Film über Jugend in der DDR

Dokfest-Schülerkritiken: "Lehmbruckstraße, Friedrichshain, Berlin"

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Ausschnitt aus "Lehmbruckstraße, Friedrichshain, Berlin" von Fritz Polzer (Deutschland, 2012).

Was die Hauptfiguren Lilo und Linda im Dokumentarfilm "Lehmbruckstraße, Friedrichshain, Berlin" über ihre Jugend in der DDR berichten, haben sich die Schüler Jessica Schluckebier, Carina Sempf und Philipp Pagnacco beim Dokfest in Kassel angesehen. Hier sind ihre Filmkritiken zu dem Beitrag von Regisseur Fritz Polzer (Deutschland, 2012).

Jessica Schluckebier (Gustav-Stresemann-Gymnasium, Bad Wildungen)

"Lilo und Linda - zwei Freundinnen, die gemeinsam einen Ort aus ihrer Kindheit besuchen. Darum geht es in dem Dokumentarfilm „Lehmbruckstraße“ aus dem Jahre 2012, der unter der Regie von Fritz Polzer gedreht wurde. Während des Besuches kommen Erinnerungen hoch, über eine andere Lebensweise und „ein Land, was es nicht mehr gibt“.

Der Dokumentarfilm vermittelt dem Zuschauer nur wenige Einblicke in eine Wohnung aus der ehemaligen DDR. Und doch erfährt man besondere, interessante Dinge aus dem Alltag, über die Kindheit der Freundinnen und sie erzählen von ihren Träumen von der anderen Welt im Westen. Es ist überraschend, wie positiv die beiden jungen Frauen über ihre Kindheit sprechen, zumal wir das Leben in der DDR oft als grau und traurig ansehen. Auch für junge Zuschauer ein neuer, ganz privater Blick auf ein Land, das viele gerade so aus dem Geschichtsunterricht kennen."

Deutsch-Leistungskurs, Jahrgang 11, zuständige Lehrerin: Renate Eberwein-Branca

Carina Sempf (Gustav-Stresemann-Gymnasium, Bad Wildungen)

"Wir kommen aus einem Land, das es nicht mehr gibt.“ Lilo und Linda wohnten in ihrer Kindheit in einer der Wohnungen in der Lehmbruckstraße in Berlin. Unter der Regie von Fritz Polzer erzählen sie von ihren Erinnerungen und damaligen Impressionen ihres Landes – der DDR.

Ein Voice-Over leitet den Zuschauer perfekt in das Geschehen ein. Das Abwechseln zwischen Nebensequenzen und Haupterzählung schickt den Zuschauer auf eine Reise in den Osten, in dem er das Gefühl hat, die - überraschenderweise - glückliche Kindheit der Mädchen mitzuerleben. Schritt für Schritt offenbaren sich durch Handlungssprünge neue Themen und der 9 ½ minütige Dokumentarfilm ist kurzweilig und weckt viel Interesse im Publikum.

Ein besonderer Effekt des Films ist, dass man sich mit den Protagonisten freut, wenn sie gerade verträumt in den durch Gerüche und Gegenstände erweckten Erinnerungen ihrer Heimat versinken und sich an diesen erfreuen."

Deutsch-Leistungskurs, Jahrgang 11, zuständige Lehrerin: Renate Eberwein-Branca

Philipp Pagnacco (Goethegymnasium, Kassel)

"Der Dokumentarfilm „Lehmbruckstraße“, von Fritz Polzer, handelt von zwei Schwestern, die in der DDR aufgewachsen sind. Für den Film treffen sich die Frauen mit dem Filmemacher in einer Berliner Wohnung, die der Wohnung, in der die Mädchen aufgewachsen sind, ähnelt. Durch das vertraute Umfeld und die Atmosphäre in der Wohnung werden die beiden Frauen an ihr altes Leben erinnert und erzählen Geschichten aus ihrer Kindheit in der DDR, „einem Land, das es nicht mehr gibt“, wie die beiden Protagonisten feststellen.

Auf diese Weise bekommt man einen guten Eindruck in das damalige DDR-Leben und somit auch in eine für uns fremde Welt. Auch die fortschrittlichen Entwicklungen des Westens werden im Film kritisch thematisiert. So berichten die Mädchen, dass ihre Mutter eines Tages nach dem Mauerfall aus dem Westen nach Hause kam und eine Dose Sprühsahne von dort mitgebracht hatte. Von der Technik, die in der der Dose steckt, war die Mutter so fasziniert, dass es sie traurig machte, diese zu entsorgen. Sie verstand nicht, wie etwas, in dem so viel Fortschritt und Innovation stecken, einfach ein Abfallprodukt sein kann.

Die Kamera wechselt oft zwischen den Gesichtern der Frauen in der Wohnung in der Lehmbruckstraße und dem Umfeld der Wohnung hin und her. Der Blick aus den Fenstern zeigt Baustellen, diese werden in Nahaufnahmen dargestellt. Der Ton kommt in ON- als auch in Off-Ton im Film vor. Manchmal sind die Stimmen der Schwestern noch zu hören, wenn auf dem Bild die Wohnung oder eine der Baustellen zu sehen sind. Die ständigen Baustellen- aufnahmen zeigen die Veränderungen der Stadt und führen nochmals eindringlich vor Augen, dass vieles aus dem Leben der Mädchen nicht mehr existiert.

Der Film räumt auch mit Klischeebildern auf. Das als sehr trist geltende Leben in der DDR, welches auf Fotos auch nur in Grautönen zu sehen ist, wird von den Mädchen als schöne und unbeschwerte Kindheit beschrieben. In ihren Köpfen sind ihre Kindheit und ihr Leben in der DDR bunt. Eine Inszenierung findet in dem Film nicht statt. Alles, was von den Schwestern erzählt wird, sind allein die Erinnerungen an ihre Kindheit und das alte DDR Leben.

Jeder, der einen Einblick in das Leben in der DDR haben möchte und sich die Frage stellt, was bleibt in der Erinnerung übrig, ist mit dem Film Lehmbruckstraße sicherlich gut bedient."

Medienkunde-Kurs Q1, Jahrgang 13, zuständige Lehrerin: Carola Schäfer  

Alle Filmkritiken zu Dokfest-Beiträgen entstanden im Rahmen eines Workshops "Kreatives Schreiben" für Oberstufenschüler aus Kassel, Bad Wildungen und Melsungen.

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