Soiree als Vorgeschmack auf die Premiere der Oper „Lear“ von Aribert Reimann

Nah dran und weit weg

Vorbereitung auf die Premiere: Musikdramaturgin Ursula Benzing erläutert anhand der Ahnentafel das Personal und die Schauplätze der Oper „Lear“. Foto: Socher

Kassel. „Wir haben euch hierher befohlen, um unser Reich vor euren Augen unter unseren Töchtern aufzuteilen.“ Mit diesen Worten des Königs beginnt Aribert Reimanns Oper „Lear“. Der von Claus H. Henneberg eingerichtete Text ist ein Extrakt des Shakespeare-Dramas, das im Original sechs Stunden Spieldauer hat.

Reimanns zweieinhalbstündige Oper eröffnet am 18. September die neue Spielzeit des Staatstheaters Kassel, und 130 Opernfreunde nutzten eine von Dramaturgin Ursula Benzing moderierte Soiree, um sich auf dieses Stück einzustimmen.

Nah dran und weit weg. Beiden Prinzipien werden die Besucher beim „Lear“ begegnen. Nah ans Geschehen ran will Regisseur Paul Esterhazy. Genauer gesagt ins Gehirn der Hauptfigur, König Lear. Denn er inszeniert dieses Vater-Töchter-Drama um Heuchelei, Machtgier und Gewalt als eine Bilderfolge, die im Kopf des sterbenden Königs abläuft. Er befindet sich im Sterbezimmer eines Krankenhauses. Videokameras übernehmen eine Lupenfunktion und zeigen Details des Geschehens live in Großaufnahme.

Esterhazy räumte ein, dass die 1978 uraufgeführte Oper wenig Trost bereithält - entdeckt aber doch einen quasi religiösen Hintergrund, da dieses Stück von Reimann als Sühneprozess eines Menschen verstanden werden kann, der große Schuld auf sich geladen hat.

Weit weg ist diesmal das Orchester, wie Generalmusikdirektor Patrik Ringborg erläuterte: Es befindet sich hinter der Spielfläche auf der Bühne. Das riesige Instrumentarium mit viel Schlagwerk hätte nicht in den Orchestergraben gepasst. Reimann nutzt die kompositorischen Mittel der Moderne, um überwältigende Wucht, aber auch feinste Differenzierung zu erzeugen. So sind die Streicher in bis zu 48 Einzelstimmen unterteilt. Ein besonderes Klangerlebnis, wie Ringborg versprach.

Premiere: Samstag, 18.9., 19.30 Uhr, Opernhaus. Karten: Tel. 0561/1094-222.

Von Werner Fritsch

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