Drecksäcke, wohin man schaut: Comedian Gerd Knebel lästert ab

Kraftausdrücke bevorzugt: Kabarettist Gerd Knebel im Theaterstübchen. Foto: Fischer

Kassel. Die „Badesalz“-Hälfte Gerd Knebel ist kein Mann für feingeschliffene, intellektuell ausgeformte Pointen, wohl aber einer, der mit südhessischer Quasselklappe und herrlich durchgeknallten Figuren sein Publikum hat. Am Donnerstag gastierte der Comedian, Schauspieler und Musiker aus Rodgau im ausverkauften Theaterstübchen mit seinem Programm „Wörld of Drecksäck“.

„Eigentlich sind wir ja alle Drecksäcke, und das tut auch mal gut“, meint er, nimmt sich dann aber die zur Brust, die ihn zur Weißglut bringen. Dann gibt er den Choleriker, der ins Telefon braust, wenn „Damen vom Callcenter“ anrufen, oder er erzählt die Geschichte von einer Rentnerin, die für solche Anrufer eine Trillerpfeife bereit hat.

Tipps gibt er, wie man sich Todfeinde schafft – „Am beste oft in denne Gaade kacke“ – damit man die vor Gericht vorschieben kann, um wegen „irrtümlicher Notwehr“ freigesprochen zu werden: „Isch konnt doch net wisse, dass de Zeuge Jehovas vor de Tür stande, als ich geschosse hab.“

Drecksäcke macht er auch bei Ikea aus, nutzt aber einen defekten Kinderstuhl als probates Erziehungsmittel: „Pascal, wenn du net deinen Brei isst, kommste auf den Stuhl.“

Sprachlich suhlt sich Knebel gern im Schlammtiegel der Kraftausdrücke. Für seine Bühnenfiguren ist diese Sprache aber meist stimmig.

„Drecksäck“ macht er überall aus, meist aber dienen sie nur als Aufhänger für seine irrwitzigen Geschichten. Da blödelt er mit Herzblut und schlüpft in verschiedene Rollen. Das Publikum kam aus dem Lachen gar nicht mehr raus.

Wie Knebel den hilflosen Supermarktbesucher gab, dem die aufdringliche Hilfskraft wie der Glöckner von Notre Dame erscheint, oder wie er zwei Deutschtürken mimt, die „Isch fick eusch alle“ an die Wand sprayen wollen, dabei aber ständig an der deutschen Rechtschreibung scheitern, das ist allerbeste Comedy.

Dazu noch Vorschläge der Art, statt Verkehrsfunk einen Radiosender, der Bankräuber warnt, einzurichten und die Knebel-Show war perfekt. Riesenapplaus. Als Zugabe machte er mit Gitarre auf Rocker und sein Publikum zum Chor.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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