Lorenzo Fiorini inszeniert Wagners „Lohengrin“ - Premiere am Samstag

Drei Märchen in einem

Lorenzo Fiorini Foto: Fritsch

Kassel. „Wo Politik auf Realität trifft“: Mit diesem Slogan wirbt Frank Plasberg für seinen Polit-Talk „Hart aber fair“. Wo Utopie auf Realität trifft - an diesem Punkt setzt Regisseur Lorenzo Fioroni (39) bei Richard Wagners romantischer Oper „Lohengrin“ an. Es ist die Geschichte des Helden, der von einem Schwan gezogen zur Rettung Elsas eintrifft, um dann, als sein Name und seine Identität als Gralsritter offenbar werden, wieder zu entschwinden.

Märchenhafte Züge trägt diese Geschichte, doch anders als im Märchen scheint das Wünschen (die Utopie) in diesem Drama die Realität nicht dauerhaft verändern zu können. Das Besondere an seiner Inszenierung ist, so viel verrät der aus dem Tessin stammende Regisseur vorab, dass es sich nicht nur um ein Märchen handelt, sondern gleich um deren drei.

In jedem der drei Aufzüge wird die Fragestellung „Utopie versus Realität“ unter einem anderen Blickwinkel thematisiert. Die drei Abschnitte spielen zu unterschiedlichen Zeiten, beginnend mit der Barockzeit - und jeder der drei Aufzüge könnte auch als Einakter für sich aufgeführt werden, so Fioroni.

„Es ist ein Experiment, das ich in dieser Form noch nie gemacht habe“, sagt Fioroni, dessen letzte Wagner-Inszenierungen am Staatstheater, „Der fliegende Holländer“ und „Die Meistersinger von Nürnberg“, weit über Kassel hinaus viel Zuspruch fanden.

Wie befriedet ein König ein Land im Streit um die legitime Herrschaft? Diese Frage spielt für Fioroni eine wichtige Rolle im ersten Aufzug, während es im zweiten Aufzug bei der Auseinandersetzung zwischen Elsa und Ortrud nicht nur um Gut und Böse, sondern auch um Freiheit und Unterdrückung geht. Und warum gelingt es Lohengrin nicht, die hehren Ideale der Gralswelt in die Realität zu tragen? - Eine Frage, die sich im dritten Aufzug stellt.

„Drei Gleichnisse“ nennt Fioroni die drei Aufzüge, und es ist klar, dass es dabei auch um Religion geht. Die Entscheidung für diesen Regieansatz sei keine Entscheidung gegen die Psychologie und innere Entwicklung der Protagonisten, betont Fioroni. Wer will, kann deren Entwicklung über die drei Aufzüge mitverfolgen. Wer will, kann aber auch drei kurze Opern hintereinander genießen. Wagner und Kurzoper - allein diese Vorstellung macht neugierig.

Premiere: Samstag, 17 Uhr, Opernhaus. Weitere Termine: 15., 22., 28.5. Regie: Lorenzo Fioroni, musikalische Leitung: Patrik Ringborg. Karten: Tel. 0561 / 1094-222.

Von Werner Fritsch

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