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Zukunftsdorf soll nach documenta bleiben

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Von: Amir Selim

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Die Gemeinschaft vor dem wöchentlichen Dorf-Plenum. Dort werden Entscheidungen über das Zukunftsdorf getroffen.
Die Gemeinschaft vor dem wöchentlichen Dorf-Plenum. Dort werden Entscheidungen über das Zukunftsdorf getroffen. © AMIR SELIM

In der erste Hälfte der documenta waren die Beteiligten beim Zukunftsdorf mit der Infrastruktur und dem Aufbau des Standorts am Sandershaus beschäftigt.

Kassel – „Wir haben erst sehr spät das Go für das Zukunftsdorf bekommen“, sagt Sabine Grünewald. Für die zweite Hälfte stehe nun alles bereit für die vielen Veranstaltungen. Zwei bis drei seien es täglich, sagt Johannes Schröder vom Kollektiv Eigenklang. Alles ist kostenfrei. Spenden und freiwillige Abgaben sind deshalb gern gesehen. Denn die Beteiligten engagieren sich ehrenamtlich für das Projekt.

Im Zukunftsdorf läuft die Organisation auf Augenhöhe und Entscheidungen über Ressourcen, Zeit und Räume werden gemeinsam getroffen. Dafür sei Vertrauen notwendig. „Wir sind wie ein Organismus“, sagt Sabine Grünewald. Es gebe keine Hierarchie. Es gibt ein wöchentliches Dorf-Plenum, in dem gemeinsam Entscheidungen getroffen werden. Rund 100 Mitglieder hat das Plenum, 20 davon sind in unterschiedlicher Besetzung da. „Wir wollen nicht einzelne hervorheben und als Kollektiv wahrgenommen werden“, sagt Grünewald. Deshalb ist das Maskottchen des Dorfes der Blob, ein Schleimpilz. Ähnlich wie der Pilz habe das Zukunftsdorf kein zentrales Gehirn, sondern die Informationen in den Verästelungen, also bei den verschiedenen Beteiligten.

Das Ziel des Zukunftsdorfes ist es, wie der Name schon verrät, Ideen zu sammeln, wie Menschen in der Zukunft zusammen leben könnten. Eine „Alternative für die Zukunft“, nennen sie es. Dabei geht es darum, zentrale Fragen zu Ökologie, Ökonomie und Soziale Gerechtigkeit zu beantworten. Die Vermittlung dessen funktioniere gut über Kunst und Kultur, sagt Schröder. Von Workshops, über Kreatives bis hin zum Weben eines Teppichs ist Verschiedenes dabei.

„Sachen, die uns betreffen, nehmen wir in unsere eigenen Hände und finden dafür Lösungen“, sagt Grünewald. Dazu gehöre eine nachhaltige Landwirtschaft, die Nahrungsmittel liefert, die geteilt werden. „Wir stehen nicht in Konkurrenz zueinander“, so Grünewald. Es gilt zu ermitteln, was die Menschen miteinander vereine.

Die Wirtschaft müsse sich mehr am Gemeinwohl orientieren. Deshalb sollten die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt stehen. Weniger Fokus auf Geld und ein anderes Konzept von Reichtum sei notwendig. „Teilen ist das neue Haben“, fasst es Grünewald zusammen. Auch das finde man im Zukunftsdorf in Form von Foodsharing. Auch das Geld wird zusammengelegt. Das solle nicht mit der Gießkanne verteilt werden, sondern gezielt, bei dem, der es benötigt. Das werde transparent umgesetzt. „Wir wollen vom Ich zum Wir.“

Aus dem Zukunftsdorf soll nach der documenta ein Netzwerk erhalten bleiben. Durch das Projekt hätten viele zueinandergefunden, die weiterhin zusammenarbeiten wollen. Dann geht es auch darum, noch mehr Mitstreiter zu finden, die sich vielleicht noch im „Hamsterrad“ des alltäglichen Lebens befinden, sagt Grünewald. (Amir Selim)

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