Uraufführung

Drei Frauen über das verlorene Paradies des Georg Forster

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Drei Frauen in allen Rollen: Agnes Giese (von links), Katharina Brehl und Jacqueline Sophie Mendel.

Göttingen. Das Junge Theater hat ein Stück über die Frau des Forschers in Auftrag gegeben: "Aloha Therese!" feierte am Freitag seine Premiere. 

Drei Frauen in historischen Kostümen reden munter über Sexgeschichten. Die Rede ist von Georg Forster und Alexander von Humboldt, die angeblich während der Reise an den Niederrhein was miteinander hatten. Thema ist ebenso der Meyer-Dreier im Hause Forster. Wer die drei Frauen eigentlich sind, ist kaum zu verstehen. Erst die einzelnen Szenen des collagierten Stücks „Aloha Therese!“ von Autor und Regisseur Peter Schanz, das am Freitag im ausverkauften Jungen Theater in Göttingen Uraufführung hatte, schlüsseln auf. Es geht um das Leben des Naturforschers und Weltumseglers Georg Forster, der die Göttinger Professorentochter Therese Heyne heiratete, mit James Cook in die Südsee reiste und als Begründer der modernen Reiseliteratur gilt.

Die Schauspielerinnen Katharina Brehl, Agnes Giese und Jacqueline Sophie Mendel schlüpfen in verschiedene Rollen. Die zweite Szene offenbart die schwierige Vater-Sohn-Beziehung von Johann und Georg Forster. Georg (Jacqueline Sophie Mendel) berichtet über Prügelattacken, notorische Launen, über die 1111 Tage lange Expedition in den Südkontinent mit dem Vater.

Etwa fünfzig blecherne Wassereimer (Heiner Wortberg) zaubern ein herrliches Bild zur Reise von Vater und Sohn auf die Bühne. Zur Musik aus einem Wasserschlauch (Ariane Mihm) wiegen sich die drei Darstellerinnen mit einem Südwester auf dem Kopf in den Wassereimern stehend in den Wellen der See, berichten von ausgefallenen Zähnen, schwarzen Flecken auf den Beinen, aber auch vom Paradies. Aus dem Off liest eine Stimme Texte von Georg Forster über den „Garten Eden“. Zu unglaublichen Klängen aus Muscheln erscheint ein Südseemädchen (Katharina Brehl) mit Blumenkette im wunderschönen Bastrockkostüm (Sabrina Genschow), wackelt tüchtig mit dem Hintern, verführt Georg. Zarter Gesang begleitet die tolle Szene.

Nach der Reise kommt es zur Hochzeit von Georg und Therese Heyne. „Georg Forster, der Weitgereiste, das war das coolste Denkbare.“ Die Ehe ist aber unglücklich. Georg fühlt sich leer, hat Geldsorgen. Katharina die Große schickt einen Gesandten, der Forster für eine große Expedition engagiert. Für die von Agnes Giese im Soldatenmantel mit rotem Stern witzig gespielte Szene gab es Zwischenapplaus. Das Projekt scheitert. Therese verliebt sich in Friedrich Ludwig Meyer und Ludwig Ferdinand Huber, den sie in der Schweiz heiratet.

Weiterhin führt das Bühnenstück in die hässliche Welt der Missionare, „die tun ja nichts, sind immer nur faul, warten, bis eine Brotfrucht vom Baum fällt“. Ein Missionar im schwarzen Talar (Katharina Brehl) mit dunkler Hautfarbe lacht hämisch über ein Mädchen mit weißer Haut (Jacqueline Sophie Mendel), nimmt sie sich, „Ich Christ, Du Heide, Du Kaninchen, Ich Kanacker“. Schwarz und Weiß wird zum bösen Spiel des Rassismus. Dazu wird Georg Forster zitiert, der sagt, die Welt sei überall gleich, der immer Respekt offenbarte. An manchen Ecken ist „Aloha Therese!“ ein bisschen vollgepackt, etwas pathetisch. Dennoch ist die Inszenierung witzig, intelligent. Eine glanzvolle Leistung des Ensembles.

Wieder heute, 9., 31.5., Kartentelefon: 0551/495015.

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