So doof sind Politiker auch nicht

Das Musical „Bibi Blocksberg“ begeisterte 800 Kinder in Baunatal

Nachwuchshexen bei der Arbeit: Bibi Blocksberg (Laura Birte, vorn) und ihre Freundin Schubia (Susanne Starzak). Foto:  Fischer

Baunatal. Wenn die Bundesregierung etwas gegen die Politikverdrossenheit unternehmen will, sollte sie schleunigst „Bibi Blocksberg“-Aufführungen wie am Sonntag in der Baunataler Stadthalle verbieten.

Im Musical zur gleichnamigen Hörspielreihe muss sich die kleine Hexe mit dem Bürgermeister von Neustadt herumschlagen, der sämtliche negativen Politiker-Klischees aufweist: dumm, selbstsüchtig, feige, korrupt und komplett unfähig. Kein Wunder, wenn die Kinder von heute morgen nicht wählen werden.

Aber wahrscheinlich ist es für ein Verbot längst zu spät. Seitdem sich die Britin Elfie Donnelly 1980 „Bibi Blocksberg“ ausgedacht hat, sind schon mehrere Generationen von Jungen und Mädchen mit der Hexe aufgewachsen. Es gibt Bücher, eine Trickserie, Kinofilme und natürlich den ganzen überflüssigen Gimmick-Kram. Es überrascht nicht, dass die Bühnenversion der Kölner Produktionsfirma Cocomico als erfolgreichstes Kindermusical in Deutschland gilt – auch die Baunataler Stadthalle war mit 800 Besuchern voll.

Die Show ist keine Hexerei, sondern professionelle Unterhaltungsarbeit auf hohem Niveau. Mehr als eineinhalb Stunden lang haben die Familien Spaß mit den fünf Schauspielern und Sängern. Die Musik ist abwechslungsreich. Bibis Freundin Schubia kommt als frecher Punk daher. Zwischendurch wird sogar gerappt. Auch die Licht- und Soundeffekte stimmen.

Die Geschichte des von Marcell Gödde geschriebenen Musicals ist hingegen schnell erzählt. Der doofe Bürgermeister will Schloss Klunkerburg abreißen, um einen Hubschrauberlandeplatz für sich bauen zu lassen. Doch das verhindern Bibi und Schubia, indem sie eine seit 333 Jahren versteinerte Hexe befreien.

Kinder lieben Bibis Hexensprüche wie: „Eene meene Apfelsaft, aus mangelhaft wird fabelhaft. Hex hex.“ Man wird sie jetzt wochenlang zu Hause hören. Und vielleicht endet auch bald das Gejammer, weil man den gut ausgestatteten Merchandising-Stand hat links liegen lassen.

Als Journalist kann man übrigens nur empfehlen, „Bibi Blocksberg“ zur Pflichtlektüre in Schulen zu machen. Denn mit Karla Kolumna gibt es eine Reporterin, die durch und durch gut ist. Sonst haben Journalisten ja eher ein Image wie der Bürgermeister von Neustadt.

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.