Film über ein Leben zwischen Deutschland und Afrika

Dokfest-Schülerkritiken: "Krokodile ohne Sattel"

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Ausschnitt aus dem Film "Krokodile ohne Sattel" (Deutschland, 2012) von Regisseurin Britta Wandaogo.

Das deutsch-afrikanische Mädchen Kaddi Malika ist die Protagonistin im Film "Krokodile ohne Sattel" (Deutschland, 2012), den Regisseurin Britta Wandaogo beim Dokfest in Kassel gezeigt hat. Lena Chyzhenko und Lena Dorn haben für die HNA ihre Eindrücke von dem Dokumentarfilm in einer Kritik festgehalten.

Lena Chyzhenko (Goethegymnasium, Kassel)

"„4000… ich weiß nicht. Ich bin mir nicht sicher. Und 1.000.000? Ich weiß es nicht…“ Eine irreführende Eröffnung im Dokumentarfilm „Krokodile ohne Sattel“. Kaddi Malika, die Hauptdarstellerin und gleichzeitig Tochter der Regisseurin Britta Wandaogo, ist eine Afrikanerin aus Burkina Faso, welche in Deutschland lebt, jedoch oft die Familie ihres Vaters in Afrika besucht. Die Frage nach ihrer Herkunft kann das Mädchen nur schwer beantworten: „Ich bin Deutsche. […] Ich komme aus Afrika. Ich bin Afrikanerin.“

Ihre Unschlüssigkeit wird klar dargestellt. Kaddi, oder wie sie oft genannt wird: Kaddischa, erzählt rückblickend von ihren Kindheitserlebnissen aus ihren „Heimatländern“, welche keiner chronologischen Reihenfolge entsprechen. Die Begeisterung in den Augen Kaddis , wenn ihr Onkel fröhlich auf den Straßen Afrikas tanzt und sie nebenbei mit ihren Geschwistern und Freunden auf einem Auto rutscht, zeigt dem Zuschauer eindringlich die Lebensfreude des Mädchens. Auch wird dem Zuschauer die innige Beziehung zu ihrem Vater deutlich.

Besonders ist auch Szene, in welcher die „weiße Kaddischa“, wie sie von ihrer Familie und Freunden in Afrika genannt wird, da sie heller als die anderen ist, ihre Handflächen mit denen ihres Vaters vergleicht und merkt, dass ihre weißer sind als seine. Immer wieder wird die Frage nach der Identität deutlich.

Durch ihre natürliche Erzählweise wird die emotionale Ebene unterstrichen. Dieser Effekt lässt den Zuschauer mitfühlen und treibt ihn dazu, sich in Kaddis Lage zu versetzen.

Der Film enthält viele informative Fakten über das Leben in Afrika, zudem sehr emotionale aber auch unterhaltsame Momente, in welchen dem Zuschauer ein Schmunzeln über die Lippen läuft oder er sehr gerührt wird.

Jedoch bleibt bis zum Ende des Dokumentarfilmes eine Frage offen: Welchen Bezug hat der Titel „Krokodile ohne Sattel“ zum Inhalt? Diese Frage wird nicht direkt beantwortet, doch liegt der Schlüssel dazu in einer Szene am Anfang des Kurzfilmes, in der Kaddischa und ihre Freunde auf einem Krokodil, welches zwar von Kaddis Vater durch Fleisch abgelenkt wird, jedoch nicht durch Leinen oder ähnliches gehalten wird, reiten und kaum Angst zeigen. Auch wenn Kaddi niemals erwachsen werden wollte, hat sie auf ihrem Weg notgedrungen doch gelernt „ohne Sattel“ zu reiten.

Für ein Publikum, welches sich für ergreifende, witzige, aber auch informative Inhalte interessiert, ist der Dokumentarfilm „Krokodile ohne Sattel“ über Kaddi Malika und ihre Erzählungen von ihren Kindheitserlebnissen nur zu empfehlen."

Medienkunde-Kurs Q1, Jahrgang 13, zuständige Lehrerin: Carola Schäfer

Lena Dorn (Goethegymnasium, Kassel)

"Der Dokumentarfilm „Krokodile ohne Sattel“ von Britta Wandaogo handelt von einem deutsch-afrikanischen Mädchen namens Kaddi Malika, der Tochter der Regisseurin, und zeigt deren Leben zwischen zwei Kontinenten.

Die Protagonistin Kaddi schildert in Zeitsprüngen, rückblickend sowie in der Gegenwart, ihren Alltag, ihre Erfahrungen und ihre Gefühle, vorwiegend die Zeit in Afrika betreffend. So erzählt sie zum Beispiel, dass sie unter ihren afrikanischen Geschwistern immer „die Weiße“ genannt wird, oder sie berichtet von ihren Problemen mit ihrem Vater und dass sie sich manchmal einsam fühlt, weil sie zum Beispiel keine beste Freundin hat.

Der Kurzfilm ist teilweise sehr humorvoll und witzig, doch an einigen Stellen auch traurig und sehr emotional und ergreifend, was ihn facetten- und abwechslungsreich macht. Die Kameraführung wirkt wie die eines Homevideos und auch die Art und Weise wie Kaddi Malika von ihrem Leben erzählt, wirkt sehr spontan und natürlich. Außerdem ist die persönliche Erzählweise ihres Schicksals fesselnd und lässt den Zuschauer ihre Gefühle gut nachvollziehen.

Für jeden, der es emotional berührend aber auch witzig und unterhaltsam mag, ist der Dokumentarfilm „Krokodile ohne Sattel“ sehr zu empfehlen."

Medienkunde-Kurs Q1, Jahrgang 13, zuständige Lehrerin: Carola Schäfer

Alle Filmkritiken zu Dokfest-Beiträgen entstanden im Rahmen eines Workshops "Kreatives Schreiben" für Oberstufenschüler aus Kassel, Bad Wildungen und Melsungen.

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