besucher der documenta fifteen ihre Rucksäcke, Taschen und Koffer ab, am Wochenende noch mehr. Manchmal ist auch eine Gitarre oder ein Kaltgetränk dabei.
Gut was los: Täglich geben etwa 1000 Besucher der documenta fifteen ihre Rucksäcke, Taschen und Koffer ab, am Wochenende noch mehr. Manchmal ist auch eine Gitarre oder ein Kaltgetränk dabei. © Anna Lischper

In der Zeit seit dem Start der documenta haben die Mitarbeiter einiges untergebracht: manchmal sehr große Gegenstände, wie jüngst eine Gitarre samt Verstärker. Eine vierköpfige Familie habe vier riesige Koffer mitgebracht, mit denen sie von Kassel weiter nach Brasilien reisen wollten. „Eine Chinesin hat neulich einen Bubbletea abgegeben“, sagt Hähner, die auch in diesem Fall Kunststoffmarke und Abholzettel ausgibt. „In den Ausstellungen darf man eben weder essen noch trinken.“

Sie und ihre Kolleginnen nehmen den Besuchern an der Garderobe alles ab – vor allem viel Last. Laut einer documenta-Sprecherin nutzen täglich um die 1000 Besucher die Garderobe, am Wochenende 1300. Auffällig sei, sagt Hähner, dass vor allem die Deutschen mit riesigen Rucksäcken anreisten. „Für uns ist das kein Problem, wir kriegen das unter. Aber es ist schon interessant, dass sich viele deutsche Besucher da von Besuchern aus aller Welt unterscheiden.“

Info: Das documenta-Fundbüro ist unter der Mobilnummer 01 51/ 18 01 42 40 zu erreichen. Neben der Hauptgarderobe am Friedrichsplatz gibt es eine an der Grimmwelt, am Hübner-Areal und an der Hafenstraße 76. (Anna Lischper)

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