Mein Lieblingskunstwerk: Die Zeit/Bank in der Aue 

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In der Karlsaue: Das Haus von „Time/Bank“ mit den beiden Künstlern Anton Vidokle (links) und Julieta Aranda. Fotos: Malmus

Das Haus mit den grell neonfarben bedruckten Plakaten in der Kasseler Karlsaue lockt viel Aufmerksamkeit bei den Besuchern der documenta hervor. Interessiert lesen sie  Stellenanzeigen, die man nicht alle Tage zu sehen bekommt.

Denn bei dem Kunstwerk „Time/Bank“ von den in Berlin und New York lebenden Künstlern Julieta Aranda und Anton Vidokle dreht sich alles um eines der wichtigsten Güter im Leben: Zeit. In unserer Gesellschaft ist Zeit oft Geld. Und genau dort setzen die beiden Kunstschaffenden mit der „Time/Bank“ kritisch an.

So werden im lichtdurchfluteten Innenraum alle möglichen Formen von Alternativgeldwährungen der Vergangenheit ausgestellt. Geldscheine, Münzen, aber unter anderem auch Muschelgeld und eben Zeitgeld. Aranda und Vidokle zeigen einen riesigen Berg mit „Stundendollar“ und symbolisieren so, dass unsere Zeit wertvoll ist, aber eben nicht nur mit Geld aufzuwiegen ist. Zudem stellen die 1975 in Mexiko-City geborene Aranda und der 1965 in Moskau zur Welt gekommene Vidolke aktuelle Zeitbankmodelle vor.

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Die beiden bauen außerdem mit ihrem eigenen spannenden, seit 2009 fortlaufenden Projekt eine Zeitbank für die Kunstgemeinschaft auf, die auf dem Tausch von Arbeit innerhalb eines Netzwerks von Teilnehmern beruht. Dabei ist die Währung „Stundendollar“ - Guthaben im Wert der Zeit, die jeder Teilnehmer für andere arbeitet.

Im zweiten, abgedunkelten Raum des Hauses zeigen die Künstler den Kurzfilm „Notes for a Film about Time/Bank“. Beeindruckend wird dort erlebbar gemacht, was eigentlich Zeit ist, wie kostbar sie ist und wie schnell sie uns auch entschwindet.

Verwackelte Filmsequenzen, mal rasend schnell, mal beschaulich langsam, regen zum Nachdenken über das eigene Zeitmanagement an. Sollte ich meine Zeit nicht anders einteilen? Einfach mal ausbrechen? Die Welt entdecken? Etliche Fragen schwirren mir durch den Kopf.

Alternativwährungen

Gleichzeitig befasst sich der mit Aussagen in Englisch zusätzlich bestückte Film mit den historischen Versuchen, Alternativwährungen einzuführen, wie beispielsweise die „Ithaca Hours“, eine lokale Währung, die 1991 von Paul Glover in Ithaca, New York erschaffen wurde.

Von Michael Schorn

Quelle: mydocumenta

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