Interview

Dorfrocker: Die HNA-Wiesn wird eine Mordsgaudi

Kassel. Mit ihrer Party-Musik gelten die Dorfrocker als Zukunft der volkstümlichen Musik. Am 17. September treten die Brüder bei der Kasseler Wiesn der HNA an der Baunataler Knallhütte auf.

Ein Oktoberfest wie die Kasseler Wiesn dürfte für Sie nichts Neues sein, oder?

Markus Thomann: Das wird eine Mordsgaudi, aber im Prinzip haben wir das ganze Jahr über Oktoberfest und Karneval zusammen. Wir sorgen jedes Wochenende irgendwo für Stimmung. Wie gut das funktioniert, haben wir in den vergangenen fünf Jahren in Vellmar erlebt. Dort kommen jedes Jahr immer mehr Besucher in Dirndl und Lederhose, was ja nicht die typische Kleiderwahl in Nordhessen ist.

Die Nordhessen können von den Bayern also lernen, wie man feiert. Dabei sind Sie doch Franken.

Thomann: Genau, wir kommen aus der Nähe von Bamberg, wo die drei B groß geschrieben werden: Bier, Bratwürste und Basketball. Wir haben die größte Brauereidichte Deutschlands.

Da passt es, dass Sie in Baunatal auf dem Gelände der Hütt-Brauerei auftreten. Haben Sie schon auf das neue Album angestoßen, das auf Rang neun der Charts eingestiegen ist?

Thomann: Ja, das ist ein toller Erfolg für uns. Es ist schon das zweite Album hintereinander, das es in die Top Ten geschafft hat. In unserem Genre, der Mischung aus Rock- und Volksmusik, gibt es nur wenige, die so erfolgreich sind. Besonders freuen wir uns über die gesunde Entwicklung: Wir sind von Album zu Album besser geworden.

Ihr neues Album heißt „Heimat-Land-Liebe“. Wie wichtig ist Ihnen Heimat?

Thomann: Heimat ist für uns total wichtig, weil wir das ganze Jahr über unterwegs sind und bis zu 200 Konzerte spielen. Da freut man sich, wenn man wieder nach Hause kommt. Unser Heimatort Kirchaich hat 1000 Einwohner. Hier kennt jeder jeden, und man kann sich prima ausruhen für den nächsten Auftritt. Eine Weile habe ich in Nürnberg gewohnt, aber zu Hause ist es doch am schönsten.

Wem haben Sie das poppige „Stille Helden“ gewidmet?

Thomann: Allen Helfern im Alltag - von den Feuerwehrmenschen über das Rote Kreuz oder der Krankenschwester bis zu den vielen ehrenamtlichen Helfern bei unseren Auftritten. Sie alle machen einen Superjob und bekommen nur selten einen Dank dafür. Das Lied hat Tiefgang und ist ein bisschen untypisch für uns, weil wir sonst vor allem Feiermusik machen. Wir wollen keine Lieder über den Regenwald schreiben, sondern die Sau rauslassen.

Auch „So soll es bleiben“ klingt eher nach Pur als nach den Dorfrockern.

Thomann: Die sehr schöne Ballade beweist, dass die Grenzen zwischen den Genres immer mehr verschwinden. Die meisten verbinden uns mit Partymusik und wissen gar nicht, dass wir sehr breit aufgestellt sind.

Das Lied könnte auch der Titel des CSU-Wahlprogramms sein. Sind die Dorfrocker eher konservativ?

Thomann: Das Lied können sich verschiedene Parteien auf die Fahne schreiben. Wir wollen damit sagen: Nicht alles, was über Jahrhunderte funktioniert hat, ist schlecht. Das muss man nicht aufgeben. Vieles hat zu Recht Bestand.

Etwas Neues wäre Ihr Auftritt beim Heavy-Metal-Open-Air in Wacken gewesen. Dann gab es eine Petition gegen Sie, die von 27 Leuten unterschrieben wurde, und sie wurden ausgeladen.

Thomann: So etwas haben wir noch nie erlebt. Dabei haben wir die Metal-Leute immer als sehr tolerant empfunden. In dem Fall ist offensichtlich die Toleranz mit Grenzen verbunden gewesen. Was mit uns abgezogen wurde, war nicht fair, da wir einen Vertrag hatten. Wenn ein Veranstalter wegen 27 Mann, denen unsere Musik nicht gefällt, absagt, weil er keine Diskussionen haben will, ist das halt so. Es war eine Lehre für uns.

Was machen Sie, wenn Sie 2017 wieder eine Einladung nach Wacken bekommen?

Thomann: Wir sind nicht nachtragend. Es stellt sich aber die Frage, ob es Sinn macht, Vereinbarungen zu schließen, die hinterher nichts wert sind.

Tickets für den Auftritt der Dorfrocker am Samstag, 17. September, bei der dreitägigen Kasseler Wiesn an der Baunataler Knallhütte: HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Zur Band

Mitglieder: Die drei Brüder Philipp (von links, Gitarre), Tobias (Gesang) und Markus Thomann (Akkordeon, Bass)

Gegründet: 2005

Heimat: Kirchaich (Franken)

Karriere: Ihren ersten Plattenvertrag unterschrieben die Dorfrocker 2006, seither sind sie Profimusiker. Bis dahin hatte Markus als Steuerberater gearbeitet.

Privates: Markus lebt mit seiner Familie wie beide Brüder in seinem Heimatort Kirchaich.

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