Sänger Peter Maffay steht mit seinem rockigen „Tabaluga“-Projekt wieder an der Spitze der Charts

Ein Drache sucht nach der Zeit

Kindgerechte Geschichte, erwachsene Songs: Peter Maffay gelingt auf dem neuen Album die richtige Mischung. Foto: Sony

Sein achtjähriger Sohn Yaris sei schuld, sagt Peter Maffay. Denn eigentlich sollte nach „Tabaluga und das verschenkte Glück“ (2002) Schluss sein mit den Geschichten um den kleinen grünen Drachen. Aber er wolle ihn, „bevor er anfängt, AC/DC zu hören“, noch für sein Rockmärchen begeistern. Und so erscheint nun mit „Tabaluga und die Zeichen der Zeit“ der fünfte Teil der erfolgreichen Saga um Tabaluga, dessen Widersacher Arktos und seine große Liebe, die Eisprinzessin Lilli. „Kleine und große Kinder“ will der 62-Jährige begeistern, mit einer Geschichte, die vielleicht mehr über Maffay aussagt als die bisherigen Teile des Märchens.

Alles dreht sich um das Thema Zeit. Die Geschichte beginnt damit, dass Tabaluga unabsichtlich seinen Wecker zerstört - und befürchtet, damit die Zeit angehalten zu haben. Ein Felsen vorm Eingang zu seiner Drachenhöhle meldet sich daraufhin zu Wort und klärt ihn auf, dass das gar nicht möglich sei.

Von hier aus nimmt die Suche des kleinen Drachens - ähnlich wie im ersten Teil „Tabaluga und die Reise zur Vernunft“ (1983) - ihren Lauf: Er will mehr über Zeit erfahren.

Und schon im ersten Song des Albums, dem zupackend rockenden „Alt wie ein Stein“, singt Maffay auch über die eigene Vergänglichkeit: Jeder wolle - wie der Felsen - steinalt werden, „Das Vergangene genießen / Jeden Tag aufs Neue grüßen / Doch die Wahrheit ist ein Graus / Die Wirklichkeit sieht anders aus.“ Der Rocker lässt Tabaluga daraufhin weitere Figuren treffen: die lebenslustige Eintagsfliege, den lässig-swingenden Tod, den Löwen als protzigen König der Tiere und die unzertrennlichen, als Einheit auftretenden vier Jahreszeiten.

Natürlich verpackt Maffay Tabalugas Suche nach dem Wesen der Zeit in eine kindgerechte Geschichte, die Songs sprechen jedoch häufig eine deutlich erwachsenere Sprache: Wie etwa in „Time Is Money“, das nicht nur mit kapitalistischem Gewinnstreben, sondern auch explizit mit der Politik („Lass dich doch zum Kanzler wählen / So was öffnet alle Pforten“) ins Gericht geht. Das wehmütige „Ich hatte keine Zeit für dich“, das sein verstorbener Vater Tyrion in einem Traum Tabalugas singt, sowie „Revolution“ („Die Zeit erschlägt uns alle / Sie rinnt uns durch die Finger / Wir werden niemals jünger“) zeigen Nachdenklichkeit.

Überraschend: Selbst die unsterbliche Liebe zu Eisprinzessin Lilli, die kurz bei „Die Zeit hält nur in Träumen an“ (Maffay im Duett mit Ex-Monrose-Star Mandy Capristo) in Erscheinung tritt, überdauert nicht. „Alles im Leben hat seine Zeit“ - das muss Tabaluga letztlich feststellen. Ein versöhnliches Ende, aber längst kein Happy End.

Maffay bleibt das „große Kind“, die berühmte Weisheit der Schildkröte Nessaja müsste man angesichts dieses auf den Spitzenplatz der Charts gekletterten Albums aber ergänzen: „Ich wollte nie erwachsen sein, obwohl ich deutlich älter geworden bin.“ (tx)

Peter Maffay: Tabaluga und die Zeichen der Zeit (Ariola/Sony). Wertung: !!!!:

Von Stefan Weber

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